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Blockpost™ it's all fun and games ('til someone cries) was so passiert

Kein Probleeem…

Ich wünsche mir eine Einhorn Party.

Oh cool Mäuschen. Das machen wir. Ich backe dir eine Torte in Einhornform.

Ehm… die Torte hat Oma bis jetzt immer gebacken, frag sie da erstmal lieber, nicht dass sie sich übergangen fühlt.


Ich habe einen Zooausflug mit deiner Patentante zusammen organisiert.

Juhuuuuuuuuuu

Furchtbar! Dann muss sie sich jetzt zwischen Nähkurs und Zoo entscheiden.

Was denn für ein Nähkurs?

Der startet seit dieser Woche wieder…

Das hat mir niemand gesagt…


Mama, meine Hose ist zu kurz.

Oh ok, dann ziehen wir eine andere an.

Aber das ist meine Lieblingshose! (27min Weinanfall)


Ich möchte ab heute keine bunten Leggins mehr tragen. Nur noch einfarbige, am besten dunkle.

*notiert Retoure der gestern zusammen bestellten bunten Leggins*


Mama wir sehen uns nur noch, wenn du mich in den Kindergarten bringst.

Mein Schatz, das stimmt, meine Arbeitszeiten sind sehr lang und ich versuche, mehr Zeit zu finden.

Du gehst heute trotzdem, oder?

(Kann bitte jemand das Messer aus meiner Brust ziehen?!) … ja …

*es weinen beide*


Ich habe mich von Tobias* (Name aus Datenschutzgründen geändert) getrennt.

Oh je, ich komme gerade von der Arbeit, bin in 5 Minuten da, dann können wir…

Ich komme dann zu dir.
…oh, ok, auch gut. Dann bis gleich. *streicht mental die geplante warme Badewanne*


Ich möchte Nudeln zum Abendessen.

Ok.

Aber ohne Soße.

Ok.

*kocht Soße*

(unter Tränen) Ich will keine Soooossssääääää!

Die ist für den Rest der Familie. Du kannst deine Nudeln ohne Soße essen.

Ok. Dann nehme ich auch welche.


Das Silberhochzeitsgeschenk hat noch 2 Monate Zeit. Mal ne Familiengruppe bei WhatsApp gründen.

*Opa tritt sofort wieder aus*
*alle fragen sich, wen ich meine mit dem „Jubiläum“*
*niemand hat Geschenk Ideen*
*Bilder… Bilder von den Beiden? Pffff vlt 2 alte, verschwommen, von hinten*
*Bruder will keinen Text schreiben.*
*Nein, auch keinen kurzen* 


Mama, Aaro hat gekotzt.

Hm, hat er wieder was gefressen was er nicht verträgt…

*betrachtet einen unverdauten Entenfuß in Sabber und Magensäure auf dem Stubenboden*


Mama können wir heute Nuggets essen. Mit süßsaurer Soße.

Hallo mein Kind, ich freue mich auch, dich zu sehen, wie war’s denn heute im Kindergarten?

Ihr Kind weiß, was Nuggets sind?

Ja natürlich, wir essen oft Makdoniil, ge Mama?

Wir nehmen die Juniortüte mit Buch und Apfelstücken zum Hühnchen.

*Oft. Kind, über die Bedeutung „oft“ reden wir nochmal.*


Wollen wir uns im Januar treffen? Wir haben uns das ganze Jahr über nicht gesehen.

Oh, im Januar bekomme ich keinen Urlaub, wie wäre es mit April?

An dem freien WE, was ich im April habe, kommt der Osterhase… vlt Juli?

Hm…. keine Ahnung wie unsere Sommerplanung aussieht. Dann müssen wir das später nochmal besprechen.


Die Bornholmreise aus April wurde auf Oktober verschoben. Oktober: Bornholm wird Risikogebiet. Die Bornholmreise wird kostenpflichtig storniert.


Es gibt insgesamt 12 Krankmeldungen, du wirst in den Abteilungen flexibel zur Aushilfe eingesetzt.


Geburtstag von der besseren Hälfte rückt näher. Tatsächlich habe ich gute Ideen für ein Geschenk. Eines davon bekomme ich über Amazon.

*Amazon cancelled Warenkorb*
*Bezahloption Lastschrift nicht genehmigt*
*ändert Bezahloption*
*Kreditkarte nicht genehmigt*
*muss neben dem Geschenk jetzt auch ein neues Telefon bestellen, da der Aufprall gegen die Wand das Display zerstört hat*

(Anmerkung für Leser, die die finanziellen Engpässe der Autorin kennen: diesmal war nicht die fehlende Deckung schuld. Es wäre Geld da. Amazon will es aber offenbar nicht.)


Ich sollte endlich mal wieder Sport machen. Meine Muskulatur ist schlechter als die einer 80 jährigen.

*knickt während des Gedankens um*


Ich habe die Fische ganz alleine gefüttert.

Aha. Wann?

Heute morgen, als du noch im Bett warst.

Aha. Und darfst du das?

Nein…

Und waru…… fuckfuckfuckfuck

Oh Mama, alle Fische schwimmen oben.

Geh einfach. Geh einfach schnell.

Wohin denn?

*holt krampfhaft tief luft*

Bitte geh Papa holen und sag, er soll einen Eimer mitbringen. Schnell!

(Verzeichnete Tote: 19 Fische, inklusive meines Lieblingswelses, alle

Garnelen, 2 Schnecken)


Wann warst du eigentlich das letzte Mal beim Pferd?


*Bucht einen Urlaub in Berlin, Berlin wird zum Risikogebiet erklärt, storniert ihren Urlaub in Berlin*


All diese Dinge sind stressig und benötigen extra Kraft. Das ist kein Problem, ich habe auf die meisten dieser Fragen antworten oder Lösungen. Was mich aber wirklich stresst ist die Frage: „Und wie verbringt ihr Weihnachten?“

Woher soll ich das wissen? Es ist in einer 1950 Standard Familie schon schwierig, alle Familienangehörigen unter zu bekommen und die wenigen Tage, Zeit und die unterschiedlich gewichteten Anlässe zu vereinen. Was aber mit der 2020 Patchwork Familie anstellen? Und noch schlimmer: Planen, ohne zu wissen, ob die Arbeit nicht sowieso dazwischenfunkt. Ich bin den Tränen nahe bei diesem scheiß Thema und würde am liebsten alle, die ich sehen will, einpacken und wegfahren. Aber hey, 2020, Corona und so. Meine eigenen Ansprüche, meine Erwartungen und meine emotionale Aufladung an die Feiertage werden also auf Eis gelegt und ich beschäftige mich über das Fest lieber damit herauszufinden, wo ich im Sommer 2021 meinen Urlaub storniere.


© 2020 hollingtonsmum

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Heute ohne Glitzer

Wir stehen wie immer viel zu spät in der Küche, die Uhr tickt extra laut, um mit jeder verstrichenen Sekunde nochmal drauf hinzuweisen, dass der Berufsverkehr das pünktliche Frühstück im Kindergarten verhindern wird. Ich drängle, dass er jetzt bitte endlich die Schuhe anziehen soll. 17 Sekunden später finde ich mein in Tränen aufgelöstes Kind auf der letzten Treppenstufe sitzend.

„Warum weinst du?“

„Die halten nicht“

Ich schaue genauer hin… tatsächlich… der Klettverschluss ist an der Innenseite gerissen… auch das Leder ist an der Zehkante ganz abgelaufen. Verdammt.

Wir fahren mit den unklettbaren Schuhen zum Kindergarten und besprechen unterwegs, wann wir neue Schuhe besorgen könnten.

In der Umkleide gibt es leider erneutes Drama. Die Sommersandalen, die für den Herbst zu kalt und für die Tonne zu schade sind, wurden als Hausschuhe für den Kindergarten umfunktioniert. Offenbar drücken sie aber, er zieht sie an und zeigt die Stellen auf, an denen das Leder zu enganliegt… ok. 2 Paar Schuhe also… dann lohnt sich die Fahrt ja wenigstens.

Wie verabredet gehen wir bei der nächsten Gelegenheit in den Schuhladen. Ich vergewissere mich mehrfach, dass meinem Kind klar ist, dass er sich gleich neue Schuhe aussuchen darf, WENN: Er sie anprobiert und sie testet, solange bis ICH beruhigt bin, einen Schuh gefunden zu haben der passt und nachhaltig ist und flexibel genug, den Kontakt zum Boden zu gewährleisten, damit die kleinen Kinderfüße orthopädisch korrekt und gestützt, aber nicht beengt wachsen können… und: er sich dann von seinen gewohnten Schuhen trennen muss.

„Ja.“

„Hast du das verstanden?“

„Ja.“

„Wirklich?“

„Ja.“

„Es gibt dann kein Drama, wenn die Verkäuferin die alten Schuhe wegwirft, ja?“

„Jaaaaahaaaaaaa“

„Nerve ich dich?“

„Nein.“

Na immerhin.

Ich lotse ihn in das Kinderschuhregal seiner ungefähren Größe…er soll sich schonmal umsehen während ich jemanden suche, der Ahnung von Schuhgrößen hat. Beim Weggehen beobachte ich ihn. Er hat die Arme vor der Brust verschränkt, den Zeigefinger der linken Hand an die Unterlippe gelehnt und geht langsam durch den Gang zwischen den Regalen, jeden Schuh scannend.

Als wir zurückkommen, lässt er sich widerwillig von der Fremden in einem Fuß-Scanner platzieren, der uns wenige Sekunden später digital die exakte Größe ausspuckt. Ein Phänomen. (Dass die Maschine das kann, und dass er nicht meckert, von einer komischen Frau, die nicht Hallo gesagt hat, einfach in einen Karton gestellt zu werden, sein Gesicht allerdings sprach Bände)

Wir watscheln zurück zur Auswahl und es dauerte ein paar Minuten, bis er sich endgültig entschieden hat.

Froddo Schuhe sollten es sein. Meine innere, dauerhysterische Übermutter machte Luftsprünge, eine Marke mit dünner Barfußsohle, die man so hübsch demonstrativ zusammenrollen kann. Jes. Gutes Kind.

Der Verkäuferin fällt alles aus dem Gesicht.

„Em, das ist ein Mädchenschuh.“

„Wieso?“

„Der ist pink.“

„Und?“

„Pink ist für Mädchen.“

Meine Übermutter ist in ihrem Element: Was, wenn die anderen Kinder ihn auslachen? Was, wenn die Erzieher ihm mitteilen, dass er Mädchenschuhe trägt. Wird seine Freude dann gebremst? Hm… ich versuche Worte vorzubereiten, ihn in seiner Entscheidung zu stärken und zu seinen pinken Schuhen zu stehen.

„Ich finde den sön.“

Oh ach guck. Er macht das von allein. Puh

Die Verkäuferin schaut mich an. Erwartungsvoll hochgezogene linke Augenbraue.

Ich zücke meine (inzwischen wieder aufgetauchte) EC-Karte und halte sie ihr hin.

„Wollen Sie denn gar nichts unternehmen?“

„Doch, ich würde die sönen Suhe gern kaufen.“

Sie schweigt verächtlich und murmelt „Sonst noch was?“

Ach ja. Klar. Neben den Hausschuhen brauchen wir ja auch Herbstschuhe.

Ich schaue meinen Sohn an und sage wir müssen noch einmal zurück, wir brauchen ja ein zweites Paar für draußen. Ihm ist alles egal. Er ist zufrieden. Dieselbe Marke wird für ihn vom Stapel Kartons genommen und die Verkäuferin lässt nur verächtlich „Hier gibts auch Glitzer.“ verlauten, als er bereits ein unauffällig dunkelblaues Paar zu sich zieht.

Freundlich erwidere ich, dass wir Glitzer heute nicht brauchen, aber gern für die Winterstiefel wiederkommen. Ich bezahle und sie rauscht von dannen. Die kaputten Schuhe behielt sie wie erwartet zurück.
Zum Glück war er damit safe, winkt kurz hinterher und sagt „Düss kaputte Suhe“, dann folgt er mir brav zum Auto. Durch und durch glücklich über seine neuen Hausschuhe. ♡

Wir mussten nun schon des Öfteren erklären, dass Jungsfüße nicht abfallen, wenn sie pinke Schuhe tragen.

Seine Begeisterung hält zum Glück an.

Vielleicht schaffen wir es ja in 2-3 Generationen, jedem Kind jede Farbe zugänglich zu machen, geschlechtsunabhängig.


© 2020 hollingtonsmum

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Först Reisen, Bedenken säcknt

Vor kurzem feierte die Große Geburtstag. Kindergeburtstag, der Traum eines jeden Elternteils. 8 Kinder, gepusht von Aufregung und Capri-Sonne. Der Überlebensinstinkt flüstert leise: Irgendwo draußen, irgendwo weit weg, irgendwas mit Programm… die Küche atmet erleichtert auf, als beschlossen wird: Ein Ausflug in einen Streichelzoo der näheren Umgebung. Schneller als mir lieb ist finden wir uns also zwischen Alpakas, Hüpfburgen und XXL-Bausteinen wieder, der Papageienkuchen kämpft um seine bestreuselte Glasur, die sich in der Sonne gehen lässt. Die Dekoblume rutscht vom Nutellamuffin.

Highlight der ganz Kleinen: Ein betagtes Karussell mit 3 Pferden. Im echten Leben hätten sie wahrscheinlich bereits Gnadenbrotalter erreicht. Da sie hier aber keine Wehwehchen äußern konnten, drehten sie mit abgeblättertem Lack Runde um Runde. Krux: Sie trabten nur mit einem eingeworfenen Euro knarzend los. Als ich nach 9 Runden versuchte zu erklären, dass mein Münzgeld leider aufgebraucht war, war die Enttäuschung groß. So groß, dass die Kleinen (clever sind sie ja) umstehende Fremde nach „ein Geld“ fragten. (Gar nicht peinlich…)

Folgender Dialog entstand:

Mini: Hallo, wir brauchen ein Geld.

Fremder: Hallo, dann fragt mal eure Mama.

Mini: Mama hat nicht ein Geld.
(Danke mein Kind, das muss man ja nun nicht jedem…)

Fremder: Das ist der Grund, warum Mama dann arbeiten geht. Dann bekommt sie wieder Geld.

Mini: Mama muss auf Arbeit?!
(panisch suchende Blicke, ob ich das Gelände verlassen haben könnte)

Fremder: Heute scheinbar nicht. Aber normalerweise geht Mama doch arbeiten. Und dann kann sie euch schöne Sachen und Urlaube kaufen, weil sie Geld hat und dann seid ihr glücklich.

Mini: Und hast du jetzt ein Geld?

Fremder: Na gut, eine Runde
(Fun Fact: Sein Kind kletterte in dem Moment mit auf die Rösser. So großmütig war die Geste also nicht…)

Während die Kinder quietschend karussellierten, hallten die Worte dieses Fremden in meinem Kopf nach. Der Kapitalismus aus seinem Vortrag sprang mich an und halb ärgerte ich mich, dass er meinem Kind gerade erklärt hat, dass man Geld braucht, um glücklich zu sein.

Die glücklichsten Momente verbrachten wir immerhin Low Budget in Thailand, lachend im Wald, barfuß im Sandkasten und hüpfend auf dem Trampolin. In dem Moment wurden die Hippiestimmen im Kopf laut.
Es ist an der Zeit, mal wieder einen Rucksack zu packen und dem Kind zu beweisen, dass es eben genau nicht auf Geld ankommt.
Natürlich sollte man ein Geld haben, um das Finanzamt zu besänftigen, aber wirklich glücklich macht das jetzt nicht.

Wie bringt man einem Kind also in einer kapitalistischen Gesellschaft bei, bitte nicht das neueste AppleYTZ zu hypen, sondern eine Eiche von einer Buche unterscheiden zu lernen?
Dass die beste Zeit meines Lebens eine Zeit ohne Kohle, ohne fließend Wasser und ohne Strom an einem kleinen Costaricanischen Strand war? Umgeben von Natur, mit nichts weiter als einer Matratze, einem Moskitonetz, einem Tisch und Gallo Pinto. Mit harter Arbeit, dafür aber süßen Schildibabys?

Arbeit. Es gab sie in Costa Rica. Sie war körperlich manchmal grenzüberschreitend, aber so sinnvoll wie bisher kaum etwas in meinem Leben. Und nun? Nun arbeite ich auch. Im feinen Stöffchen, entgegen meinen Überzeugungen… Ich wäre auch in einer Kommune glücklich. Ich gehe arbeiten, um einen Kindergartenplatz finanzieren zu können, den ich ohne Arbeit nicht bräuchte…
Wait, what?
Ok, ich brauche noch ein bis zwei Geld mehr, um meine Fixkosten zu decken, etwas Arbeit muss also sein. Aber mein Lebensinhalt ist die Arbeit schon lange nicht mehr. Vielleicht auch, weil es nicht das ist, was mich erfüllt? Hoffen wir mal das Kind gestaltet sich einen intelligenten Alltag, in dem er nicht vom Job abhängig ist, sondern von dem Leben kann, was ihm wirklich Spaß macht. Nebenbei zwei Geld verdient und ansonsten frei und glücklich ist, wie der Einjährige, der damals in Thailand barfuß den Sommerregen entdeckt hat ♡, und vielleicht fällt mir auch irgendwann mal ein, was ich mag und sogar so gut kann, dass mir jemand Geld dafür geben würde.

P.S.: Vlt packe ich auch wieder meinen Rucksack, wenn irgendwann ein Geld am Monatsende übrigbleibt. Bis dahin muss das Karussellpony die Laune aufrechterhalten. Immerhin soll es ja schön sein, dieses Leben. Denkt dran, Ihr habt nur das eine und wisst nicht, wie lange.


© 2020 hollingtonsmum

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Hallo, I bims, moiTM

Moi: gesprochen: Meu

Verwendung: ausweichmanöver für diverse Situationen. Gerne mit fragendem Unterton und hochgezogener Augenbraue zu verwenden.

Beispiele: Wer hat die Kekse leer gefuttert? Du?! Antwort: moi?!

Ich würde gerne wissen, ob du das tatsächlich gesagt hast?! Antwort; moi?!

Kann man eigentlich so blöd sein?! Antwort: na ihr habts kapiert…

Wer sich jetzt fragt wieso hier nicht der Herr S. an der Zentrale der digitalen Zelebralstrukturen sitzt… der ist krank. Hat sich ordnungsgemäß und fristgerecht behin… verhindert gemeldet, sodass ich mir denkt hab: ok, rettenma die Blockposttm am Samstag und lassen die 50. FOLGE hier nicht baden gehen. Obwohl Poolnudeln vorhanden wären (What?!…)

Die 50. Ausgabe der wochenendsbespassung deluxe*. Den Rückblick erspare ich euch, den kann der Herr S. schön selber tippen, wenn sein Genesungszustand wiederhergestellt ist. Für heute habe ich mir überlegt: wir stellen uns mal vor. Also ich stelle uns mal vor. Und zwar Herrn S. Sowie meine Wenigkeit. Die beiden Klappspaten die hier Woche für Woche Wörter in ein Programm ihrer Wahl tippen und diese in die Pampa der Unvergessenheit posten. Und ja… wir wussten meistens dass man nichts aus dem Internet löschen kann. Hielt uns offenbar nicht ab. Wenn es mal kaputt gehen sollte, waren es aber vlt unsere Beiträge hier.

Das Internet ist gelöscht?! Warst du das?

Moi?!!

*) Bitte Soundfiles playen! (Anm. von Herrn S.)

50 – Version 01
50 – Version 02
50 -Version 03
50 – Version 04
50 – Version 05

Herr S.

Alter: was tutn das zur Sache?

Aufgabe: Chef hier. Ist seine Seite die er in mühevoller Arbeit gestaltet. Er schreibt die Mehrzahl der Texte, kümmert sich ums Layout, durchkramt Hirn und Speicherplatten nach Fotomaterial, ist der König der Titelfindung und Kommasetzung.

Besondere Merkmale: mitfühlendes Dulden unvollständiger Rohfassungen von CoAutorinnen (moi?!) Selbstkritische Haltung in Bezug auf ALLE Themen. Die Bereitschaft den eigenen Blickwinkel zu ändern ist seitens Herr S. ausgeprägt wie selten. Tabus, Postmonster, Schrödingerskonto, Rezepte aber auch Kamele zählen zu den brisanten Themen seiner Gedankenwelt. So aufmerksam und verständnisvoll sich sein Hirn als Zuhörer geben kann, so gemein kann es sich auch selbst attackieren, angreifen und Niedermachen. Dennoch arbeitet Herr S. konsequent an einem friedlichen Miteinander zwischen Hirn und Seele. Um den Entzug des Rauchens besser zu verkraften, die Umwelt und die öfter mal aufdringlichen Mitmenschen und Nachbarn, unangenehme Gerüche und zu laute Töne zu verarbeiten geht Herr S. gerne joggen. Oder zumindest geht er joggen. Wie sooft verläuft die Grenze auch hier schmal zwischen Genie und Wahnsinn. Kleinigkeiten die uns normalsterblichen nicht auffallen, können Hirn schon mal wahnsinnig aufregen wenn es gerade versucht seine Genialität zu ordnen. Das schreiben scheint Abhilfe zu schaffen. Oder zumindest ab und an das Konto zu füllen. Oder Zuschauer und Leser zum schmunzeln zu bringen. Nicht nur Texte schreibt Herr S Punkt. Nein er musiziert, trommelt, geistert auf und hinter Bühnen, schreibt und performed eigene Stücke und hat sowieso oft zuviel auf einmal begonnen, weshalb ich auch die Hälfte gerade sicher vergessen habe. Asche auf mein Haupt. Das ein Chef eigentlich Arbeit delegiert, ist zum Glück keine seiner Stärken, denn dann wäre meinerseiner bereits entlassen hier. Die Arbeit mit der Blockpost hat immer nur Herr S. Seine Wortspiele, GIF Timings und wortwürmer bereichern meinen Tag und nur durch seinen Zuspruch und seine Ermutigungen gibt es hier auch Dinge von moi.

Specialmove: No Words GIF


Hollingtonsmom aka moi aka lulunda

Alter: sind das Falten?!!!!

Aufgabe: samstags einen Text einzureichen. Freundlicherweise reicht der Entwurf, mit mobiltelefon T9 Korrekturen die nicht da hin gehören, ignorierter Gross und Kleinschreinung, keinen Kommas (weil kannse nicht) und oft ohne Titel.

Besondere Merkmale: testet sich am mutterdasein, scheitert immer mal daran und versucht es dann besser. Oft mit Beistand von Herrn S. Ihre zerstreute Art führt oft zu unregelmäßigen Antworten in messengern verschiedener Quellen, weshalb es nur äußerst verständnisvolle Freunde mit ihr aushalten. sie ist dafür äußerst tierlieb, hört gern Einaudi und kann gut klatschen.. singen kann sie nicht so gut, tut es aber gern und oft. Die stimmen in ihrem Hirn sind oft sarkastisch und zweideutig, sie schreibt über alltägliches und außergewöhnliches. Joggen würde sie niemals. Solltet ihr sie mal rennen sehen-rennt auch, es muss ein Notfall sein! Ihr Laster sind pokemongo und mittagsschläfchen. Ihre Unfähigkeit mit Geld klar zu kommen, gleicht sie mit Kreativität und Verzicht aus.(redet sie sich ein… Peter zwegat würde beim sichten ihrer kontoaktivitäten aus dem Fenster springen.) Sie hasst es sich mit warmen Wasser die Zähne putzen zu müssen und nicht ihr Kind sondern ihr Hund führte zu ihrem synonym. Denn den bemutterte sie lange vor dem Wirbelschlumpi. Jobmässig hatse was mit Hotels gemacht und würde eigentlich gern ein Buch schreiben. Leider hält hirn sie hartnäckig für unfähig und lenkt sie mit süßen Fotos ihres Sprösslings ab.

Special Move: den Text erst Sonntag früh ein reichen. (Moi?!!) Spontanes Umknicken durch Behinderung am Fuss.

An dieser Stelle ein riesen Danke an euch liebe Leser. Danke fürs Liken, kommentieren, feedbacken. Danke, dass ihr eure Geschichten mit uns teilt und unsere ertragt. Danke das ihr nachfragt wenn ihrs kaum erwarten könnt neues gedöns von Hirn zu hören.


Anmerkung:

Dieser Text erfuhr kein Lektorat und keine Grammatik- und Orthografieprüfung. Nehmt dies, liebe Leser*innen!²
Damit ich aber wenigstens irgendETWAS zur BlockpostTM Nr. 50 beitrage, hier nochmal die Fotos, die ich fürs Cover verwendet habe plus 1 Bonus-Pic! BO-NUS!

gez. Herr S., wegen Krankheit nur mit Links tippend

²) jap. So sende ich ihm das tatsächlich zu. Er macht dann, dass es richtig ist. Weil er die Stimme aus meinem Kopf betonen kann und mein T9 kennt. Ich habe mir heute aber extra Mühe gegeben nicht zu viele handlungsstränge….

50. FÜNFZIGSTE FOLGE…. nicht zu fassen


© 2020 hollingtonsmum / albert sadebeck

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Von Nilpferdbabies und dem dicken, fetten Wal

Leise kichernd tapsten sie den Flur entlang, die Zeigefinger an die Münder gepresst sich immer wieder mit psssssschts ermahnend, bloß niemanden zu wecken. Sie hatten eine Idee. Und das Schlimme: Sie hatten dieselbe Idee. Niemand würde sie aufhalten können. Als Team waren sie wie rote Grütze und Vanillesoße. Zuckersüß.

Der Wecker tickte müde, gähnte und runzelte ungläubig die Stirn.

Sie tuschelten aufgeregt vor sich hin, schlichen über den morgendlich frischen Betonboden und näherten sich dem Objekt der Begierde.

Die Oleander warfen sich verdutzte Blicke zu. Nanu. So früh schon Betrieb.

Sie freute sich über die Ruhe. Es war Samstagmorgen und die Sonne lugte vorsichtig am Rollo vorbei ins Fenster. Sie öffnete ein Auge, um die Uhr zu erspähen. 7:11 leuchtete ihr quer durchs Gesicht. Wow. Nach sieben und die Kids schliefen noch. Das war wahrlich wochenendswürdig. Barfuß, zerknittert und mit einem Rest Traum in den Haaren tappte sie in die Küche, reflexartig zum Teekocher. (Ja, er kocht nur Wasser. Dennoch nannte sie ihn so. Immerhin war ihr heißes Wasser in 99% der Fälle für Tee vorgesehen.)

Unbestimmt, wie man nur zu dieser Tageszeit vor sich hinstarren kann, sah sie sich im Raum um. Ihre Haare kitzelten auf der Stirn. Der Teekocher gurgelte euphorisch. Sie freute sich über die Pflanzen, die sich gierig dem Morgenlicht entgegenstreckten und …. sah über den Blattrand hinaus ein Bild welches nur „eine Idee“ ihrer Nilpferdbabies kreieren konnte.

Die Poolfolie lag zerknittert in der Ecke und versuchte verzweifelt Erklärungen zu finden. Die Schwimmringe und Badetiere, Taucherbrillen und Gießkannen duckten sich entschuldigend in ihre jeweilige Hofecke in der Hoffnung, als zufällige Passanten durch zu gehen. Die Teile der betont unauffällig pfeifenden Kleidung nahmen Richtung Planschbecken ab, lagen sie größtenteils bereits auf den 3 Stufen der Haustür verteilt. Eine Windel, unschuldig mit den Schultern zuckend, zierte den Weg zum Basin.

Sie schüttelte fassungslos belustigt den Kopf, öffnete das Fenster zum Hof und lauschte unbemerkt dem Geschehen. Jedes der Nilpferdbabies hatte sich mit Schwimmhilfen gewappnet, predigte sie doch seit Tagen, dass es nur unter Aufsicht ins Wasser ging. Es waren kniehohe 40cm, aber sie kannte ihre Chaoten. Die würden auch mit einem halben Becher Gurkenwasser Dummheiten anzustellen wissen… Um also den ganzen Spaß zu sichern, hatten sie sich eine Poolnudel und Schwimmwesten umgelegt. Der Wille war da.

Sie trank ihren Tee am Fenster stehend, mild lächelnd über die abstrusen Unterhaltungen, der kindlichen Phantasie entsprungen. Sie spielten mit Wasserfeen, Fröschen, Haien und einem Wal. Einem (Zitat) dicken, FETTEN Wal. Mehrfach schüttelte sich die Teetasse vor Lachen.

Sie band die wilden Haare zusammen, suchte ein leichtes Kleid und ging leise die Treppe hinab. Links und rechts zeigten die Topfpflanzen beschuldigend aufeinander und auch der Hund senkte schuldbewusst seinen Blick. Sie ging schweigend weiter, bog vor der Haustür scharf rechts ab und nahm die nächste Treppe in den Keller. Kälte klammerte sich an ihre nackten Füße. Sie mochte den Keller. Hier gab es Essen. Sie öffnete die Gefriertruhe und sprang, immer nur jede 2. Stufe nehmend, die Treppe zurück hinauf ans Tageslicht.

Sie waren so glückselig vertieft in ihr Spiel, dass sie sie nicht kommen sahen. Die Wasserfee hatte gerade gelernt, wie man Tröpfchen an Blütenblätter hängt (funktioniert nur mit wildem Gehampel, das möglichst viele Spritzer in alle Richtungen, am besten Blumen verursacht), weshalb sie vor Freude ein Lied sangen, welches eine einschläfernde Wirkung auf den dicken fetten Wal hatte. Sie sangen gerade inbrünstig die zweite Strophe, als ihnen die Noten im Hals stecken blieben. Oha. Mama. Wir pielen!! Ganz sicher, mit Wümmring! Und vorsichtig auch. Kein Streit, nur zusammen planschen.

Die Verzweiflung in ihren Augen, ob ihres schweigsamen Auftretens belächelnd, erlöste sie die Räuber mit dem Kaktus-Eis, Pink Edition, das sie hinterm Rücken hervorzog und lächelte beschwichtigend Frühstück!!! in die bereits warme Morgenluft.

Und jetzt macht Platz, Mama will auch wümmen!!!!


© 2020 holligtonsmum

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Pfützen und Pfefferminz

Es regnete. Sein Blick wurde trüb, glich dem wolkenverhangenen Himmel. Die buschigen Augenbrauen sanken in Richtung der schwer geknitterten Augenlider. Jede einzelne der ledrigen Falten ächzte unter dem zusätzlichen Druck. Es ist Donnerstag und normalerweise sein Lieblingstag. Er fuhr seit 57 Jahren donnerstags die gleiche Route. Jahr um Jahr kamen neue Häuser mit fremden Gesichtern dazu. Ab und an zog eine Familie weg. Doch eines hatten sie alle gemeinsam.
Sie produzierten Müll.

Donnerstags war die knifflige Runde mit den verwinkelten Gassen und dem uralten Kopfsteinpflaster, das sich widerspenstig hob und senkte, als wollte es seinem Wagen ein Bein stellen. Er wurde durchgeschüttelt, unkontrolliert nickend wie ein Wackeldackel, dennoch war es seine Lieblingsfahrt. Seine Vorfreude wuschen die tristen Bindfäden jedoch aus seinem Gesicht in die Rinne des Bordsteins. Sie verschwand zusammen mit dem ausgespülten Dreck der Straße in der nächsten Kurve im Gully. Lustlos stieg er in seine Uniform, schnaufte die 3 Stufen zum Fahrerhäuschen empor und ließ sich mit einem erschöpften Grunzen fallen. Auch der Sitz gluckerte maulend vor sich hin, ächzte unter seinem Gewicht. Der Schlüssel drehte sich im Schloss, die Scheinwerfer suchten einen Weg durch die Nässe, der Scheibenwischer kämpfte seinen sinnlosen Kampf gegen die Tropfen auf der Scheibe. Klick Klack. Klick klack. Klick klack. Klick klack. Fast war er gewillt, sie auszuschalten. Schienen sie ihm höhnisch zuzuklackern. Er konnte es nicht verstecken.

Er war traurig.

Als er sich durch den dichten Regen kämpfte, vorbei an gräulich grünen Pfützen, beschloss er, seine Laune zu erhellen.
Er versuchte es mit einem Pfefferminzbonbon. Irgendwo in der Schublade des Beifahrers müsste doch… ach da. Das klebrige Stück Zucker ließ sich nur widerwillig aus dem angelaufenen Papier locken. Die langen Fäden, die es mit der Hülle verbanden, luden nicht wirklich zu Genuss ein. Er grummelte, schüttelte das vergessene Bonbon aus vergangenen Jahrzehnten aus der Hand und beobachtete, wie es durch die Fahrerkabine hüpfte. Dass es nicht kleben blieb, erstaunte ihn. Auch der Radiosender rauschte heute nur unmutig vor sich hin. Wie ein Sturzbach glitt das monotone Geräusch durch seinen Kopf und schien sich mit dem Scheibenwischer zu verbinden.
Er mochte sein Auto heute nicht. Und er mochte seinen Beruf heute nicht.
Müll. Wer umgibt sich schon gern mit Müll. Gedankenverloren bog er, immer noch traurig, in diese besondere Straße ein und konnte kaum glauben, was er sah. Stoßartig zog er die Luft ein und hob die Augenbrauen hoch auf die Stirn. Die buschigen Haare kitzelten ihn fast am Haaransatz, so sehr freute er sich, dass sie trotz dieses miesen Wetters da waren.

Er öffnete langsam seine Augen. Es war gerade dämmrig und die Vögel kündigten wild zwitschernd den herannahenden Tag an. Er blinzelte ein paar Mal, schnalzte verschlafen mit der Zunge und kletterte aus seinem Bettchen. Mit nackten Füßen patschte er über das Parkett in Richtung Mama. Sie hörte ihn schon von weitem, stellte sich zwar schlafend, grinste jedoch innerlich schon über die nahende Attacke. Mit einem großen Sprung landete er auf ihren Beinen, zog die Decke zu sich herunter und patschte übermütig auf ihren Bauch. Sie gab auf und lachte laut. Ihm war heute nicht nach kuscheln, auch puzzeln oder lesen wollte er nicht. Sie konnte ihn kaum zum Frühstücken überzeugen, offenbar wusste er, was heute für ein Tag war. Mit Ach und Krach kam sie im Bad eine Runde am Waschbecken vorbei, nippte zweimal an ihrem Kaffee und sah dann ein, dass es keinen Zweck hatte. Es half nur anziehen und dem kleinen Wirbelwind, der wild gestikulierend am Fenster stand und „da, ma, da, daaaaa“ forderte, ein regenfestes Outfit überwerfen. Zum Glück hatte sie zu jedem Wetter die passende Kleidung, denn draußen verbrachten sie am liebsten ihre Vormittage. Es gab so viel zu sehen in ihrem kleinen Dörfchen. Vom Spielplatz mit seiner Sandkiste, zur Baustelle mit ihren Geräten und Baggern bis zu dem kleinen Bachlauf mit seinen Kieselsteinchen kannten sie jedes Grashälmchen auswendig.
Doch heute war ein besonderer Tag. Es war Donnerstag und obwohl es regnete, rannte ihr Kind voller Vorfreude die Gässchen und Kurven auf seinem Laufrad entlang. Zum Glück hatte sie keinen Aufwand in ihre Frisur gesteckt, die dicken Tropfen, die auf sie niederprasselten, hätten sämtliche Bemühungen zerstört. Sie störte sich nicht weiter am Wetter und sah voller Freude, wie aufgeregt ihr Sohn umherflitzte und voller Ungeduld die Straßen absuchte. Erst als er sich sicher war es bisher nicht verpasst zu haben, ließ er sich bremsen und in der gewohnten Straße anhalten. Hier standen sie nun, voller Hoffnung wartend.

Nach einer gefühlten Ewigkeit näherte sich das dumpfe Grollen, dem er so sehnsüchtig entgegenfieberte. Das Müllauto! Weit weg war es nicht mehr und er blickte mit strahlenden Augen nach oben, um sicher zu gehen, dass auch sie dem Gefährt gebührend Aufmerksamkeit schenkte. Sie nickte ihm liebevoll zu und hielt seine Ungeduld an der Kapuze zurück. Sicher ist sicher…

Seit Wochen verfolgten sie nun die Arbeit der Männer im orangenen Auto, liefen nebenher, beobachteten die Hebel und Knöpfe. Donnerstag war Müllautotag und daran konnte auch ein Regenguss nicht rütteln. Er freute sich so sehr, sie trotz der widrigen Temperaturen zu sehen, dass er kurzerhand ausstieg und seinem größten Fan anbot, sie durch den Regen nach Hause zu fahren. Sie würden in der Kabine platznehmen und alles mal von einer neuen Perspektive, von innen und oben ansehen können. Wenn man die beiden sah, wusste man nicht, wer von beiden sich mehr freute. Der alte Mann, der endlich einen Sinn in seinem Job sah, oder der kleine Junge, der sein Laufrad auf dem Fußweg zurückließ und mit leuchtenden Augen IN das Müllauto kletterte.

Zum Glück musste er ihm kein Bonbon anbieten, um ihn zu erfreuen. Nicht mal die blinkenden Lichter und Knöpfe waren Anlass seiner ausgelassenen Freude, nein, die pure Tatsache, dass er mitfahren durfte, machte seinen Morgen zum Highlight des Tages. Sie war so froh, dass ihr kleiner Weltenentdecker so liebe Menschen im Alltag um sich hatte und mit so wenig und gleichzeitig so großen Gesten glücklich zu machen war. Sie hoffte, dass er seine Neugier noch lange behielt und freute sich auf einen warmen Kaffee im gemütlichen Zuhause.

Es regnete. Und es war ein guter Tag.


© 2020 hollingtonsmum

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Flügelschläge

Oh Mist ey… schon wieder so ein wunderschönes Mohnpflänzchen am Feldrand.

Sie bremste ihren Laufschritt ab, zog das Telefon dermaßen automatisch aus der Tasche, dass weder das Entsperren noch das Öffnen der Kamera App den Bewegungsfluss merklich beeinflussten und stellte die rote Schönheit scharf. Ihr Hund hechelte ungeduldig neben ihr. Er beschloss, die Pause zu nutzen und eben jenen Rand nach möglichen Mäuselöchern zu scannen. …
‚DA. nein. DA. Hm. Vielleicht wenn ich einfach etwas grabe?‘

Die fliegenden Dreckbatzen durchkreuzten ihre Fotoidylle und hinterließen eine braune Wischspur auf dem Motiv. Sie lachte und sah dem Vierbeiner beim Buddeln zu. Ausgelassen tobten seine Pfoten durch die trockene Erde. Ohne Jagderfolg ließ die Euphorie bald nach und sie rannten weiter.

Es war warm. Heiß. Sie schwitzen um die Wette. Um nicht den ganzen Tag mit Müdigkeit zu kämpfen und einen Rest Energie ins Wochenende zu tragen, nahm sie eine Abkürzung, die sie vorher nie gelaufen war. Der Hund folgte dankbar, wollte er doch ob seines schwarzen Fells sowieso die ganze Zeit schon zurück.

Tschiiiiep.

Oh nein.

Tschip.

Nicht schon wieder.

Tschiiiiiiiiiiiiiep tschiep. Tschiep.

Schon letztes Jahr hatte sie ein Vogeljunges gefunden und aufgepäppelt. Sie wusste also, worauf sie sich einließ. Sie kannte die Fütterungsabstände, das Futter, das es brauchte. Hm. Verdammt. Sie selbst aß kein Fleisch. Tiere gehörten uneingeschränkt zu ihrem Leben.
Hunde, adoptiert, aus miesen Umständen, Rasselisten Hunde, die sonst niemand will… Pferde, die sie zu sammeln scheint und mit denen sie wächst und lernt…
Bienen, auf die sie allergisch ist und dennoch für sie sorgt…
Tauben, denen sie einen Brutkasten an die Wand hängt, um ihnen ein Zuhause zu gönnen…
Katzen, die mehr oder weniger zufällig in ihr Leben stolpern und aufgepäppelt werden, und ach, genau, dieses Vogelbaby, das nun eingesammelt und umsorgt wird.

Zu eben jener Sorge zählten die Heimchen und Würmer, die es zu zerteilen galt. Um alle 3 Stunden das bettelnde Tschiiiiiep zu stillen, nahm sie den Umweg über eine Zoohandlung in Kauf, besorgte die Insekten, die das Schnäbelchen stopfen sollten und sagte vorsorglich alle Verabredungen ab. In Ermangelung an Inkubatoren wanderte das Tierchen kurzerhand an den einzig warmen und sicheren Ort, der ihr einfiel. Und der verfügbar war.
In den Sport BH… Den, den sie trug. Zack fertig, Nestersatz.
Mit viel Schlaf konnte die bevorstehende Nacht nicht prahlen. Sie setzte sich aufrecht in einen Haufen Kissen und legte alles, was es zur Fütterung benötigte, bereit. Pinzette, Heimchenhälften (tiefgekühlt, da sie es nicht übers Herz brachte, die Viecherchen lebendig zu zerteilen), Krepppapier, um das Dekolleté sauber zu halten. Und los ging‘s. Entschädigt wurde der Aufwand von einem Blick nach unten zu einem friedlich schlafenden Vogelbaby. Nackt, aber geborgen.

Alles in allem beschreibt das ihren Charakter recht gut. Sie ist eine Person, die man in Notsituationen gerne um sich hat. Eine Freundin, die Probleme pragmatisch löst. Mit einem Herz, das an Größe seinesgleichen sucht.

Ich kenne nur wenige derart durchgeknallte Menschen, die ein Vogelbaby in ihrer Unterwäsche beherbergen, weil die Wildtierstation erst am nächsten Tag öffnet.
In Wahrheit kenne ich nur diese eine Person. Leider gehen die meisten an einem nackten Vogelbaby vorbei, ohne es zu merken. Oder sich darum Gedanken zu machen. Oder erinnern sich an Darwin. Es tut ihnen evtl leid, dass dieses Exemplar es nicht packen wird. Den Aufwand, dies zu ändern, ist es ihnen aber nicht wert. Ich kenne sogar einige Personen, die eher zur Schaufel greifen würden. Würde es mehr Charaktere wie ihren geben, wäre die Bevölkerung um einiges herzlicher, ehrlicher und witziger. Auch wenn sie gern behauptet, Menschen nicht besonders zu mögen, kümmert sie sich doch rührend um ihre Lieben und hat auch mir bisher zur Seite gestanden, als ich noch gar nicht wusste, dass ich das bitter nötig hatte. Ohne grosses Aufsehen darum zu machen. Sie war da. Und ist es noch. Ein bisschen wie Luftpolsterfolie, die den Aufprall mildert. Auch wenn sie dabei Gefahr läuft, selbst was abzubekommen.

Wenn sie nicht der lebende Beweis ist, dass Liebe universell funktioniert… wer dann? Ist es nicht völlig egal, ob man ein Vogeljunges behütet, einen Hundewelpen adoptiert oder ein Menschenkind aufzieht? Die Liebe ist, was uns dabei leitet.

Bei so viel schmalzigem Gelaber muss ich mich gleich übergeben.

Ich bin jedenfalls sehr froh, so coole Menschen zu kennen und sie Freunde nennen zu dürfen. Auf einen baldigen Gin!


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Erzähl‘ mal einen vom Pferd!

12 Minuten. 12 Minuten hat es gedauert, das Pferd zu putzen und vorzubereiten. Der Sattel ist an der richtigen Stelle, die Riemen am Kopf und das Gebiss so lose es geht, so fest wie aber benötigt im Maul.

Ich atme tief durch und steige auf. 500 Kilo, die auf Kommando warten. Auf MEIN Kommando.

Also ich würde ja nicht auf dich hören.

Ach was… das ja was völlig neues…

Guck dich doch mal an. Dasde talentfrei bist und das nicht kannst, hat dir Rosi doch gezeigt. Ich kann mich noch sehr gut an die Schmerzen

Halt die Klappe. Ich nehme Unterricht. Ich arbeite daran. Ich kann das.

Sagste das jetzt mir oder dir?

Keine Ahnung.

ATME

„Setz dich aufrecht, hol Luft und hab Vertrauen. Sie ist sehr aufmerksam, aber auch unsicher. Sie braucht Sicherheit.“

Redet die jetzt von dir oder dem Gaul?

NENN DIESES TIER NOCH EINMAL GAUL UND DU FLIEGST RAUS, HIRN!

„Erstmal locker und ordentlich Schritt reiten.“

Alle Muskeln in meinem Körper spannen sich. Da vorne kommt die Ecke, in der das Licht so dämlich durch das Dach fällt, dass es Schatten und Lichtpunkte wirft. Beim letzten Mal löste das ein ungewolltes Umkehren aus. Sehr viel zackiger als geplant. Sehr viel unerwarteter als angenehm. Der plötzliche Richtungswechsel erschreckte mich und dieses Gefühl schien noch recht präsent in meiner Muskulatur verankert. Zack, Brett. Diesmal würde es mich nicht unerwartet treffen. Im Gegenteil, mein Körper bereitete sich auf Chaos vor.

ATME

„Bleib locker. Reite, als wäre das jede normale andere Ecke. Einfach durch. Leicht, aber bestimmt.“

Einfach. Haha. Als könntest du das mal eben so.

„Schließ deine Beine, gib ihr einen Rahmen. Wenn sie Halt spürt, wird sie dir überall hin folgen. Aber lass sie nicht allein. Du triffst die Entscheidungen.“

Hahahahahahahahahahahaa, die kennt dich noch nicht. Sie weiss nicht, was sie da sagt. DU und Entscheidungen, haaaaahahaha. Das wird super.

Alter, halt die Klappe Hirn! Ich versuche mich zu konzentrieren.

ATME

Ich fasse, mir selbst Mut zumurmelnd, die Zügel kürzer. Der Rest meiner Haltung hat noch nicht so ganz den Elan übernommen und verkriecht sich weiterhin im Sattel. Diese widersprüchlichen Signale bringen meine sensible Stute aus dem Tritt. Sie stolpert.

Alles klar, jetzt gehen wir drauf.

Ich schnappe nach Luft, klammere mich an den Sattel und verdränge sämtliche Flashbacks. Blaue Flecken, gerissene Fingernägel, Blasen an allen möglichen Körperstellen… das tut zwar weh, ist aber kaum gefährlich. Leider sind meine Nerven aber auch auf Vermeidung von gebrochenen Rippen gepolt und das Programm „Abbruch! Rückzug! Schutz!“ übernimmt sofort die Steuerung, um erneute schwere Verletzungen zu verhindern. Der Stolperer, der klar von meiner Unbalance rührte, schüttelte alle unerfreulichen Erinnerungen tief aus dem Unterbewusstsein. Wellen von Unbehagen und ….. Angst durchfahren mich. Ich suche nach einem Fleckchen Erde, auf dem ich halbwegs sicher landen könnte. Unsanft dank fehlender Körperspannung, aber besser als alle anderen Varianten, die Hirn gerade durchspielt.

ATME

„Ganz ruhig. Sie hat sich nur vertreten. Es ist nichts passiert…“

Ja diesmal nicht

„…bleib sitzen, hol ruhig Luft und reite weiter. Einfach erstmal gleichmäßiges Tempo. Nicht langsamer. Halt sie konstant.“

Ich atme angestrengt. Mir wird klar, was los ist. Ich bin unsicher. Ich habe mein Selbstvertrauen verloren. Ich bin das Problem. Die Erwartungshaltung, die ich einnehme, prophezeit:

Du verkackst das. Du kannst das nicht. Deine Lehrerin wird das sehr bald bemerken und dich enttäuscht aufgeben. Du bist hoffnungslos.

Mir wird klar, meine Angst steht mir im Weg. Sie sitzt tief und zittert sich über meine unsicheren Handgelenke über die Zügel direkt ins Gesicht der sensiblen Seele.

Ich schüttle mich etwas. Verflucht. Ich muss mich sammeln. Wie um alles in der Welt bleibt man entspannt und gibt den Weg vor, während man sich gerade eigentlich in die Hose scheisst? Richtig. Man zieht den Mutschlüppi bis unter die Achseln, atmet tief durch und vertraut. Vertraut auf seine Lehrer, auf sein Pferd und auf sein Können. Fehler sind natürlich. Jeder macht Fehler. Sie sind da, um zu zeigen, woran man noch arbeiten muss, was verbessert oder verändert werden muss. Die Angst ist durchaus berechtigt.

Ja man. Du hast ein taubes Bein…

Sie zeigt Gefahrenpotenzial auf und warnt vor eventuell tödlichen Situationen. Ich bedanke mich für ihre Hilfe, teile ihr aber freundlich und bestimmt mit, dass sie gerade voll überreagiert. Ich nehme sie an die Hand und zeige ihr dieses tolle Tier unter meinem Hintern. Dieses Wesen, das seit Beginn der Reitstunde mahnt, Luft zu holen. Und tatsächlich, ich atme unregelmäßig. Die Angst nimmt mir die Luft. Ich konzentriere mich auf meine Atmung und

„Ok, die Stunde ist um.“

Puh. Da liegt ein riesen Haufen Arbeit vor mir. Selbstsicherheit…

Ich steige ab. Klopfe das weiche Fell an der Halsseite und bedanke mich. Im Kampf gegen mich selbst und die Panik die noch in mir steckt, hat sie mir sehr geholfen. Sie ist nicht gar so panisch wie meine eigene Stute, aber unruhig genug, mein Zögern zu spiegeln. Vielleicht schaffe ich es ja doch, irgendwann Rosi den Halt zu geben, den sie braucht. Und mir.

Ist schon ein bisschen witzig, dass ausgerechnet du immer an die unsicheren, ängstlichen Pferde gerätst…

Ja, kann mich kaum halten vor Lachen…


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Erzähl‘ mir doch keinen vom Herd

Boar, ich bin so froh, wenn ich die Kinder bald wieder abgeben kann.

Dieses ganze „zuhause bespaßen“ nervt.

Jaaaaa, ich hatte ja das Glück, meinen in die Notbetreuung schieben zu können.

Ach, du arbeitest?

Nö, aber das muss ich im Kindergarten ja nicht sagen.


Ich sitze auf dem Spielplatz, genauer gesagt am Sandkasten, und höre unweigerlich dieses Gespräch der zwei Mütter auf der Bank im Eingangsbereich mit.

Traurig atme ich durch. Schon wieder… schon wieder dieses meine-kinder-nerven-mich-thema. 
… mein impulsivster Gedanke dazu: wieso haste denn dann Kinder, liebe Alman-Annette…
Hirn feuert sofort los und ich muss gleichzeitig auch ein bisschen über mich selber grinsen. Herrlich, wie der Defense-mode anspringt und ich mich sammeln muss, um nicht ins fremde Gespräch zu quaken.

Gleichzeitig fällt mir aber auch ein, wie oft ich mich verstelle. Wie oft mir in letzter Zeit ungefragt Beileidsbekundungen ausgesprochen wurden, weil ich den Lockdown mit 3 Kindern verbringe. Wie kritisch mein Status und meine Jobsituation hinterfragt wird. Auch der Stein, der seit ein paar Wochen in meiner Magengegend umherdümpelt und mich an die unangenehmste aller Feststellungen erinnert:
Ach du bist zu Hause, ja? Und dafür hast du studiert?!
Eine hochgezogene Augenbraue begleitet den vorwurfsvollen Ton. Die Worte hallen Tag ein Tag aus in meinem Kopf umher.

… und wieso hast du so viele Sprachen gelernt, wenn du jetzt nur hinterm Herd stehst?

Wow.

Hirn entnimmt der Mimik und der Tonlage einen Hinweis auf Fehlverhalten und passt die Antwort an: Ich bin ja nur vorübergehend zuhause, bis die Kindergärten wieder aufmachen.

… achsoooo, das Virus zwingt dich dazu. Na Mensch, das tut mir ja leid.

GesichtspauseTM

Was ich eigentlich sagen wollte:
Ich liebe es. Ich liebe es, den Kindern beim Wachsen, beim Lernen, beim Streiten, beim Konfliktlösen, beim Umherspringen, beim Ausprobieren und vor allem beim Lachen zuzusehen. Ich liebe es, Lösungen zu bieten und Wege zu suchen. Zu überlegen, was jeder braucht, wieso jemand weint, wo etwas fehlt und wie wir es geschaukelt bekommen. Nicht nur das eine, nein alle drei Kinder, die seit mittlerweile 9 Wochen täglich zuhause sind.

Was ich nicht liebe:
– Wäscheberge
– Kochen für viele Personen (was wenn es nicht reicht)
– unfaires Verhalten, was anderen Familienmitgliedern schadet (dazu gehört vom Stuhl schubsen der Kleinen, aber auch Schreien oder Drohen der Erwachsenen)

Dennoch gehört es dazu. Die Wäsche will gemacht werden. Hunger haben auch ständig alle (überhaupt lebe ich zurzeit von Obstpause zu Zwischensnack, damit keiner unterzuckert) und unfair wird es immer dann, wenn jemand grob überfordert ist.

Beispiel? Kein Ding: Die Mittlere klettert auf den Kindertisch und hüpft voller Mut und Selbstsicherheit zu Boden. Der Kleine ist beeindruckt, klettert hinterher, stellt fest-scheiße, das ist hoch und zögert. Das dauert Midi zu lange, sie fackelt nicht und bolzt ihn getreu ihrer Art um. Er fällt vom Tisch und weint.
Zu fragen, ob er runtergehen könnte etc., war in ihrem zarten Alter von unter 5 einfach zu viel. Kein Kleinkind ist derart reflektiert. Was sie aber mittlerweile gelernt hat: man kann Fehler mit einem „Entschuldigung“ und einem Aufhelfen einsehen und das Gegenüber trösten. Was im Tisch Unfall tatsächlich geholfen hat.

Diese Erkenntnis erlangt ein Kind jedoch nicht alleine. Und ich freue mich tierisch über diese Wahrnehmung und die Fähigkeit, die sie da an den Tag legt. Ein bisschen klopfe ich mir dafür selbst auf die Schulter. Aber ich stehe ja nur hinterm Herd.

Neben der Köchin bin ich auch Berater für Mode und Wettervorhersagen, Spaßbremse wenn’s zu waghalsig wird, Fotografin, Herrscherin über Fernbedienung und Tablet, Spielsachenhinterherschlepperin, Blumenfee, GuteNachtGeschichtenErzähler und müde.

Wieso bin ich nur ständig so müde? Ich stehe doch nur hinterm Herd

Du lebst ja gar nicht emanzipiert und unabhängig! Voll 1950! Und der Mann? Der kann auch mal was helfen!!!

An alle Muttis und Alleinerziehenden, die niemanden haben, der mit anfässt:
Krasse Kiste!
Ich verstehe, dass ihr müde seid und froh über eine Pause.
Ich verstehe, dass der Druck zu Arbeiten und DA zu sein immens ist und man ohne Erholung daran zerbricht.
Ich verstehe, dass es Tage gibt, an denen man keine Lust hat. Zu nix.

Ich habe da gottseidank großes Glück. Ich mache das nicht alleine. Wenn ich eine Pause nötig habe, muss ich das in den wenigsten Fällen sagen, sondern bekomme nach einem aufmerksamen Blick kommentarlos die Autoschlüssel gereicht, um zum Pferd oder mit lackierten Fingernägeln zum Mädelsabend zu fahren.

An anstrengenden Tagen (und ja, es ist verdammt anstrengend, alle auf dem Schirm zu haben) kommt ein „danke, dass du das so toll machst“.
Und Hirn so „aaaach, dafür doch nicht“ und dann fällt mir das Spielplatz Gespräch ein und mir wird klar: eine positive Grundeinstellung zur Kinderbetreuung ist leider doch nicht selbstverständlich.

Die Kinder sollen ruhig sein, stillsitzen, alleine spielen, leise malen, brav schlafen und der Tag soll schnell vorbei gehen. Einer unserer Ministerpräsidenten meinte neulich im TV: er hoffe die Eltern nutzen diese Phase der Einschränkungen, um ihre Kinder wieder besser kennen zu lernen.

Tja, und ein Fünkchen Wahrheit ist da ja auch dran. Das heißt nicht, dass jeder, der im Sandkasten nicht direkt mit buddelt, seine Kinder nicht kennt und liebt.
Auch ich denke mir oft „boar, spiel mit den anderen Kindern, deswegen sind wir doch hier“ und merke dann: Es wird Zeit die Akkus zu laden, um nicht unfair zu werden.
Die Pause auf dem Spielplatz ist also eine willkommene Abwechslung zum Spielen zuhause (sinnvoll im Lockdown sei mal dahingestellt) und zum einfach mal stumpf umhersitzen. Was aber, wenn das Kind einfach immer der Störfaktor ist? Da fällt mir ein Satz ein, den ich in Stresssituationen Mantra-artig vor mich herbete:
Das Kind ist nie das Problem.

Es tut nichts, um mich vorsätzlich zu ärgern. Es äußert seine Bedürfnisse und Gefühle um seinetwillen. Und ich bin der Mensch, zu dem es überfordert, traurig, wütend oder aber überglücklich kommt und sich mitteilt.

Ein stückweit scheint die liebe Alman-Annette das vergessen zu haben.

Ein Bewusstsein für Kinder und Familie, Bedürfnisse und persönliche Grenzen, Belastungssituationen und Unfälle, Rollenverteilung und Aufgabenbereiche, Anerkennung und Fehlersuche, Gutmütigkeit und Dankbarkeit zu entwickeln … das hat wohl alles was mit hinterm Herd stehen zu tun.

Ich für meinen Teil mache all die lästigen Aufgaben, ohne zu nörgeln. Weil ich sie nicht machen muss. Schaffe ich es aus irgendwelchen Gründen 4 Tage nicht, die Wäsche abzunehmen, kann ich mich darauf verlassen, dass sie am Wochenende gefaltet im passenden Schrank liegt. Ich muss mich nie mit Mundschutz durch Kassen schlängeln und ich werde am Abend gefragt wie der Tag war und wie es mir geht.
Vlt ist Alman-Annette auch frustriert, weil sie das nicht gefragt wird. Weil sie nicht gesehen wird. Weil niemand mit ihr spielen …ach ne das war ja Kind.

Ich fühle mich nicht wie 1950. Und ist es nicht auch emanzipiert zu sagen „Ich bin gerne Mutter und möchte das nicht verpassen.“?
Ich brauche gerade keine Karriere und Verantwortung im Job. Wir verhungern nicht, wenn ich nicht sofort 60 Stunden die Woche arbeite, sondern zuhause bleibe. Immerhin helfen die Kinder sogar bei der Wäsche… sie kloppen sich förmlich darum, wer den Startknopf drücken darf.

Wenn mich jemand sucht: Ihr findet mich hinterm Herd.
Glücklich eigentlich.


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