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004) Nachtpassiv

Oh ja, natüüürlich!

Ausgerechnet die Nacht vor einem für meine Verhältnisse langen Arbeitstag beschließt to not give a fuck und schubst mich viel zu früh aus der wohligen Umarmung verstörender Träume mit alten Männ-

Ok, hier ist dann doch mal Schluss mit Authentizität und Realismus. Dankt mir später, denn die Geschichte ist noch nicht vorbei. *Zwinkersmiley*!

Was fängt man nun damit an, wenn man genau weiß, in zweieinhalb Stunden muss man sowieso raus aus den Federn und Schlaf, so er denn sich doch nochmal zu einem kleinen Besuch herabließe, brächte nur marginale Erholung und maximale Vertrantutung des über- und gleichzeitig unterforderten Brains.

Also fange ich trotz der absoluten Gewissheit über die Sinnlosigkeit dieser Verzweiflungstat an zu…

Denken.

Wow. Krasses Konzept, dieses Denken. Vor allem nachts. Nicht nackt, Ihr Honks! Na gut, manchmal auch das, aber nur wenn keiner zuguckt. Wie zum Beispiel… jetzt? ^^
(Oh, I love messing with your ahnungslosen Brains!)

Zurück zum Thema. Denken. Vielleicht sogar Nachdenken. Ok, worüber?

Arbeit!

Im Wachschnarchmodus zu arbeiten ist eine hervorragende Idee. Und so konzipiere ich mal eben die nächsten drei Inszenierungen, baue Werkstatt, Büros und alle anderen Räume CO2-neutral und vegan um und erfinde nebenbei noch einen Cold Fusion Reactor. Nur dass ich es halt nicht aufgeschrieben bekomme.

Alsooo, nicht über Arbeit nachdenken.

Ehhhm… dann eben über Dein Leben?!

Bist-Du-des-Wahnsinns-alles-bloß-das-nicht!

Also nicht Nachdenken. Was dann?

Wäsche waschen!

Lohnt sich aus mehreren Gründen nicht. Erstens ist noch nicht genug Schmutzwäsche da, um auch nur den Start des energiesparendsten Programms zu rechtfertigen.

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Du sagtest „aus mehreren Gründen nicht“.

Oh, sorry. War kurz auf Standby. Ehm, zweitens: Die Waschmaschine ist in meiner Wohnung nicht einmal ansatzweise strategisch gut genug platziert, um den Nachbarn in den Wahnsinn treiben zu können, so wie es mir in wenigen Augenblicken mit dem allzu vertrauten „Fiiiiieeeep!“ aus seiner Butze gehen wird.

Früher hatte ich in schlaflosen Nächten ja immer besonders gute Ideen. Doch, ehrlich! Leider war ich nur immer zu müde, um sie notieren zu können. Das ist sehr schade, denn eigentlich habe ich schon alle meine Probleme ever, die ich jemals hätte gehabt haben können, sollen und müssen, nachts gelöst. Oder hätte sie gelöst haben können, wäre ich nicht so… nachtpassiv.

Es ist ja auch keine böse Absicht, aber zu dieser Zeit, in der der ganze verdammte Planet zu schlafen scheint, nur ich nicht (!), geschieht auch alles nicht in der richtigen Reihenfolge. Also… nicht in Reihenfolge. Denken, Munterwerden, Aufstehen, Handeln (Schreiben zum Beispiel). Wieder müde werden, hinlegen, weiterschlafen.

Aber nein, mein abgefucktes Brain entscheidet sich für Munterwerden, Denken, während des Aufstehens wieder müde werden, trotzdem Handeln. Rauchen zum Beispiel. Dazu ‘n Kaffee.
Bin also müde, aufgekratzt weil der Kaffee zu stark ist, und was bemerke ich heute? Ich rauche gar nicht mehr! Zum zweiten Mal. Und da ich noch nicht so lange nicht rauche, wie ich beim ersten Mal Nichtrauchen nicht geraucht habe, will ich mir den zweiten Platz in den internen Nichtrauchercharts nicht mit Disqualifikation wegen Jetzt-doch-wieder-Rauchen versauen. Außerdem habe ich gar keine Tabakwaren im Haus, will keine im Haus haben und habe nicht mal Lust auf Rauchen. Auch krass. Ich komme auf das Thema ehrlich gesagt nicht, weil ich gerade das Verlangen nach Rauchen verspüre, sondern weil ich das früher immer so gemacht habe. Nicht schlafen können? Ok, erstmal eine rauchen!

Und schon bin ich wieder am Nachdenken, diesmal über die Frage, ob ich Klavier spielen, irgendwas komponieren könnte.

Sollte.

Müsste!

Alles was dabei herauskommt ist die Erkenntnis, dass ich ja noch einen Song für die Weihnachtsmarkteröffnung (fragt einfach nicht) machen muss. Dazu brauche ich aber das entsprechende Programm im PC, welches ohne Kopierschutz-Dongle nicht einmal startet. Und diesen Dongle hab‘ ich Trottel an der Arbeit liegen lassen. Wo auch mein geiles SnobPad liegt, auf dem ich jetzt schön die Zeit mit Katzenvideos verdaddeln könnte. Katzenvideos, genau mein Ding.

Mist, der erste Kaffee ist noch nicht ganz ausgetrunken, aber nur noch lauwarm. Muss ich den jetzt echt austrinken, bevor ich mir einen neuen machen darf? Ja, musst Du. Keine Nahrungs- und/oder Genussmittel verschwenden! Überleg mal, wie hart unterbezahlte Tagelöhner knuffen müssen, damit Du schön für 5 Euro ‘n Päckchen Bio-Kaffee kaufen und Dich danach wieder hinlegen kannst!

Oh ja bitte, jetzt meldet sich auch noch das schlechte Gewissen! Was kommt als nächstes, Erkenntnisse? Schlussfolgerungen?!

Horche kurz in mich rein.

Nope, zu müde.

Und vor mir:

Kalter Kaffee.


© 2019 albert sadebeck

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003) Sonntagskind

Sonne gibt es in dem kleinen Hof an der Nordseite des dreigeschossigen Hauses so gut wie nie. Nur im Hochsommer fallen am Nachmittag ein paar Strahlen auf die noch jungen Bäume, unter denen hin und wieder ihre Mutter im Liegestuhl etwas Ruhe zu finden versucht.

Heute jedoch ist der Liegestuhl leer und er bliebe es selbst dann, wenn die Mutter zuhause wäre, denn eine schwere Hitze liegt über dem Hof. Fast, als hätte sich ein ganzer Sommer nur in diesen kleinen Hof gelegt, denkt das Mädchen, das hier mit ihren großen Brüdern spielt.

Und wie sie spielt! So glücklich ist sie selten, aber heute ist sie ein Sonntagskind, denn ihre Brüder lassen sie mitspielen!
Da ist es egal, wie heiß es unten im Hof ist. Es gilt jeden Moment auszukosten, denn bald wird der Vater zum Mittagessen rufen und wer weiß, ob sie nach dem anschließenden Mittagsschlaf noch einmal die Gelegenheit bekommt, mit ihren großen Brüdern zu spielen.
Meist gehen die ja nachmittags zu ihren Freunden und spielen lieber mit denen. Na ja, sie sind halt nicht mehr so klein, das weiß das Mädchen.

In diesem Hof gibt es für ein kleines Mädchen weit mehr zu entdecken, als die Augen der großen Menschen sehen können. Da ist zum Beispiel diese Treppe, die zum Haus hinaufführt. Eine Art Rampe direkt daneben, über die die Fahrräder und irgendwann auch mal der alte Motorroller des Vaters in den Hof gekommen sind, erscheint in ihren Augen als der schönste Abhang eines riesigen Berges, den es im Winter hinunter zu rodeln gilt.
Wenn sie sich umdreht, fällt ihr Blick auf eine alte Backsteinmauer. Doch obwohl ihr immer ein bisschen schaudert, wenn sie auch nur einen Blick in den dunklen Schuppen daneben wirft, würde sie zu gern wissen, welche Geheimnisse hinter der Backsteinmauer lauern.
Unmittelbar vor ihr gibt ein Schacht den Blick auf das Fenster zur im Keller gelegenen Waschküche frei, die viel zu groß dafür ist, dass sie nur eine einzige Waschmaschine beherbergt. Wenn das Mädchen nach oben schaut, kann es von ihrer Position aus zwar nicht das Fenster zur Küche im zweiten Stock sehen, dennoch verraten das Klappern der Töpfe und das einigermaßen regelmäßige „klock, klock“ des Küchenmessers, dass bei offenem Fenster gekocht wird. Zwei Fenster weiter rechts könnte sie direkt ins Schlafzimmer sehen, wenn sie auf das Dach der Backsteinmauer käme. Aber sie ist zu klein und nicht mal kräftig genug, um auf einen Baum klettern zu können, da würde sie die etwa 3,50 Meter hohe Mauer nie erklimmen können. Und die Mutter ist ja nicht da, um ihr hinter dem Schlafzimmerfenster zuwinken zu können. Ob sie auch einen leckeren Sonntagsbraten bekommt, da wo sie ist?

Ein Geräusch reißt das Mädchen aus ihren Gedanken, das Flattern eines Vogels oder ein Windstoß vielleicht?
Sie sieht sich um. Keiner ist da. Wo sind ihre Brüder hin?
Eins ist sicher, ihre Brüder verschwinden nicht einfach, mir nichts dir nichts. Sie müssen ja noch ihre Schwester befreien.
Heute spielen sie nämlich Indianer und die Krieger eines feindlichen Stammes haben die Tochter des Häuptlings entführt! Nun wird sie im Lager der Feinde gefangen gehalten, gefesselt an einen Zaun.

„Wir spielen Indianer.“, haben die Brüder gesagt.
„Du darfst mitspielen, wenn Du nicht nervst.“, haben die Brüder gesagt.

Nein, sie würde nicht nerven. Sie möchte doch mit ihren Brüdern spielen! Stolz sollen sie auf das Mädchen sein, wie gut es die entführte Häuptlingstochter spielt!

„Die Feinde fesseln Dich am Zaun, damit Du nicht fliehst.“, haben die Brüder gesagt.

Sie will fragen, ob Indianer überhaupt Zäune hätten, während ihre Hände mit einem Strick an das Geländer vor dem Waschküchenfensterschacht gebunden werden. Doch sie sagt nichts. Um nicht zu nerven.

Jetzt sind ihre Brüder verschwunden. Offenbar haben sie sich versteckt, als das Mädchen einen Moment lang durch die Gedanken an die Mutter abgelenkt war.
Bestimmt wollen sie ihr nur einen Schreck einjagen, aber diesen Triumph will das Mädchen ihren Brüdern nicht gönnen. Immerhin haben sie ihre kleine Schwester im Stich gelassen! Dabei wollten sie sie doch retten!
„Wir überfallen das Lager der Feinde und befreien Dich.“, haben die Brüder gesagt.

Zaghaft beginnt das Mädchen, nach ihnen zu rufen. Keine Antwort.
Und so sehr sie auch dagegen ankämpft, sie kann sich nicht dagegen wehren, dass langsam und unaufhaltsam die Angst in ihr emporsteigt. Die Rufe nach ihren Brüdern werden lauter und da, sie kann ihre Stimmen hören!
Hoffnung glimmt in ihr auf und sie ruft noch lauter. Warum kommen sie nicht? Sie können ihre Rufe doch hören. Hat nicht einer von ihnen sogar ihren Namen gesagt? Sie ist sich nicht sicher, denn seine Stimme verschwindet im Gelächter der anderen.
Allmählich dämmert ihr, dass sie sich über sie lustig machen. Sie hat es auch nicht anders verdient. Was will sie denn? Glaubt sie allen Ernstes, dass die großen Jungs sie plötzlich nicht mehr nervig finden? Als sie Raumschiff gespielt hatten, durfte sie auch nur mitmachen, wenn sie hinten im Passagierbereich saß und nicht nervte. Also nicht sprach. Mucksmäuschenstill war.
Sie war nur eine dieser Puppen, die irgendwas nachplapperten, wenn man sie nach vorne oder hinten kippte. Und die alle irgendwann nervte.

Sie sah nach unten und der Schacht zur Waschküche war verschwunden, nein, er war verwandelt! Sie sah sich selbst oder besser ihr Spiegelbild in den Augen eines riesigen unterirdischen Ungeheuers, eines Monsters, das sie in die Tiefe zu ziehen drohte.
Verzweifelt rief sie immer wieder um Hilfe, aber war ihre schwächer werdende Stimme überhaupt noch zu hören? Beinahe hätten ihre tränengetränkten Rufe den Klang der nahenden Rettung gleich mit erstickt. Oben aus dem Küchenfenster drang nämlich die donnernde Stimme des Häuptlings:
„Was zögert Ihr? Auf Eure Rappen und rettet des Häuptlings Tochter!“
Sie hörte den dumpfen Donner der Pferdehufe auf dem Boden der Prärie und die Hoffnung kehrte langsam zurück.

Ihre Brüder standen endlich vor ihr und brabbelten irgendwas von „War nur Spaß“ und „Hab Dich nich immer so“, während sie die Fesseln des Mädchens lösten.

Das Ungeheuer war verschwunden. Vor ihr lag wieder der harmlose Schacht zum Waschküchenfenster. Mit einem Geländer davor, damit man nicht hinunterstürzt.
Und sie dachte noch einmal an den Ruf des Häuptlings, der in ihrer Erinnerung plötzlich anders zu klingen begann. Ganz tief horchte sie in sich hinein, um die Stimme genau zu erkennen. Es war die Stimme ihres Vaters. „Was soll das hier? Das nervt, das Geplärre. Jetzt holt eure Schwester hoch, es gibt gleich Essen!“

Einige Jahre später hat das Mädchen leidlich gut gelernt, wie es nicht nervt. Vor allem, dass man am Abend nicht nervt, wenn der Häuptling diesen Geruch verströmt. Diesen Geruch, der von Sachen kommt, die nur die Großen trinken dürfen.
An einem Sommerabend beschließt der Häuptling, dass seine Tochter eine Mutprobe bestehen muss. Der Häuptling hat wieder diesen Geruch, der keinen Widerspruch duldet und das Mädchen weiß, sie darf nicht nerven. Ihre Mutter, die zurzeit nicht im Krankenhaus ist, kann ihr nicht helfen, denn sie hat selbst lernen müssen nicht zu nerven.
Sie soll vom Fenster auf das etwa 1,50 Meter tiefergelegene Dach der Backsteinmauer springen. Ein Sprung ohne Anlauf, denn es gibt nur den Fenstersims und die Fensteröffnung ist nach links noch gut 1 Meter entfernt. Schafft sie den Sprung nicht, stürzt sie etwa 5 Meter in die Tiefe. Wagt sie den Sprung nicht, dann…

Angst steigt in ihr empor. Sie kennt diese Angst, seit sie in die Augen eines Ungeheuers starrte, zurückgelassen von ihren Brüdern, Blutsbrüdern, ihrem Stamm.

„Ich werde nicht nerven.“, denkt sie und schließt ihre Augen. Auf dem Fenstersims stehend nimmt sie innerlich Anlauf. 10 Meter! Noch 5, 4, 3, 2, 1 Meter…
Sie öffnet ihre Augen und stößt einen Schrei aus, der jedes Ungeheuer dieser Welt in die Flucht schlagen würde.

Und springt.


© 2019 albert sadebeck

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Blockpost™ was so passiert

002) Pro & Contra

Der Titel sagt ja im Prinzip schon alles, nämlich nichts. Scheint auch das zu sein, was ich schreiben kann. Nichts von Belang. Obwohl ja doch einiges passiert ist in dieser Woche. Und auch im Leben davor. Bisher, um genauer zu sein, sonst denkt noch jemand, ich glaube an Reinkarnation oder sowas.
Tu ich aber nicht und will das momentan auch nicht vertiefen.

Ich kenne nämlich keine Grenzen mehr.
Ja, ich hab’s geschafft, ich bin grenzenlos! Woohoo! So grenzenlos, dass ich nicht mehr weiß was ich noch darf.

Ok, nicht ich bin grenzenlos, sondern kenne einfach die Grenzen nicht. „Nix neues“, denken die einen und meinen vermutlich die Grenzen des guten Geschmacks. Der Rest fragt sich, worum es hier eigentlich geht und warum man hier für sein Geld nicht ordentlich unterhalten wird.

I have news for you – das ist mein persönlicher Blog und Ihr müsst hier zumindest kein Geld zahlen. Kann sein, dass ein paar Eurer grauen Zellen an Langeweile sterben, aber das lässt sich ja leicht vermeiden. Indem Ihr was Interessantes lest. Dafür müsst Ihr allerdings einen anderen Blog aufsuchen, denn ich wage es kaum noch, Geschichten aus meinem Leben zu erzählen.

Das Problem ist die Provinz. Ja ja, man soll stolz auf seine Heimat sein, bla bla…

Bin ich aber nicht, schon weil mir das Konzept „Heimat“ irgendwie suspekt ist. Und weil in der Provinz Ideen wie „Privatsphäre“ oder „im Schutz der Anonymität“ eher wie die Gedankenwelt von Verrückten statt als etwas Reales, Notwendiges betrachtet werden.

Jeder kennt jeden und für eine Gemeinschaft mag das ja notwendig sein, mir erschwert es das Schreiben jedoch gleich auf mehreren Ebenen.
Will ich beispielsweise die Privatsphären meiner Freund*innen respektieren (wow, klingt total fancy, als hätte jede*r meiner Freund*innen eine „private Sphäre“, in der sie/er schweben kann :rolleyes), dann kann ich nicht eine einzige Episode oder Begebenheit irgendwo kleinkünstlerisch verwursten. Weder hier noch auf der Bühne.

„Hä?! Da nennste die einfach anders, veränderst ein paar Details an den Stories, und gut.“

Ja, Du Schlaumeier. Danke, daran hab‘ ich ja noch gaaar nicht gedacht. : rolleyes
Bringt’s voll. :daumenhoch

Ok, lassen wir mal für einen Moment den Sarkasmus und testen se theory. Sagen wir, ich schreibe eine Geschichte über eine Figur mit einem ausgeprägten Sinn für häusliche Ordnung und Sauberkeit.

„Mit was?“
„Mit einem Putzfimmel.“

Sofort meinen mindestens 3 Leute – eher 5, aber eine liest den Blog vermutlich nicht – jedenfalls meinen die zu wissen, welche actual person in real life die Vorlage geliefert hat. Und da hab‘ ich mir noch nicht mal die Mühe gemacht, einen Namen zu nennen. Nicht mal einen Fake-Namen.

Die Wäsche muss aus der Maschine.
Yep, ich habe es wieder getan und nun bin ich doch sehr gespannt, ob heute mal keine Zwischenfälle –

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(der Cursor blinkt;
 10 Minuten später)

Ja, heute hat das mit der Wäsche mal problemlos funktioniert. Ich werde also durch den Text gekommen gewesen sein, ohne verstörende Bilder in Euren Köpfen erzeugt gehabt zu haben.

(Ouuh, das war jetzt meta, oder?)

Nehmen wir Melanie. Ich kenne keine Melanie, jedenfalls noch nicht, und deshalb erscheint der Gebrauch des Namens einigermaßen sicher. Aber Melanie „ich-heiße-in-Wirklichkeit-ganz-anders-Melanie“ erkennt sich hundertprozentig wieder, wenn in einer Geschichte eine junge Frau auftaucht, die einen Kleinkünstler sexy findet.
Und wenn Ihr Melanie ob der Beschreibung ihres Geschmacks jetzt für völlig erfunden haltet, dann habt Ihr natürlich recht, denn wie bereits erwähnt: Ich kenne keine Melanie.

Aber Ihr versteht mich, oder? Dieser Provinzkosmos ist so klein, die sozialen Gewebe so zusammenge… gewebt (Wow. Dieser Ausdruck. Einfach nur wow.), ich weiß gar nicht, wie ich beobachten und schreiben und alles… wie das alles gehen soll, wenn ich auf alle Rücksicht nehmen muss.

„Dann schreib doch Fantasy-Scheiß oder was Lustiges!“

GesichtspauseTM (ein Produkt aus dem Hause „sadebeck – communications concepts“)

Ich starre hier die ganze Zeit auf ein Gedicht, über dessen Veröffentlichung ich mir seit einigen Wochen Gedanken mache.

Pro

  • Das Schreiben ging mühelos.
  • Es ist da.
  • Es muss nicht mehr geschrieben werden.
  • Es bereitet keine Arbeit.

Contra

  • Ich hab‘ mir keine Mühe gegeben.
  • Es ist kein gutes Gedicht.
  • unechte Reime
  • fragwürdig in Form und Aussage
  • das Werk eines Amateurs
  • Magdalene wird es erkennen.

Ich kenne keine Magdalene (und trotzdem liest sie meinen Blog?), aber sie hat mich dennoch einmal gebeten, ihr… oh, jetzt komme ich aber ins Grübeln, wollte sie ein Gute-Nacht-Lied geschrieben haben?
Ja, ich glaube sie wollte irgendwie ein Gute-Nacht-Lied und mir war’s zu doof und das wollte ich nicht sagen, also hab‘ ich ein Gedicht geschrieben und… warum erzähle ich das? Ach ja, um Euch zu erklären, weshalb ich mir nicht sicher bin, ob ich das (nicht gute) Gedicht veröffentlichen sollte. Fürchte ja, dass Magdalene jetzt schon erkannt hat, dass sie eigentlich Mireille ist. Wenn ich dann jetzt noch das Gedicht raushaue und sie es erkennt, womöglich denkt sie dann ich verfolge irgendwelche Hintergedanken. Tue ich nicht, Mireille, versprochen!

Das sind so die Gedanken, die mich seit Tagen quälen. Ja, es ist 1 hartes life. Der Freundeskreis ist so klein, dass man nichts vor niemandem verbergen kann. Und so laufe ich natürlich Gefahr, dass ich einigen meiner Freund*innen und auch Bekannten mit meinen Themen auf die Füße trete. Vielleicht sollte ich nur über Ex-Freund*innen schreiben, die hassen mich sowieso schon.
Bis auf Sophie und Melinda, die mögen mich. 😀

Auch so ein Thema, Freundin…

Ehm… ok, ich lass es einfach.

P.S.: Wer sagt eigentlich, dass ich Rücksicht nehmen muss?


© 2019 albert sadebeck

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Blockpost™ was so passiert

001) NACKT

Ein Mann beim Staubsaugen. Nichts Ungewöhnliches.
Er ist nackt.
„Widerlich“, vermutlich der erste Gedanke bei den meisten.
„Warum?!“, eine naheliegende Fragestellung.

Weil er es nicht anders verdient und… keine Lust hat.
Er will sich nichts anziehen. Er hat es nicht verdient, Kleidung zu tragen. Nicht einmal in seiner Wohnung. Ein armer Tropf, unwürdig, verachtenswert, nutzlos.

Immerhin ist er allein und belästigt niemanden mit seiner erbärmlichen Erscheinung.
„Warum?!“
Warum saugt er Staub? Hat er nichts Besseres zu tun? Sieht er keine andere Möglichkeit seinem sinnenterleerten Dasein Bedeutung einzuhauchen als staubzusaugen?
Die Wahrheit ist, er muss. Ein Zwang bürdet ihm die Banalität dieser alltäglichen Handlung auf.
Natürlich hätte er das auch auf einen anderen Tag verschieben können, wie die ganzen letzten zwei Monate schon. Oder auf eine andere Uhrzeit, nachts, halb drei. Um sich an seinem Nachbarn zu rächen.
Er hasst seinen Nachbarn, denn der ist laut. Aus seiner Wohnung dringt täglich von 5:15 Uhr bis 6 Uhr und von 17:15 Uhr bis 18:00 Uhr ein unerträglich hochfrequenter Ton, ein Fiepen. Ein Geräusch, dessen genaue Ursache der Mann einfach nicht herausfinden kann. Es ist nicht allzu laut, aber gerade laut genug, dass es in der Wohnung kein Entrinnen gibt.
Als wäre das nicht genug! Abends, wenn er die dringend nötige Nachtruhe genießen möchte, dröhnt aus der Nachbarwohnung das peinliche Geplapper billiger Seifenopern, Game Shows oder was dieses Arschloch sonst halt so glotzt.
„Warum?!“
Weil er befürchtet, dass der allgegenwärtige Staub und seine daraus geborenen Flusen einen Pakt der Finsternis mit dem Wasser der Waschmaschine eingehen könnten.
Nein, sie läuft nicht aus, die Waschmaschine.
Sie läuft einfach gar nicht.
Nicht mehr.
Sie will das verdammte Wasser nicht abpumpen, die Wäsche nicht schleudern, die Tür nicht freigeben.
Seine große Hoffnung ist, dass nur das Flusensieb verstopft ist, dass er mit einem einfachen Handgriff diese Waschmaschine vor ihrem sicheren Tod bewahren kann. Er kann sich einfach keine neue Waschmaschine leisten. „Erbärmlich“, denkt er, während er den Staubsauger über den Boden schrammen lässt.
Es lässt sich nicht vermeiden, er wird den Ablauf an der Vorderseite öffnen und das Wasser ablaufen lassen müssen, 3,9 cm über dem Boden. Das Wasser wird sich auf dem Boden verteilen, unaufhaltsam, und eine unheilige Allianz mit Staub und Flusen eingehen.
Orthanc und Baradur, und keine Arwen, die die Fluten mit ihrer Elbenmagie zähmen könnte.

IMG_5759.jpg

Der Boden ist gesaugt. Toll.
Da kniet er nun vor seiner Waschmaschine, bewaffnet nur mit einer 3,6 cm flachen Frischhaltebox, und lässt Milliliter für Milliliter das Wasser aus der Maschine entweichen. Nackt, unwürdig, verachtenswert.
Wahrscheinlich ist er gar nicht unwürdig und verachtenswert. Eine Freundin, nicht „seine“ Freundin, denn er hat keine Freundin… hatte daher neulich aus Gründen die Idee, seiner Selbstverachtung mit einem einfachen Trick zu begegnen.
„Das sind 5 Bohnen. Die steckst du in deine rechte Hosentasche. Und jedes Mal, wenn du irgendetwas gut gemacht hast, nimmst du eine Bohne und steckst sie in die linke Hosentasche. Du wirst erstaunt sein, wie schnell deine rechte Tasche leer sein wird.“
„Erstaunlich“, denkt er sich, noch immer vor der Waschmaschine kniend. Warum passen in die kleine Waschmaschine offenbar die Fluten des Flusses Isen? Und wo ist Gandalf, wenn man ihn mal braucht? Obwohl, so toll ist der auch nicht. Kann coole Tricks, benutzt die aber immer nur ein Mal zum Angeben und dann nie wieder.
Das Wasser ist inzwischen gebändigt. Vorsichtig prüft er, ob sich die Tür zur Trommel öffnen lässt…
Ja! Die Waschmaschine befindet ihn für würdig und lässt ihn die Tür öffnen und er weiß, morgen kann er wieder Kleidung tragen! Wenn er die Maschine dazu bringt, „schleudern/abpumpen“ auszuführen…
Er greift mit der linken Hand vorsichtig in die Öffnung des Flusensiebs und sucht. Und findet.
Eine Bohne.
Eine zweite Bohne findet er im Innern der Trommel. Und eine dritte, vierte, fünfte…
Er fühlt sich verachtenswert, unwürdig, nackt.

APC_0380.jpg

P.S.: Liege jetzt in der Wanne. Es schien mir ob der (noch) nicht tragbaren Kleidung naheliegend.


© 2019 albert sadebeck