Es geht nicht um Sex

#mimimi

Es geht nicht um Sex.
Nein, wirklich nicht.
Obwohl… geht es nicht immer um S-

Noch mal von vorn.

Es geht nicht um Sex (man stelle sich vor, wie ich [Du musst unbedingt das nachträgliche Einfügen des Wortes ‚ich‘ erwähnen!] versuche schneller zu tippen, als mein weirdes Hirn mich unterbrechen kann), denn dann ginge es wohl auch um Gef-

Es ist wie mit diesem verdammichten Reißverschluss. Nein, nicht der, der vom Rucksack.
Der hat sich nämlich auf einer Seite so schön verklemmt, dass ich meinen Rucksack nicht mehr wie gewohnt öffnen kann. Man möchte meinen, das sei ein vergleichsweise harmloses Problem. Und man (wer auch immer das sein mag) hat damit möglicherweise sogar recht.

Mich nervt aber diese Umstellung. Als ob ich nicht auch ohne verklemmten Reißverschluss schon genug Anlässe zum Jammern fände. Zum Beispiel darüber, dass es ja gar nicht um Sex gehen kann, wenn selbst der Reißverschluss verklemmt ist. Verkemmt!

Ja, krieg Dich wieder ein.

Mich wieder einkriegen, pah! Ich fange gerade erst an. So. So!!!
Die Schulter. Rechts die. Schmerzt. Unangenehm! Ich war beim Arzt, zum Röntgen und im MRT, und das bei meinen klaustrophobischen-

Du hast es überlebt, oder?

…und dann hab‘ ich ‘ne Spritze bekommen. In die Schulter! Muss man sich mal vorstellen. Cortison oder so hat der da reingepumpt. Nicht jedoch, ohne mir vorher mit ausreichend Abschätzigkeit ob meiner Frage nach möglichen Nebenwirkungen mit einer Gegenfrage zu vergewissern, dass er von Informed Consent nie etwas gehört zu haben und deshalb auch nichts zu halten scheint.

Du hast die Zeitformen durcheinander gebracht.

Was?

Du hast die Zeitformen durcheinander gebracht. Erst erzählst vom Arztbesuch in der Vergangenheit, einen Satz später benutzt Du Gegenwart.

Ey, lass mich, Hirn!

Gleich. Ich möchte nur die Gelegenheit nutzen, Dich darauf hinzuweisen, dass Du den Erzählstil von hollingtonsmum kopierst.

Hng?

Du hast mich schon verstanden. Ganz billig, mein Freund. Ganz billig!

Hm, nicht das einzige, was mich als

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Er will damit Cursorblinken darstellen.

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Ich glaube, die Leute haben es verstanden.

Mir ist aber noch keine adäquate Form der Selbstbeschimpfung eingefallen, die meiner momentanen Gefühlslage auch nur ein bisschen ähnelt.

Rotwein?

Oh ja, bitte!

Du trinkst zu viel.

Ich weiß…

Jetzt grübel nicht ewig, schreib weiter! Die Leute haben nicht ewig Zeit und Lust, Dein Mimimi zu ertragen.

Na ja, eine Leserin hat mir immerhin was via PayPal geschickt! Worüber ich mich echt gefreut habe. Ganz so schlimm kann es ja also nicht sein, oder?

Wie hat sie Dir was geschickt?

Na, via PayPal! Ich hab’ doch auf der Startseite so einen Button platziert, damit die Leute-

Das habe ich schon verstanden. Ich möchte aber wissen, wie Du es ausprichst.

Na [ˈpeɪˌpæl]. Ich weiß, die Leute sagen immer [ˈpeɪˌ pɔːl], aber es ist der „Bezahl Freund“ und nicht der „Bezahl Paul“.

Klugscheißer kann keiner leiden.

Popularity Contests will ich schon lange nicht mehr gewinnen.

Touché.


Jedenfalls kann ich mich zurzeit nicht leiden.
Klar, alle haben irgendwie gerade zu knuppern, aber ich kann zusehen, wie ich von Tag zu Tag unausstehlicher werde.

Deswegen geht es ja auch nicht um S-

Hahaha-sehrwitzig-washabenwir-gelacht.
Nein, mal ernsthaft jetzt. Mir macht diese Social Distancing Sache doch mehr Schwierigkeiten als gedacht. Nicht, weil mir so viele Menschen feh-

Und da bin ich schon wieder Arschloch. Ja, Arschloch! Böses Wort, aber so ist es nunmal. Erst habe ich Peter unnötig barsch angeblafft, dann meine Nachbarin ihrer Musik beraubt und jetzt stoße ich noch die paar Leute vor den Kopf, die mich nicht ganz unerträglich finden.

Moment. Du hast Deine Nachbarin ihrer Musik beraubt? Wie muss mich das denn vorstellen, Du hast ihren Spotify Account gehackt und gelöscht?

Nix da „Spotify“, schön live und alles!
Ich kam da halt vom Laufen und war noch nicht so richtig fertig mit Gedanken sortieren und so. Was für mich bedeutete, noch weiter sortieren und keine Ablenkung durch Netflix, Instagram oder eben Musik hören ertragen zu wollen. Auch nicht aus der Nachbarwohnung.

Ah, stimmt. Aus der kommt ja meist so Bummborr-Beat oder nachts ER-TEH-ELL-TSWAI-VerdummungsfernsehPisseKackeSchei-

Wenn ich mich kurz unterbrechen… darf… wie schräg ist das denn?

Die Selbstunterbrechung?

Ja! Ein bisschen hat mich der in meinem Kopf gerade abgelaufene Prozess ja doch…

Verstört?

Ähm…
Weshalb ich Dich unterbrach: Es geht nicht um Lärm aus der Wohnung neben meiner, sondern um mich störende Beschallung aus der Wohnung unter mir. Mann, Mann, Mann, ich komme mir so dermaßen alman vor. Am helllichten Tag bei Frau OmmaÜberAchtzig klingeln und um leisere Musik zu bitten! Can ANYONE just shoot me?

Why? Und warum plötzlich English? Egal, pass mal auf: Es ist ja sehr schön, dass der Sohn von Frau OmmaÜberAchtzig ihr ab und zu was vorspielt, aber wie hättest Du das wissen können? Er spielt verdammt nochmal IMMER DASSELBE Stück „Rennsteig meets Alm-Öhi“! Auf einem Akkordeon!

Ich hab‘ echt gedacht, das sei eine CD oder so und man könnte der OmmaÜberAchtzig vielleicht begreiflich machen, dass man den… Quark (es tut mir leid, ich kann es nicht freundlicher benennen) leiser stellen könnte. Aber „Rennsteig meets Alm-Öhi“ kennt nur Lautstärke 11. Auf einer Skala, die bis 10 geht.

Außerdem hassen wir Akkordeon.

Na ja, „hassen“ ist jetzt vielleicht ein sehr endgültiger Begriff. Tango Nuevo oder auch diverses Jazz-Gedöns aufm Akkordeon sind schon ok.

Ok, Schuldgefühle gegenüber der OmmaÜberAchtzig. Haken dran, wir haben den Unsinn schon seit drei Jahren regelmäßig auf den Ohren. Da darf man doch wohl einmal almanen. What next?

Hallo?
Wo steckt der Kerl?

.
.
.

Sorry! War nur kurz Eis essen. Soll super für die Figur sein. Hab‘ ich gehört…

Während Du Dir den Wanst vollgeschlagen hast, habe ich noch ein bisschen über unser „formelles Problem“ nachgedacht.

Über was?

Das Problem mit der Form dieser BlockpostTM. Meinst Du nicht, wir sollten hollingtonsmum mal fragen, ob sie damit einverstanden ist, dass wir ihren Schreibstil borgen?

Ok, klar. Nicht, dass wir hier des Plagiats oder so bezichtigt werden. Ähm…

hollingtonsmum? Hast Du kurz Zeit?

Wenn ja, vielleicht kannst Du Dich ja kurz hier reinlesen und folgende Frage beantworten:

Bist Du damit einverstanden, dass mein Hirn und ich unsere Unterhaltung in Anlehnung an Deinen Schreibstil hier so… na ja… Du weißt schon…

Dürfen wir?

Büüüütte!

Bei dem letzten „verklemmt“ fehlt ’n L. Abgesehen davon…
(Deine Omma im Haus bekommt Livemusik, wie schrecklich schön das ist!!!)

Ich habe nichts dagegen einzuwenden, auch mit Deinem Hirn direkt zu kommunizieren. Auch wenn es sehr oft „Klappe Alberts Hirn“ von mir zu hören bekommen hat in letzter Zeit.

Sei endlich mal nett zum kleinkünstler! Und gib mir Eis ab!!

Ähm, das Eis hat der feine Herr Kleinkünstler auch mir vorenthalten, just saying.

Ich übe mich mal lieber in Dankbarkeit für diese appatureTM Großzügigkeit, verehrte Schreibkollegin!
Sobald es wieder möglich ist, gebe ich Dir sehr gern Eis ab.

*Dieses MitmachanklickgedönsTM ist exklusiv für hollingtonsmum. Andere als ihre Antwort(en) werden geflissentlich… ignoriert.


Er nahm einen Schluck aus seiner Tasse und da, es war wieder passiert!
„Bäh“, sagte er gerade laut genug, um es nicht vor allen Anwesenden verbergen zu können.

„Was ist denn jetzt los?“, fragte unvermittelt das Hirn.

„Was soll schon sein, ich hab‘ mal wieder Kaffeekrümel im Mund. Jedes Mal beim ersten Schluck, ey…“

„Nein, nicht das. Das andere. Wie ist das denn passiert?“

„Was passiert?“, entgegnete er leicht amüsiert.

„Na das passiert!“, beschwerte sich das Hirn mit nun unverhohlenem Ärger in der nur für ihn hörbaren Stimme. „Der Wechsel der Erzählperspektive!“

„Hm?“

„Ich glaub, ich krich’s nich! Eben noch erzählen wir schön in ‚Ich- und Ich-Perspektive‘, haben sogar die Erlaubnis, es so wie Hollingtonsmum aufschreiben zu dürfen und da taucht mir nichts, dir nichts dieser auktoriale Erzähler auf.“

„Wer taucht auf?“, fragte er mit gespielter Unschuld.

„Ein auk-to-ri-a-ler- Erzähler!

„Ein was?“, stellte er sich dümmer, als es nötig war.

„Ein all-wis-sen-der Erzähler.“, rollte das Hirn mit seinen metaphorischen Augen.

„Dann sag das doch! Wolltest wohl wieder besonders intellektuell rüberkommen, was?“, grinste er dämlich nach innen.

„Warst Du das?“

„Hm?“

Du hast Dir das mit dem allwissenden Erähler ausgedacht, oder?“

„Yep.“

„Und jetzt kommst Du Dir wahrscheinlich unglaublich clever vor, was?“

„Na ja, so mittel. Ich musste bei Wikipedia nachschauen, wie man diese Erzählform nennt. Und ich bin nicht davon überzeugt, dass das alles so korrekt ist.“, gestand er sich selbst endlich ein.

„Kannste nicht andere Quellen checken, um Deine Erkenntnisse zu bestätigen oder widerlegen?“, schlug das Hirn ein logisches Vorgehen… vor.

„Nö.“

„Zu faul.“, ergänzte er erklärend, nach dem er merkte, dass Hirn sich mit „Nö“ nicht abspeisen ließ.

„Weißt Du was richtig krass ist?“

„Ich will es zwar nicht wissen, aber Du wirst es mir trotzdem sagen, oder?“

„Der auktoriale Erzähler entwickelt plötzlich eine Art Handlungsbewusstsein. Eben hat er bei ‚schlug das Hirn ein logisches Vorgehen… vor‘ seinen Ausdruck, sein Denken hinterfragt. Meta, oder?“

„Alter, Dein Hirn möchte ich lieber nicht kennenlern-“

Sie starrten einander an. Wie ein Blitz traf sie die Erkenntnis. Eine Erkenntnis, die die Welt verändern würde und
Puffff…! war er weg der auktoriale Erzähler, glaubt mir!


Nun ja, endlich Zeit, mich mit den eigentlichen Themen der heutigen Blockpost zu befassen.
Und ich muss mit einer Warnung beginnen („beginnen“, nach knapp 1500 Wörtern!), aber eventuell zieht hier gleich der Wind des Frusts durch diese Zeilen.

Ich spreche natürlich von „Home Office“. Oder „Homeoffice“, „Home-Office“? Ach, was weiß denn ich!

Mein Problem mit Home-Office ist vielschichtig. Es geht schon beim Begriff los. Ich will verdammt nochmal nicht das Office im Home haben oder im Office at Home sein. Es hat immerhin ein paar Jahre gedauert um zu beginnen zu begreifen, es gibt wichtigeres als Office aka Arbeit. Und jetzt soll ich die dauernd mit nach Hause nehmen?

Vielleicht ist es auch dieses verkrampfte Normalität-aufrechterhalten-obwohl-es-eigentlich-nicht-geht, was mich so nervt. Theaterspielen und Stückproben sind zurzeit nicht möglich. Aber ich bekomme das Gefühl, dass alle jetzt nicht nur was im Internet machen, Konzerte, Lesungen, Tralalaa, sondern dass man unbedingt mitmachen muss. Für die Fans, das Publikum, damit sie ein bisschen Kultur haben in diesen schweren Zeiten.

Und dann noch die ganzen digitalen Probenformate: Hier eine Aufgabe für die Jugendgruppe X, da ein Online-Meeting von Gruppe Schlag-mich-doch-tot, der allgegenwärtige Performancedruck scheint sich wie die Ausbreitung eines… sagen wir ebenso allgegenwärtigen Virus‘ exponentiell zu erhöhen und mir immer wieder vor Augen halten zu wollen:

Du kannst nicht genug, Du machst nicht genug, Du bist nicht genug.

Ich habe aber keine Lust auf kostenlose Daily Kleinkunst! Und habe dabei ein schlechtes Gewissen. Andere können das doch auch, denk mal an die, die in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Supermärkten-

STOP! Du weißt schon, wohin Dich diese Denkspirale führt, oder?

Nein. Wohin?

Alter! Deinen Sarkasmus kannste Dir mal schön sonst wohin stecken, …

Contenance, Hirn, möglicherweise lesen hier ja Minderjährige mit. Oder Geschwister!

Deswegen geht es ja auch nicht um Sex.

GesichtspauseTM.

Nun sag schon, was Du sagen wolltest.

Ich weiß es nicht mehr… vielleicht, dass Du Dich nicht so fertig machen solltest?

Ähm, nur mal so zur Info: Die (Selbst)Zweifel bringst Du immer an. Ich bin hier nur die Hülle, die Fassade, das Schaufenster, die Schnittstelle zur Real World und darf die Ergebnisse Deines verschrobenen Denkens…

…und Fühlens!

…die Ergebnisse Deines verschrobenen Denkens und Fühlens gegenüber der Welt da draußen verteidigen.

Aha. Jetzt schweigst Du also?

Was?

Die Entschuldigung…

Oh… die Entschuldigung. Ok, aber danach ist Schluss für heute, oder?

Ist vielleicht besser so. Es geht ja schließlich nicht um S-


Entschuldigung,

liebe Michelle!

Ich hatte nicht vor, Dich zu verletzen, habe es aber aus Feigheit und Angst vor der Konfrontation dennoch getan. Und dafür schäme ich mich.


Ähm… das ist jetzt schon so ein bisschen… willst Du echt so aufhören?

Äh, ja?!

Findest Du nicht, Du könntest ein etwas stimmungsaufgehellteres Ende für diese BlockpostTM finden?

Zum Beispiel…?

Ein HomeVideoMusikstückliveundunbearbeitetaufgenommen-Dingens?

Klappe, Alberts Hirn!



© 2020 albert sadebeck

4 Kommentare zu „Es geht nicht um Sex

  1. Stell deinen Scheffel nicht immer unter das Licht!
    ‚Das heißt, stell dein Licht nicht unter den Scheffel‘ unkt mein Hirn.

    Mist, du bist ansteckend!
    Na wie auch immer. War mir wieder ein Vergnügen!
    ‚Lüg nicht, hat dich doch ein wenig traurig gemacht‘
    Olle Petzte, na gut, ein klitzekleinwenig. Aber war trotzdem ein Vergnügen.So!

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich liebe es, in Zeitformen herumgesprungen zu sein…oder zu werden… vor allem zu wollen… schachtelsätzebildend und dabei mit meiner Walnuss im Schädel (ich holte mir einst die Erlaubnis, mein Hirn so nennen zu dürfen) diskutieren zu müssen/können/wollen!
    VON DAHER* verstehe ich deine Zeilen und (!!) deren Inhalt nur zu gut.

    Wir könnten glatt verwandt sein**

    Schönen Sonntag derweil

    P.s. Schöner „Pop“Song 😊
    P.p.s. *Insider 😅

    Gefällt 1 Person

  3. 🙈…ich weiß, Dein (immer zur Seite stehendes) Hirn wollte gestern während unserer FaceTime zu mir sagen:
    „Lies doch erst zu Ende, bevor du was sagst!“…😬… hab ich mit meinen Ohrstöpsel wohl nicht gehört…😅-> denn:
    Was unser Schwesterherz sagt!!!
    Genau so ist’s!!!
    Und was Monika sagt, auch das!!!

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