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Blockpost™ it's all fun and games ('til someone cries) was so passiert

Kein Probleeem…

Ich wünsche mir eine Einhorn Party.

Oh cool Mäuschen. Das machen wir. Ich backe dir eine Torte in Einhornform.

Ehm… die Torte hat Oma bis jetzt immer gebacken, frag sie da erstmal lieber, nicht dass sie sich übergangen fühlt.


Ich habe einen Zooausflug mit deiner Patentante zusammen organisiert.

Juhuuuuuuuuuu

Furchtbar! Dann muss sie sich jetzt zwischen Nähkurs und Zoo entscheiden.

Was denn für ein Nähkurs?

Der startet seit dieser Woche wieder…

Das hat mir niemand gesagt…


Mama, meine Hose ist zu kurz.

Oh ok, dann ziehen wir eine andere an.

Aber das ist meine Lieblingshose! (27min Weinanfall)


Ich möchte ab heute keine bunten Leggins mehr tragen. Nur noch einfarbige, am besten dunkle.

*notiert Retoure der gestern zusammen bestellten bunten Leggins*


Mama wir sehen uns nur noch, wenn du mich in den Kindergarten bringst.

Mein Schatz, das stimmt, meine Arbeitszeiten sind sehr lang und ich versuche, mehr Zeit zu finden.

Du gehst heute trotzdem, oder?

(Kann bitte jemand das Messer aus meiner Brust ziehen?!) … ja …

*es weinen beide*


Ich habe mich von Tobias* (Name aus Datenschutzgründen geändert) getrennt.

Oh je, ich komme gerade von der Arbeit, bin in 5 Minuten da, dann können wir…

Ich komme dann zu dir.
…oh, ok, auch gut. Dann bis gleich. *streicht mental die geplante warme Badewanne*


Ich möchte Nudeln zum Abendessen.

Ok.

Aber ohne Soße.

Ok.

*kocht Soße*

(unter Tränen) Ich will keine Soooossssääääää!

Die ist für den Rest der Familie. Du kannst deine Nudeln ohne Soße essen.

Ok. Dann nehme ich auch welche.


Das Silberhochzeitsgeschenk hat noch 2 Monate Zeit. Mal ne Familiengruppe bei WhatsApp gründen.

*Opa tritt sofort wieder aus*
*alle fragen sich, wen ich meine mit dem „Jubiläum“*
*niemand hat Geschenk Ideen*
*Bilder… Bilder von den Beiden? Pffff vlt 2 alte, verschwommen, von hinten*
*Bruder will keinen Text schreiben.*
*Nein, auch keinen kurzen* 


Mama, Aaro hat gekotzt.

Hm, hat er wieder was gefressen was er nicht verträgt…

*betrachtet einen unverdauten Entenfuß in Sabber und Magensäure auf dem Stubenboden*


Mama können wir heute Nuggets essen. Mit süßsaurer Soße.

Hallo mein Kind, ich freue mich auch, dich zu sehen, wie war’s denn heute im Kindergarten?

Ihr Kind weiß, was Nuggets sind?

Ja natürlich, wir essen oft Makdoniil, ge Mama?

Wir nehmen die Juniortüte mit Buch und Apfelstücken zum Hühnchen.

*Oft. Kind, über die Bedeutung „oft“ reden wir nochmal.*


Wollen wir uns im Januar treffen? Wir haben uns das ganze Jahr über nicht gesehen.

Oh, im Januar bekomme ich keinen Urlaub, wie wäre es mit April?

An dem freien WE, was ich im April habe, kommt der Osterhase… vlt Juli?

Hm…. keine Ahnung wie unsere Sommerplanung aussieht. Dann müssen wir das später nochmal besprechen.


Die Bornholmreise aus April wurde auf Oktober verschoben. Oktober: Bornholm wird Risikogebiet. Die Bornholmreise wird kostenpflichtig storniert.


Es gibt insgesamt 12 Krankmeldungen, du wirst in den Abteilungen flexibel zur Aushilfe eingesetzt.


Geburtstag von der besseren Hälfte rückt näher. Tatsächlich habe ich gute Ideen für ein Geschenk. Eines davon bekomme ich über Amazon.

*Amazon cancelled Warenkorb*
*Bezahloption Lastschrift nicht genehmigt*
*ändert Bezahloption*
*Kreditkarte nicht genehmigt*
*muss neben dem Geschenk jetzt auch ein neues Telefon bestellen, da der Aufprall gegen die Wand das Display zerstört hat*

(Anmerkung für Leser, die die finanziellen Engpässe der Autorin kennen: diesmal war nicht die fehlende Deckung schuld. Es wäre Geld da. Amazon will es aber offenbar nicht.)


Ich sollte endlich mal wieder Sport machen. Meine Muskulatur ist schlechter als die einer 80 jährigen.

*knickt während des Gedankens um*


Ich habe die Fische ganz alleine gefüttert.

Aha. Wann?

Heute morgen, als du noch im Bett warst.

Aha. Und darfst du das?

Nein…

Und waru…… fuckfuckfuckfuck

Oh Mama, alle Fische schwimmen oben.

Geh einfach. Geh einfach schnell.

Wohin denn?

*holt krampfhaft tief luft*

Bitte geh Papa holen und sag, er soll einen Eimer mitbringen. Schnell!

(Verzeichnete Tote: 19 Fische, inklusive meines Lieblingswelses, alle

Garnelen, 2 Schnecken)


Wann warst du eigentlich das letzte Mal beim Pferd?


*Bucht einen Urlaub in Berlin, Berlin wird zum Risikogebiet erklärt, storniert ihren Urlaub in Berlin*


All diese Dinge sind stressig und benötigen extra Kraft. Das ist kein Problem, ich habe auf die meisten dieser Fragen antworten oder Lösungen. Was mich aber wirklich stresst ist die Frage: „Und wie verbringt ihr Weihnachten?“

Woher soll ich das wissen? Es ist in einer 1950 Standard Familie schon schwierig, alle Familienangehörigen unter zu bekommen und die wenigen Tage, Zeit und die unterschiedlich gewichteten Anlässe zu vereinen. Was aber mit der 2020 Patchwork Familie anstellen? Und noch schlimmer: Planen, ohne zu wissen, ob die Arbeit nicht sowieso dazwischenfunkt. Ich bin den Tränen nahe bei diesem scheiß Thema und würde am liebsten alle, die ich sehen will, einpacken und wegfahren. Aber hey, 2020, Corona und so. Meine eigenen Ansprüche, meine Erwartungen und meine emotionale Aufladung an die Feiertage werden also auf Eis gelegt und ich beschäftige mich über das Fest lieber damit herauszufinden, wo ich im Sommer 2021 meinen Urlaub storniere.


© 2020 hollingtonsmum

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Wie aus dem Nichts

It’s always darkest before the dawn.

Ein Topf knallt ihm ins Gesicht. Einmal, zweimal, ein drittes Mal…
Wie oft muss man gegen den Topf in seiner Hand laufen, bis man sich von selbstgedachten Plattitüden befreit hat?

Der Schweiß, der ihm von der Stirn läuft, kribbelt auf seiner Wange. Beinahe ein angenehmes Gefühl, immerhin aber… ein Gefühl. Ja, ein oberflächliches, aber auch ein Anfang.
Wenn er dazu fähig wäre, er würde dieses Kribbeln wütend aus seinem Gesicht wischen, denn er verdient kein angenehmes Gefühl. Denkt er. Glaubt er.

So aber wischt er sich das Kribbeln nahezu völlig emotionslos aus dem Gesicht. Reflexartig schaut er auf seinen Handrücken, auf dem sich eine rotbraune Spur abzeichnet. Er sieht sich den Topf an, der einen ähnlich rotbraun gefärbten Fleck an seiner Unterseite hat.
Es kribbelt wieder auf seiner Wange, obwohl ihm gar nicht so heiß ist. Erneut fährt er mit dem Handrücken über seine Wange, die rotbraune Spur auf seiner Hand wird noch etwas dunkler.

Die Blutspur, die er auf dem Weg ins Bad hinterlässt, ist nicht sonderlich beeindruckend. Trotzdem freut er sich jetzt schon nicht darauf, später den Boden wischen zu müssen. Wenigstens ist seine Kleidung verschont geblieben, denn er trägt keine. Ganz praktisch, wenn man so völlig unvorbereitet unter die Dusche muss.

It’s always darkest before the dawn.

Hätte er nicht gleich auf die Idee kommen können, sich diesen Kalendersprüche Kalender-… Spruch nicht aus dem Kopf schlagen zu wollen, sondern ihn eiskalt weg zu duschen?

Er hatte gelesen, dass kalte Duschen nicht nur für den Körper gut seien, sondern auch das mentale Wohlbefinden steigern sollen. Er merkt davon allerdings gar nichts, als das eiskalte Wasser auf seinen Körper trifft.
Atemnot soll also gut sein, denkt er sich fast. Fast, weil er nicht mehr denken kann, nicht mal Kalendersprüche.

Immerhin keine Platzwunde, stellt er nach kurzer Untersuchung der Stirnpartie fest. Schon die Vorstellung, in der Ambulanz erklären zu müssen, wie er sich die Platzwunde zugezogen hat, ist ihm ein Graus. Und wie hätte er seine Kleidung fleckenfrei anlegen können, wo er doch nicht mal ein Fingerpflaster im Haus hat? Zu seinem Glück muss er all das nicht herausfinden, denn es ist wirklich nur eine oberflächliche Wunde, eher aufgerieben als aufgeplatzt.

Eine Wunde, die ohne Pflaster heilt. Einfach so…

Doch was ist mit den anderen Wunden, denen, die man nicht sieht?

Noch bevor dieser Gedanke vollständig geformt ist, überkommt ihn ob dieses schwülstigen Gedankens das unglaubliche Verlangen, den Topf zu holen. Und während er darüber nachdenkt, dass er sich erst abtrocknen müsse, um nicht das ganze Bad und den halben Flur zur Küche unter Wasser zu setzen, wird er sich der Absurdität rationaler Erwägungen bezüglich irrationaler Handlungen bewusst. Und er muss lachen.

Nein, er lacht nicht wirklich. Aber er muss lachen, wenn er sich irgendwie aus diesem… Nichts befreien will.

Will er das?

Was, wenn er einfach bliebe? Hier, in der ungesättigten Blässe. Alles auf null. Kein Ärger, kein Schmerz, alles egal.

Sein Selbst mit Leid beginnt, ihn zu langweilen. Sein Selbstmitleid auch.
Außerdem weiß er, dass er nicht unbedingt lachen muss, wenn er… aus dem Nichts herausfinden will, ohne Fehler zu machen? Ist das nicht ein bisschen arg viel verlangt, keine Fehler zu machen?

Ok, denkt er sich, ganz langsam. Ein Gedanke nach dem anderen, nicht alles auf einmal…

Lachen ist wohl nur auf den ersten Blick die richtige Antwort. Weil… Lachen ist ja toll, nicht wahr? Menschen, denen es gut geht, die lachen, oder? Gute Laune und so.
Natürlich weiß er, dass Lachen nur funktionieren kann, wenn er… unangenehme Empfindungen-

Jetzt nenn die Dinge doch mal beim Namen!

Schmerz. Ja, es geht um Schmerz. Und darum, dass man den nicht bewältigt, in dem man ihn ignoriert.

Man soll ihn „zulassen“.

Aha.

Und dann?

Dachte ich mir.
Ich soll also „Schmerz zulassen“, denn der „gehört“ ja irgendwie „zum Leben“, habe aber keine Ahnung, was dieses „Bewältigen“ sein soll.
Toll.
Denkt er sich.

„Stück für Stück“

Ihm fällt eine weitere Lebensweisheit ein, die er heute nicht glauben kann. Er hat aber ausreichend Selbstzweifel, um seinem Urteilsvermögen Fehlbarkeit zu unterstellen. Hoffnung kann er daraus zwar (noch) nicht schöpfen, aber da der Nachweis des Nichtfunktionierens von „Stück für Stück“ noch nicht erbracht ist, ist er gewillt, diesem Handlungskonzept (erneut) eine Chance zu geben.

Sein Kopf brummt. Könnte mit der Mehrfachkollision mit einem Kochtopf zusammenhängen. Oder es sind Ermüdungserscheinungen von zu viel einseitiger Hirnaktivität, man weiß es nicht genau. Dummerweise hat er nicht nur kein Pflaster, sondern auch keine Schmerztabletten im Haus. Wenn man so darüber nachdenkt, Vorsorge scheint nicht direkt seine Stärke zu sein…

Er steht noch immer in der Dusche. Nein, er steht nicht in der Dusche, er steht in der Wanne.
Für eine Dusche hat es in seiner Behausung nämlich nicht gereicht. Er kann also nicht einmal dramatisch auf dem Boden seiner Dusche in sich zusammensacken und das Wasser auf sich hinabprasseln lassen, weil er in einer Wanne den Duschkopf in der Hand behalten muss.
Kein Duschvorhang.
Wie dumm ist es eigentlich, sich in eine Wanne zu setzen, wenn gar kein Wohlfühlgedönsbad eingelassen ist?
Fragt er sich und bemerkt, Sitzen wird es aufgrund der Enge auch nicht. Eher Hocken.

Da hockt er nun, ein Arm über dem Kopf, lässt das kalte Wasser über seinen Körper laufen und weiß nicht so richtig, ob er lachen oder weinen soll. Und platt, wie er nun einmal ist, schleicht sich der Satz zurück in seinen Kopf…

It’s always darkest before the dawn.


© 2020 albert sadebeck

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Heute keine Erinnerungen

Ist das jetzt ein Ausdruck der… Erleichterung, ein müdes Bitten um Ruhe oder gar der Hinweis darauf, dass in meinem Leben nichts erinnerungswürdiges passiert(e)?

Heute keine Erinnerungen

Ich nehme es erstmal als Versprechen. Heißt nämlich, heute nervt mich niemand mit Steuererklärungen, sozialen Verpflichtungen, Plänen für Aktivitäten jedweder Art, ich kann einfach meine Urlaubsruhe genieß-

Wwwh!

Was zur Hö-?

Wwwh!!

Die SnobWatch vibriert.

„Keep it going
You set a new Move streak yesterday.
Don’t let it end today.”

SnobWatch

Danke, SnobWatch! Nichts erfüllt mich mehr mit Glückseligkeit als Deine dezenten Hinweise darauf, dass ich heute noch nicht aktiv genug war und meinen fetten Arsch* bewegen sollte. Ich muss ja unbedingt alle Activity Rings closen, sonst bin ich ein schlechter Mensch, unproduktiv, zu fett und gar nicht gesundheitsbewusst.

*)
und mit „fetten Arsch“ meine ich „faulen Hintern“. In einer früheren Version wurde „Arsch“ schriftlich gepiept, was so aussah: „A***h“
Fand ich aber doof. Muss mich ja nicht selbst zensieren.
Außerdem hoffe ich, dass sich ein paar an dem Ausdruck „fett“ als Synonym für „faul“ stören. Bodyshamimg ist schon bekloppt, aber Fatshaming ist noch dämlicher. Also, wenn Ihr Euch dabei ertappt, Euch über dicke und/oder übergewichtige Menschen (inkl. Euch selbst!) lustig zu machen, hört einfach damit auf. Bitte…

Um siebenuhrfünfundzwanzig!

„Du hast heute keine Erinnerungen“

Ich beschließe, diesen Satz sehr cool zu finden. Wer würde nicht gerne auf die Erinnerung an besonders schmerzhafte, demütigende, peinliche Momente seines Lebens verzichten? Nehmen wir mal den Moment, als mir die Haare abgeschnitten wurden, weil ich aus dem Kindergarten Läuse mit nachhause brachte. „Du hattest früher so schöne Locken… (seufz)“
Was soll man auf einen solchen Satz denn antworten, „Ich war 4 und hasste meine Locken so sehr, da hab ich Tilli im Kindergarten gefragt, ob sie mich mit ihrem Dealer in Kontakt bringen kann, ich bräuchte mal so zwanzig Läuse, damit mir meine Haare abgeschnitten und dann der Kopf noch mit diesem widerlichen Antiläusegedöns eingeschmiert werden/wird/gewordenseingehabtgetutet“?!

Zum Glück habe ich ja heute keine Erinnerungen. Ich weiß bis heute nicht, wie ich mir das Knie aufgeschlagen habe. Welches Knie und wann? Äh… hm. Weiß ich auch nicht mehr, nur so ungefähr das Alter. Mein Bruder holte mich vom Kindergarten ab und ich konnte vermutlich schon sprechen, ganz sicher aber heulen wie ‘ne Boje. Der Heimweg zu Fuß war für einen kleinen Stöpsel im Alter von… 4 oder 5 Jahren (?) schon beachtlich und so auch die Fähigkeit des kindlichen Gehirns, die vermutlich durch einen Sturz erlittene Schürfwunde zu verdrängen. So ging es also einigermaßen gut gelaunt nach Hause, bis…

Zehn Meter von der Haustür entfernt und im Vollbesitz seiner geschwisterlichen Gemeinheit sagt mein Bruder: „Du blutest da am Knie.“
„Wuuuuuuuääääääähhhhh!“, plärrte Le Petit Albert durch die ganze Straße und veranlasste meinen Bruder, mich schnell zur Haustür hineinzuschieben, immerhin wohnten wir direkt gegenüber der Polizei!
Du, lieber Bruder, wirst dich auch heute noch diebisch freuen, ich hingegen habe…

Heute keine Erinnerungen

Was ich nicht verstehe: Wieso erinnere ich mich dann plötzlich an solch peinliche Dinge? Jaja, das ist doch alles nicht schlimm, weil damals als Kind und so, da passiert das ja schon mal, aber trotzdem: Warum meint die bekackte SnobWatch, ich müsse jetzt auch noch aufstehen?! Und warum mache ich das auch noch, ich dachte „heute keine Erinnerungen“?!

Und jetzt könnte es fast lustig werden, denn ich habe ernsthaft keine Erinnerung daran, wo ich meine Kaffeetasse abstellt habe. Hier auf dem Schreibtisch jedenfalls nicht. Moment, bitte…
Auf der Hausbar. Ich habe die Kaffeetasse auf der Hausbar stehen lassen und frage mich nun:

Ist das ein Hinweis meines Unterbewusstseins?!

Die Snobwatch jedenfalls hat mich verarscht. Eigentlich zählt sie neben Burned Calories („Move“) und Exercise Minutes („Exercise“) auch noch, wie oft man (als Fitness App gesteuerter Neuzeitmensch) über den Tag so aufgestanden ist („Stand“). Mit dem GANZEN Körper, Leeeeute! Was Ihr wieder denkt…
How auch ever, ich bin also aufgestanden und rumgelaufen, hab dabei meine Kaffeetasse so abgestellt, dass ich ein zweites Mal innerhalb der letzten zwanzig Minuten aufstehen musste und was macht die SnobWatch? Sie notiert es einfach nicht. Sie erinnert sich nicht daran. Sie hat keine Erinnerung daran, dass ich eben gestanden habe.
Und ich frage Euch:

Muss ich mir das gefallen lassen?

Für den Einkauf habe ich so eine Liste auf’m SnobPhone. Ist eigentlich ganz praktisch, weil ich die Liste so nicht immer neu schreiben muss. Einfach bei den fehlenden Dingen das Häkchen entfernen und dann beim Einkauf wieder abhaken. Ihr seht, mein Einkaufsprofil ist wenig vorhersehbar.
Warum ich das erwähne? Na ja, da steht halt noch „Kaffee“ unabgehakterdings drauf.

Obwohl ich Kaffee gekauft habe. Meine Go-To-Biokaffeesorte gab’s nicht, also dachte ich „Probiers’de mal was. Was… anderes.“ und kaufte Kaffee in eingetütet und zum Aufbrühen und so. War aber gar nicht eingetütet und zum Aufbrühen. Aus dem Karton kamen nämlich…

Kapseln!
GesichtspauseTM
Wo ich doch so viele HighPressureXtremeKaffeemaschinen habe, für die man Kapseln braucht. Zu meiner Verteidigung: Auf der Packung stand nix zur Zubereitung. Hätte mich stutzig machen sollen, I know, aber nun hab‘ ich den Salat.
Also, nicht Salat, sondern komische HighPressureXtremeKaffeemaschinenkapseln, but you get my point.

Ok, das erklärt noch immer nicht, was „Kaffee“ auf ‘ner SnobPhone-Einkaufsliste mit „Heute keine Erinnerungen“ zu tun haben könnte, aber wenigstens kann ich so die zum Thema gehörenden Fotos einbauen, ohne dass das vollkommen random wirkt.

Und genau deswegen kommen hier:

Random pics, yaaay!

Heute keine Erinnerungen

Natürlich habe ich Erinnerungen.
An Erlebnisse, die ich lieber nicht erlebt hätte.
An Menschen, die mir Gespräche schuldig geblieben sind.
An Menschen, denen ich Gespräche schulde(te).
Erinnerungen, die schmerzen.

Nur eben… heute nicht.

Chaos

Hab verloren schon vor Jahr’n
kommt mir vor wie Ewigkeit
weiß nicht warum Dinge sind
wie sie eben sind

Geb mich nicht auf
widersteh’ dem dunklen Sog

„Vergiss was war, verkriech dich nicht im Gestern.
das Leben geht weiter, immer weiter.“
Suche endlos, Frage nach dem Weg.
Zugleich vertraut und unbekannt –
das Ziel.

Geb mich nicht auf, erstick am Selbstmitleid.
Widersteh’ dem dunklen Sog
Geb mich nicht auf doch dieses Chaos in mir
ist Feuer und Eis, das mich verbrennt.

Kein Berg zu hoch , kein Weg zu weit.
Alles möglich, oder vielleicht umsonst?
Das Meer, das mich ertränkt, unendlich
ewig das Eis, das mich verbrennt, das mich verbrennt…

Geb mich nicht auf, erstick am Selbstmitleid.
Widersteh’ dem dunklen Sog
Geb mich nicht auf doch dieses Chaos in mir
ist Feuer und Eis, das mich verbrennt.

das mich verbrennt
das mich verbrennt

Hab verloren schon vor Jahr’n…


© 2020 albert sadebeck

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Först Reisen, Bedenken säcknt

Vor kurzem feierte die Große Geburtstag. Kindergeburtstag, der Traum eines jeden Elternteils. 8 Kinder, gepusht von Aufregung und Capri-Sonne. Der Überlebensinstinkt flüstert leise: Irgendwo draußen, irgendwo weit weg, irgendwas mit Programm… die Küche atmet erleichtert auf, als beschlossen wird: Ein Ausflug in einen Streichelzoo der näheren Umgebung. Schneller als mir lieb ist finden wir uns also zwischen Alpakas, Hüpfburgen und XXL-Bausteinen wieder, der Papageienkuchen kämpft um seine bestreuselte Glasur, die sich in der Sonne gehen lässt. Die Dekoblume rutscht vom Nutellamuffin.

Highlight der ganz Kleinen: Ein betagtes Karussell mit 3 Pferden. Im echten Leben hätten sie wahrscheinlich bereits Gnadenbrotalter erreicht. Da sie hier aber keine Wehwehchen äußern konnten, drehten sie mit abgeblättertem Lack Runde um Runde. Krux: Sie trabten nur mit einem eingeworfenen Euro knarzend los. Als ich nach 9 Runden versuchte zu erklären, dass mein Münzgeld leider aufgebraucht war, war die Enttäuschung groß. So groß, dass die Kleinen (clever sind sie ja) umstehende Fremde nach „ein Geld“ fragten. (Gar nicht peinlich…)

Folgender Dialog entstand:

Mini: Hallo, wir brauchen ein Geld.

Fremder: Hallo, dann fragt mal eure Mama.

Mini: Mama hat nicht ein Geld.
(Danke mein Kind, das muss man ja nun nicht jedem…)

Fremder: Das ist der Grund, warum Mama dann arbeiten geht. Dann bekommt sie wieder Geld.

Mini: Mama muss auf Arbeit?!
(panisch suchende Blicke, ob ich das Gelände verlassen haben könnte)

Fremder: Heute scheinbar nicht. Aber normalerweise geht Mama doch arbeiten. Und dann kann sie euch schöne Sachen und Urlaube kaufen, weil sie Geld hat und dann seid ihr glücklich.

Mini: Und hast du jetzt ein Geld?

Fremder: Na gut, eine Runde
(Fun Fact: Sein Kind kletterte in dem Moment mit auf die Rösser. So großmütig war die Geste also nicht…)

Während die Kinder quietschend karussellierten, hallten die Worte dieses Fremden in meinem Kopf nach. Der Kapitalismus aus seinem Vortrag sprang mich an und halb ärgerte ich mich, dass er meinem Kind gerade erklärt hat, dass man Geld braucht, um glücklich zu sein.

Die glücklichsten Momente verbrachten wir immerhin Low Budget in Thailand, lachend im Wald, barfuß im Sandkasten und hüpfend auf dem Trampolin. In dem Moment wurden die Hippiestimmen im Kopf laut.
Es ist an der Zeit, mal wieder einen Rucksack zu packen und dem Kind zu beweisen, dass es eben genau nicht auf Geld ankommt.
Natürlich sollte man ein Geld haben, um das Finanzamt zu besänftigen, aber wirklich glücklich macht das jetzt nicht.

Wie bringt man einem Kind also in einer kapitalistischen Gesellschaft bei, bitte nicht das neueste AppleYTZ zu hypen, sondern eine Eiche von einer Buche unterscheiden zu lernen?
Dass die beste Zeit meines Lebens eine Zeit ohne Kohle, ohne fließend Wasser und ohne Strom an einem kleinen Costaricanischen Strand war? Umgeben von Natur, mit nichts weiter als einer Matratze, einem Moskitonetz, einem Tisch und Gallo Pinto. Mit harter Arbeit, dafür aber süßen Schildibabys?

Arbeit. Es gab sie in Costa Rica. Sie war körperlich manchmal grenzüberschreitend, aber so sinnvoll wie bisher kaum etwas in meinem Leben. Und nun? Nun arbeite ich auch. Im feinen Stöffchen, entgegen meinen Überzeugungen… Ich wäre auch in einer Kommune glücklich. Ich gehe arbeiten, um einen Kindergartenplatz finanzieren zu können, den ich ohne Arbeit nicht bräuchte…
Wait, what?
Ok, ich brauche noch ein bis zwei Geld mehr, um meine Fixkosten zu decken, etwas Arbeit muss also sein. Aber mein Lebensinhalt ist die Arbeit schon lange nicht mehr. Vielleicht auch, weil es nicht das ist, was mich erfüllt? Hoffen wir mal das Kind gestaltet sich einen intelligenten Alltag, in dem er nicht vom Job abhängig ist, sondern von dem Leben kann, was ihm wirklich Spaß macht. Nebenbei zwei Geld verdient und ansonsten frei und glücklich ist, wie der Einjährige, der damals in Thailand barfuß den Sommerregen entdeckt hat ♡, und vielleicht fällt mir auch irgendwann mal ein, was ich mag und sogar so gut kann, dass mir jemand Geld dafür geben würde.

P.S.: Vlt packe ich auch wieder meinen Rucksack, wenn irgendwann ein Geld am Monatsende übrigbleibt. Bis dahin muss das Karussellpony die Laune aufrechterhalten. Immerhin soll es ja schön sein, dieses Leben. Denkt dran, Ihr habt nur das eine und wisst nicht, wie lange.


© 2020 hollingtonsmum

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Unknown Hard Error

Unknown Hard Error

Selten war eine Fehlermeldung des wohl meistgenutzten Computerbetriebssystems auf diesem Planeten derart nichtssagend und dabei so treffend, als sei sie sich der Präzision ihrer eigenen Formulierung bewusst.

Unknown Hard Error

Der erste Error dieser Woche, und ich beziehe mich natürlich nur auf die eigenartige Welt meines eventuell leicht betagten, aber dennoch hardwaretechnisch relativ fitten PC-

Fitten… Fitten? Fritten?! Toll, jetzt hab‘ ich Lust auf Pommes… 🙄

6:25 Uhr ist aber leider zu früh für Pommes.

Oh, nicht deshalb, „weil man frühs* keine Pommes isst“, sondern weil man zu dieser Uhrzeit keine essen kann.

*) ich weiß, dass „frühs“ nicht korrekt ist. 🙄

Ich habe nämlich weder eine Fritteuse (Frittöse?!) noch einen funktionierenden Backofen und die Bar meines Vertrauens, in der es unfassbar geile Burger und Pommes gibt, macht erst… um 9 (?) auf. Also muss ich mich, at least for the moment, wohl oder übel mit Kaffee zufriedengeben. Cheers!

How would you like to set up?

In der Zwischenzeit ist das Zurücksetzen des PC mit Neuinstallation seines Betriebssystems also an dieser Stelle angekommen und ich möchte antworten:

„Quickly!“

Weil ich noch 50 Milliarden Programme und Plugins installieren muss, bevor der Rechner wieder halbwegs in der Lage ist, meine Arbeits- und … F*ck! Hab‘ ich den letzten Spielstand… Ah, der wird bestimmt in der Cloud gesichert. Hoffe ich.

Also, der Rechner bietet mir „Qickly!“ nicht als Option einer Antwort an, weshalb ich „Set up for personal use“ wähle.

Wäre ich nicht so egoistisch, würde ich diese (offenbar fragile) Ressource der Schreib-, Film- und Musik-… der kleinkünstlerischen Arbeit nicht nur für mich verwenden und dem Rechner sagen: „Set up for an organisation“.

Auch geil. Da wollte ich über den ersten Error dieser Woche schreiben, und dann lenken mich nicht vorhandene Pommes dermaßen ab, dass ich glatt vergesse, was ich-

Hi

We’re getting everything ready for you

This might take several minutes

Don’t turn off your PC

Schön, der Rechner ist scheinbar bereit, mit der Installation der wirklich coolen Software zu beginnen, weshalb ich mich hier erstmal ausklinken würde, wüsste ich nur, womit ich genau anfange.

Stufe 1: allen Festplatten und Laufwerken die vorherigen Laufwerksbuchstaben zuweisen, damit später die Video- und Audioprojekte korrekt laden. Macht richtig Spaß, ich sag’s Euch… 🙄

D wird H wird I wird K, weil J wird I und dann noch F, aaaaaargh!

Nein, OneDrive, ich möchte die ganzen Dateien nicht auf dem Systemlaufwerk haben! Ich habe da einen eigenen Ordner auf Laufwerk N und den nimmst Du jetzt gefälligst. Mit freundlichen Grüßen, Mann-ey-ich-hab-jetzt-wirklich-Hunger!

Und da ist der erste Härtetest: Nach der Installation des Browsers mit den vielen schönen Passwörtern und Accountdaten ein erster Neustart uuuuund…

Pschuh, funzte. Immerhin.

Next up: Video- und Grafiksoftware. Heute vor allem für ein paar BlockpostTM-Bilder, aber eben auch in Vorbereitung diverser Projekte für meinen Lohnzahler. 😬

Hm, und jetzt sitze ich da und frage mich, warum erzähle ich Euch das?
Nun, tatsächlich wohl deshalb, damit ich mich wenigstens der Illusion hingeben kann, etwas halbwegs produktives gemacht gehabt haben wollen zu werden.

Die Wiederherstellung eines eigentlich ganz gut eingerichteten Systems ist nämlich alles andere als ein Gefühl der Produktivität vermittelnd.

Möglicherweise ist das aber auch der falsche Anspruch. Vielleicht ist das die eigentliche Aufgabe für heute: Das Aushalten nervtötender, langweiliger Arbeit am Computer. Ohne Fortschritt, ohne Aktivierung des Belohnungszentrums.

Und im Hinterkopf schon der Gedanke:

Bis zum nächsten Mal.


© 2020 albert sadebeck

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Nach einer wahren Begebenheit

Määäääääääääääh

Mäh

Määäääääääh

(Kopierst du grad den Einstieg vom Kleinkünstler gestern?
Ja, aber ist ’n anderes Tier?!
Alter das geht ja gut los…
Klappehirn)

Määäääh

Boar, kann dieses Schaf mal ruhig sein. …. maaaaaan.

Sie atmete tief durch. Der Kurze sollte endlich schlafen. Ihr wohlverdientes Abendprogramm, für das sie eh bereits zu müde war, sollte starten, sobald er endlich-

Määääääh

Ooooar.

So würde das nie was werden. Sie war viel zu wütend. Ihr Kind viel zu empfindlich für ihre geballte Ungeduld. Sie schnaufte und zwang sich zur Ruhe. 5 Sekunden einatmen, 5 Sekunden Pause, 5 Sekunden ausatmen, 5 Sekunden Pause. Mental strich sie ihr Abendprogramm… blieb sie halt heute wieder mit liegen, dann war es auch egal, WANN sie hätte aufstehen können.

Mäh.

Fast war er eingeschlafen. Im Halbschlaf zuckte er zusammen. Sie atmete mit zusammengebissenen Zähnen. 5sekundenein 5sekundenpause 5sek

Määäh

Diese gottverdammte schei…

Määääääääääääääh.

Woooozaaaa. Seit 3 Tagen war die Wiese an den örtlichen Schäfer verpachtet. Seit 3 Tagen bekam sie das Kind nur noch mit Müh und Not in den Schlaf. Zu aufgeregt schaute er aus dem Fenster und beobachtete die Wattewölkchen auf seinem üblichen Spielplatz. Sollte Schäfchen zählen nicht eigentlich müde machen?!

Määääääääh

Ok. Dieses Exemplar war besonders nervig. Sie formulierte mental die Vertragskündigung.

„Sehr geehrter Schäfer, Ihre verfick*** Schafe können ihre Fre*** nicht halten, daher stellen Sie sie dieses Jahr verdammt nochmal vor Ihr eigenes Fenster. Bitte. Noch eine Nacht ohne DaidaiTM hält hier niemand aus…“

Sie hielt inne. Nacht. Die letzten 3 Nächte verstummten die Lämmer bei Dunkelheit.
Sie sah auf die Uhr. 22:34 Uhr. Das Licht schwand. Das Mäh jedoch blieb.
Mist.

Sie wurde erneut unruhig. Es war nun nicht mehr egal, ob sie liegenblieb. Der Kurze sollte sollte nun wirklich dringend schlafen, denn in ihr erwachte der Drang, nachzusehen. Sie vermutete nun-

Määääääh.

Ein Problem hinter dem Mäh. Eines, das offenbar bisher unbemerkt schien. Es lag also an ihr, für das Wohlergehen zu sorgen. Das schwindende Licht kam ihr in den Sinn. Sie brauchte eine Taschenl-

Määääääh.

Endlich störte sich der kleine Kerl nicht mehr an dem Ruf des Schafs. Ruhig und gleichmäßig tief schnaufend lag er in ihren Armen und ließ sich wie Pudding vorsichtig zur Seite schieben. (Pudding? Könnten wir mal im Kühlschrank –

Määäääääääääääh mäh mäh mäh määäähääääh.

Sie zog sich trotz der milden Nacht eine Jacke über. In Kombination mit der kurzen Schlabberhose und den lila Gummistiefeln sah sie aus, als würde sie sich aus der Kleiderspende bedienen. (Ihre restliche Garderobe sprach auch keine Argumente FÜR sie aus.) Sie bemerkte nicht, wie wild sie gekleidet war, sondern hechtete in großen Schritten zur Weide. Die Taschenlampe hatte sie in der Eile vergessen, also musste ihre Telefonlampe herhalten. Die Schafe schienen ruhig und unbekümmert. Sie war verwirrt. Sie hatte doch eindeutig-

Määäääääääh

Da. Da war es wieder. Aber wo? Es war keines „ihrer“ Schäfchen. Sie schlich vorsichtig am Zaun entlang, um Unruhe zu vermeiden.

Mäh

Kläglich wehte es zu ihr herüber. Nun rannte sie beinahe und sprang mit einem Satz über den Bach (äh, so langsam wissen die Leute wo du wohnst… Hm klar. Ne Wiese mit Schafen und ’nem Bach dran. Wow. Präzise.)

Zu ihrer Überraschung landete sie in Brennnesseln. Autsch. Aber auch der kleine Zaun war neu. Ein halbhoher Elektrozaun knackte beharrlich in die Dunkelheit. Sie kniff die Augen zusammen. Irgendwo hier…

Und dann sah sie es. Eine Hand voll Ziegen stand dicht zusammengedrängt im Dickicht. Brennnesseln, Büsche, niedrig gewachsene Pflaumenbäume, die Natur schien die Herde genauso zu umarmen, wie sie ihren Sohn noch vor kurzem im Arm hielt. Schützend. Behutsam. Als sie sich näherte, stoben (stuben, stieben… wasn das überhaupt fürn Wort) die Ziegen auseinander. Alle bis auf zwei. Eine grauweiße, große Ziege hing mit ihrem Halsband nahe eines Baumstumpfs fest. Ihr Junges, mit schwarzen Tupfen, lag ebenfalls regungslos neben ihr. Määh.

Ein verzweifelter Ruf. Eine Mischung aus Panik und Hoffnung. Angstvolle, große Augen blickten dem grellen Lichtkegel entgegen.

„Wo zum Donnerwetter hängt ihr fest?“

Sie leuchtete die Umgebung ab. Von Meter zu Meter wurde sie wütender. Müll, Stricke, Tüten, Überreste von alten Zäunen, Latten, rostige Nägel und Scherben überall.

Die beiden Unglückszicklein hatten sich in Draht und Kabeln, einem Überrest Stromnetz und einem Gewirr aus dünnen Dachlatten verfangen. Der Versuch, sich zu befreien, ging nach hinten los. Ein unnachgiebiges Kabel zog sich durch ihr wildes Zappeln Stück für Stück zu und strangulierte die Mama-Ziege. Sie atmete flach und angestrengt.

Määääääh. Klagte ihr Junges.

Ihr Kopf ratterte auf Hochtouren. Sie schaltete die Lampe aus und wählte im Dunkeln die Festnetznummer ihres Zuhauses. Das Klingeln würde zu 70% ihr Kind wecken, aber alleine würde sie die scheuen Tiere nicht befreien können.

„Mama, zieh Gummistiefel an, hol ne Taschenlampe und ne Zange, spring beim Steinübergang übern Bach und bring Jodlösung mit.“

Ohne Gegenfrage legte ihre Mutter auf. Sie kannte die Tonlage und wusste, das war kein Spass.

Während sie auf Verstärkung wartete, streichelte sie die kleine Ziege, die sie so verzweifelt gerufen hatte und suchte gleichzeitig nach dem Stromverteiler am Zaun. Das Zämmchen (Lämmchen, aber eben einer Ziege, ist klar oder?) stand blöd und bekam mit jedem „Knack“ einen Schlag versetzt. Tränen der Wut und des Mitleids rannten über ihre Wangen. Für ihre Ungeduld und ihren Zorn über die Hilfe rufende kleine Ziege schämte sie sich nun in Grund und Boden.

Ihre Mutter kam gerannt und sie rief ihr von weiten entgegen: „Menschen sind widerlich. Du kannst über den Zaun klettern, den Strom habe ich aus gestellt.“

Gemeinsam schnitten sie die Ziegen Stück für Stück aus ihrem drahtigen Gefängnis, beruhigten, streichelten und schimpften über den Müll um die Wette. Alles, was im Licht aufblitze, räumten sie grob bei Seite, reinigten, so gut es ging, die Verletzungen und beobachteten die Atmung. Beide standen ruhig beieinander, beide zitterten. Auch die Ziegen.

„Wenn sie die Nacht packen, wirds was. Mehr können wir nicht tun.“
Das Urteil ihrer Mutter gefiel ihr nicht, aber sie wusste, sie hatte Recht.

Mit wild pochenden Herzen gingen sie zurück nach Hause. Irgendjemand hatte seine Tiere heimlich im Müll geparkt und sie dort unbeaufsichtigt und ohne Wasser stehen lassen. Sie überlegten, das Ordnungsamt zu rufen, wussten jedoch, wirklich was erreichen würden sie nicht.

Immerhin standen am nächsten Morgen alle Ziegen auf ihren Beinen, meckerten freundlich, als sie die Brottüte erblickten und sprangen mutig auf sie zu. Nach 45 min Entrümpeln hatte die Herde einen sicheren Auslauf und Platz zum Abfressen des kargen Schattenplätzchens.

Und die Moral von der Geschicht: Nicht wütend werden, wenn ein Tier im Dunkeln ruft, meistens hat es dann ein Problem. Und: Werft bitte keinen Müll umher.

PS: Bitte esst auch keine Oster Zämmchen. Es gibt schönere Bräuche zum heutigen Tag. Danke und friedliche Ostern euch Lieben ♡


© 2020 hollingtonsmum

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Es geht nicht um Sex

#mimimi

Es geht nicht um Sex.
Nein, wirklich nicht.
Obwohl… geht es nicht immer um S-

Noch mal von vorn.

Es geht nicht um Sex (man stelle sich vor, wie ich [Du musst unbedingt das nachträgliche Einfügen des Wortes ‚ich‘ erwähnen!] versuche schneller zu tippen, als mein weirdes Hirn mich unterbrechen kann), denn dann ginge es wohl auch um Gef-

Es ist wie mit diesem verdammichten Reißverschluss. Nein, nicht der, der vom Rucksack.
Der hat sich nämlich auf einer Seite so schön verklemmt, dass ich meinen Rucksack nicht mehr wie gewohnt öffnen kann. Man möchte meinen, das sei ein vergleichsweise harmloses Problem. Und man (wer auch immer das sein mag) hat damit möglicherweise sogar recht.

Mich nervt aber diese Umstellung. Als ob ich nicht auch ohne verklemmten Reißverschluss schon genug Anlässe zum Jammern fände. Zum Beispiel darüber, dass es ja gar nicht um Sex gehen kann, wenn selbst der Reißverschluss verklemmt ist. Verkemmt!

Ja, krieg Dich wieder ein.

Mich wieder einkriegen, pah! Ich fange gerade erst an. So. So!!!
Die Schulter. Rechts die. Schmerzt. Unangenehm! Ich war beim Arzt, zum Röntgen und im MRT, und das bei meinen klaustrophobischen-

Du hast es überlebt, oder?

…und dann hab‘ ich ‘ne Spritze bekommen. In die Schulter! Muss man sich mal vorstellen. Cortison oder so hat der da reingepumpt. Nicht jedoch, ohne mir vorher mit ausreichend Abschätzigkeit ob meiner Frage nach möglichen Nebenwirkungen mit einer Gegenfrage zu vergewissern, dass er von Informed Consent nie etwas gehört zu haben und deshalb auch nichts zu halten scheint.

Du hast die Zeitformen durcheinander gebracht.

Was?

Du hast die Zeitformen durcheinander gebracht. Erst erzählst vom Arztbesuch in der Vergangenheit, einen Satz später benutzt Du Gegenwart.

Ey, lass mich, Hirn!

Gleich. Ich möchte nur die Gelegenheit nutzen, Dich darauf hinzuweisen, dass Du den Erzählstil von hollingtonsmum kopierst.

Hng?

Du hast mich schon verstanden. Ganz billig, mein Freund. Ganz billig!

Hm, nicht das einzige, was mich als

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Er will damit Cursorblinken darstellen.

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Ich glaube, die Leute haben es verstanden.

Mir ist aber noch keine adäquate Form der Selbstbeschimpfung eingefallen, die meiner momentanen Gefühlslage auch nur ein bisschen ähnelt.

Rotwein?

Oh ja, bitte!

Du trinkst zu viel.

Ich weiß…

Jetzt grübel nicht ewig, schreib weiter! Die Leute haben nicht ewig Zeit und Lust, Dein Mimimi zu ertragen.

Na ja, eine Leserin hat mir immerhin was via PayPal geschickt! Worüber ich mich echt gefreut habe. Ganz so schlimm kann es ja also nicht sein, oder?

Wie hat sie Dir was geschickt?

Na, via PayPal! Ich hab’ doch auf der Startseite so einen Button platziert, damit die Leute-

Das habe ich schon verstanden. Ich möchte aber wissen, wie Du es ausprichst.

Na [ˈpeɪˌpæl]. Ich weiß, die Leute sagen immer [ˈpeɪˌ pɔːl], aber es ist der „Bezahl Freund“ und nicht der „Bezahl Paul“.

Klugscheißer kann keiner leiden.

Popularity Contests will ich schon lange nicht mehr gewinnen.

Touché.


Jedenfalls kann ich mich zurzeit nicht leiden.
Klar, alle haben irgendwie gerade zu knuppern, aber ich kann zusehen, wie ich von Tag zu Tag unausstehlicher werde.

Deswegen geht es ja auch nicht um S-

Hahaha-sehrwitzig-washabenwir-gelacht.
Nein, mal ernsthaft jetzt. Mir macht diese Social Distancing Sache doch mehr Schwierigkeiten als gedacht. Nicht, weil mir so viele Menschen feh-

Und da bin ich schon wieder Arschloch. Ja, Arschloch! Böses Wort, aber so ist es nunmal. Erst habe ich Peter unnötig barsch angeblafft, dann meine Nachbarin ihrer Musik beraubt und jetzt stoße ich noch die paar Leute vor den Kopf, die mich nicht ganz unerträglich finden.

Moment. Du hast Deine Nachbarin ihrer Musik beraubt? Wie muss mich das denn vorstellen, Du hast ihren Spotify Account gehackt und gelöscht?

Nix da „Spotify“, schön live und alles!
Ich kam da halt vom Laufen und war noch nicht so richtig fertig mit Gedanken sortieren und so. Was für mich bedeutete, noch weiter sortieren und keine Ablenkung durch Netflix, Instagram oder eben Musik hören ertragen zu wollen. Auch nicht aus der Nachbarwohnung.

Ah, stimmt. Aus der kommt ja meist so Bummborr-Beat oder nachts ER-TEH-ELL-TSWAI-VerdummungsfernsehPisseKackeSchei-

Wenn ich mich kurz unterbrechen… darf… wie schräg ist das denn?

Die Selbstunterbrechung?

Ja! Ein bisschen hat mich der in meinem Kopf gerade abgelaufene Prozess ja doch…

Verstört?

Ähm…
Weshalb ich Dich unterbrach: Es geht nicht um Lärm aus der Wohnung neben meiner, sondern um mich störende Beschallung aus der Wohnung unter mir. Mann, Mann, Mann, ich komme mir so dermaßen alman vor. Am helllichten Tag bei Frau OmmaÜberAchtzig klingeln und um leisere Musik zu bitten! Can ANYONE just shoot me?

Why? Und warum plötzlich English? Egal, pass mal auf: Es ist ja sehr schön, dass der Sohn von Frau OmmaÜberAchtzig ihr ab und zu was vorspielt, aber wie hättest Du das wissen können? Er spielt verdammt nochmal IMMER DASSELBE Stück „Rennsteig meets Alm-Öhi“! Auf einem Akkordeon!

Ich hab‘ echt gedacht, das sei eine CD oder so und man könnte der OmmaÜberAchtzig vielleicht begreiflich machen, dass man den… Quark (es tut mir leid, ich kann es nicht freundlicher benennen) leiser stellen könnte. Aber „Rennsteig meets Alm-Öhi“ kennt nur Lautstärke 11. Auf einer Skala, die bis 10 geht.

Außerdem hassen wir Akkordeon.

Na ja, „hassen“ ist jetzt vielleicht ein sehr endgültiger Begriff. Tango Nuevo oder auch diverses Jazz-Gedöns aufm Akkordeon sind schon ok.

Ok, Schuldgefühle gegenüber der OmmaÜberAchtzig. Haken dran, wir haben den Unsinn schon seit drei Jahren regelmäßig auf den Ohren. Da darf man doch wohl einmal almanen. What next?

Hallo?
Wo steckt der Kerl?

.
.
.

Sorry! War nur kurz Eis essen. Soll super für die Figur sein. Hab‘ ich gehört…

Während Du Dir den Wanst vollgeschlagen hast, habe ich noch ein bisschen über unser „formelles Problem“ nachgedacht.

Über was?

Das Problem mit der Form dieser BlockpostTM. Meinst Du nicht, wir sollten hollingtonsmum mal fragen, ob sie damit einverstanden ist, dass wir ihren Schreibstil borgen?

Ok, klar. Nicht, dass wir hier des Plagiats oder so bezichtigt werden. Ähm…

hollingtonsmum? Hast Du kurz Zeit?

Wenn ja, vielleicht kannst Du Dich ja kurz hier reinlesen und folgende Frage beantworten:

Bist Du damit einverstanden, dass mein Hirn und ich unsere Unterhaltung in Anlehnung an Deinen Schreibstil hier so… na ja… Du weißt schon…

Dürfen wir?

Büüüütte!

Bei dem letzten „verklemmt“ fehlt ’n L. Abgesehen davon…
(Deine Omma im Haus bekommt Livemusik, wie schrecklich schön das ist!!!)

Ich habe nichts dagegen einzuwenden, auch mit Deinem Hirn direkt zu kommunizieren. Auch wenn es sehr oft „Klappe Alberts Hirn“ von mir zu hören bekommen hat in letzter Zeit.

Sei endlich mal nett zum kleinkünstler! Und gib mir Eis ab!!

Ähm, das Eis hat der feine Herr Kleinkünstler auch mir vorenthalten, just saying.

Ich übe mich mal lieber in Dankbarkeit für diese appatureTM Großzügigkeit, verehrte Schreibkollegin!
Sobald es wieder möglich ist, gebe ich Dir sehr gern Eis ab.

*Dieses MitmachanklickgedönsTM ist exklusiv für hollingtonsmum. Andere als ihre Antwort(en) werden geflissentlich… ignoriert.


Er nahm einen Schluck aus seiner Tasse und da, es war wieder passiert!
„Bäh“, sagte er gerade laut genug, um es nicht vor allen Anwesenden verbergen zu können.

„Was ist denn jetzt los?“, fragte unvermittelt das Hirn.

„Was soll schon sein, ich hab‘ mal wieder Kaffeekrümel im Mund. Jedes Mal beim ersten Schluck, ey…“

„Nein, nicht das. Das andere. Wie ist das denn passiert?“

„Was passiert?“, entgegnete er leicht amüsiert.

„Na das passiert!“, beschwerte sich das Hirn mit nun unverhohlenem Ärger in der nur für ihn hörbaren Stimme. „Der Wechsel der Erzählperspektive!“

„Hm?“

„Ich glaub, ich krich’s nich! Eben noch erzählen wir schön in ‚Ich- und Ich-Perspektive‘, haben sogar die Erlaubnis, es so wie Hollingtonsmum aufschreiben zu dürfen und da taucht mir nichts, dir nichts dieser auktoriale Erzähler auf.“

„Wer taucht auf?“, fragte er mit gespielter Unschuld.

„Ein auk-to-ri-a-ler- Erzähler!

„Ein was?“, stellte er sich dümmer, als es nötig war.

„Ein all-wis-sen-der Erzähler.“, rollte das Hirn mit seinen metaphorischen Augen.

„Dann sag das doch! Wolltest wohl wieder besonders intellektuell rüberkommen, was?“, grinste er dämlich nach innen.

„Warst Du das?“

„Hm?“

Du hast Dir das mit dem allwissenden Erähler ausgedacht, oder?“

„Yep.“

„Und jetzt kommst Du Dir wahrscheinlich unglaublich clever vor, was?“

„Na ja, so mittel. Ich musste bei Wikipedia nachschauen, wie man diese Erzählform nennt. Und ich bin nicht davon überzeugt, dass das alles so korrekt ist.“, gestand er sich selbst endlich ein.

„Kannste nicht andere Quellen checken, um Deine Erkenntnisse zu bestätigen oder widerlegen?“, schlug das Hirn ein logisches Vorgehen… vor.

„Nö.“

„Zu faul.“, ergänzte er erklärend, nach dem er merkte, dass Hirn sich mit „Nö“ nicht abspeisen ließ.

„Weißt Du was richtig krass ist?“

„Ich will es zwar nicht wissen, aber Du wirst es mir trotzdem sagen, oder?“

„Der auktoriale Erzähler entwickelt plötzlich eine Art Handlungsbewusstsein. Eben hat er bei ‚schlug das Hirn ein logisches Vorgehen… vor‘ seinen Ausdruck, sein Denken hinterfragt. Meta, oder?“

„Alter, Dein Hirn möchte ich lieber nicht kennenlern-“

Sie starrten einander an. Wie ein Blitz traf sie die Erkenntnis. Eine Erkenntnis, die die Welt verändern würde und
Puffff…! war er weg der auktoriale Erzähler, glaubt mir!


Nun ja, endlich Zeit, mich mit den eigentlichen Themen der heutigen Blockpost zu befassen.
Und ich muss mit einer Warnung beginnen („beginnen“, nach knapp 1500 Wörtern!), aber eventuell zieht hier gleich der Wind des Frusts durch diese Zeilen.

Ich spreche natürlich von „Home Office“. Oder „Homeoffice“, „Home-Office“? Ach, was weiß denn ich!

Mein Problem mit Home-Office ist vielschichtig. Es geht schon beim Begriff los. Ich will verdammt nochmal nicht das Office im Home haben oder im Office at Home sein. Es hat immerhin ein paar Jahre gedauert um zu beginnen zu begreifen, es gibt wichtigeres als Office aka Arbeit. Und jetzt soll ich die dauernd mit nach Hause nehmen?

Vielleicht ist es auch dieses verkrampfte Normalität-aufrechterhalten-obwohl-es-eigentlich-nicht-geht, was mich so nervt. Theaterspielen und Stückproben sind zurzeit nicht möglich. Aber ich bekomme das Gefühl, dass alle jetzt nicht nur was im Internet machen, Konzerte, Lesungen, Tralalaa, sondern dass man unbedingt mitmachen muss. Für die Fans, das Publikum, damit sie ein bisschen Kultur haben in diesen schweren Zeiten.

Und dann noch die ganzen digitalen Probenformate: Hier eine Aufgabe für die Jugendgruppe X, da ein Online-Meeting von Gruppe Schlag-mich-doch-tot, der allgegenwärtige Performancedruck scheint sich wie die Ausbreitung eines… sagen wir ebenso allgegenwärtigen Virus‘ exponentiell zu erhöhen und mir immer wieder vor Augen halten zu wollen:

Du kannst nicht genug, Du machst nicht genug, Du bist nicht genug.

Ich habe aber keine Lust auf kostenlose Daily Kleinkunst! Und habe dabei ein schlechtes Gewissen. Andere können das doch auch, denk mal an die, die in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Supermärkten-

STOP! Du weißt schon, wohin Dich diese Denkspirale führt, oder?

Nein. Wohin?

Alter! Deinen Sarkasmus kannste Dir mal schön sonst wohin stecken, …

Contenance, Hirn, möglicherweise lesen hier ja Minderjährige mit. Oder Geschwister!

Deswegen geht es ja auch nicht um Sex.

GesichtspauseTM.

Nun sag schon, was Du sagen wolltest.

Ich weiß es nicht mehr… vielleicht, dass Du Dich nicht so fertig machen solltest?

Ähm, nur mal so zur Info: Die (Selbst)Zweifel bringst Du immer an. Ich bin hier nur die Hülle, die Fassade, das Schaufenster, die Schnittstelle zur Real World und darf die Ergebnisse Deines verschrobenen Denkens…

…und Fühlens!

…die Ergebnisse Deines verschrobenen Denkens und Fühlens gegenüber der Welt da draußen verteidigen.

Aha. Jetzt schweigst Du also?

Was?

Die Entschuldigung…

Oh… die Entschuldigung. Ok, aber danach ist Schluss für heute, oder?

Ist vielleicht besser so. Es geht ja schließlich nicht um S-


Entschuldigung,

liebe Michelle!

Ich hatte nicht vor, Dich zu verletzen, habe es aber aus Feigheit und Angst vor der Konfrontation dennoch getan. Und dafür schäme ich mich.


Ähm… das ist jetzt schon so ein bisschen… willst Du echt so aufhören?

Äh, ja?!

Findest Du nicht, Du könntest ein etwas stimmungsaufgehellteres Ende für diese BlockpostTM finden?

Zum Beispiel…?

Ein HomeVideoMusikstückliveundunbearbeitetaufgenommen-Dingens?

Klappe, Alberts Hirn!



© 2020 albert sadebeck

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Hochsitz kommt vor dem Fall

Wer die Situation von aussen beobachtet, sieht eine junge Frau, die sich panisch an der Wand festkrallt und ein kleines Kind, das freudestrahlend von links nach rechts flitzt und „Mami da! Mami daaaa! Mamiiii dudd!!!“ ruft. „Mami“ lächelt verkrampft, den Mund starr zusammengepresst. Sie steht wie angewurzelt und bringt nur ab und zu ein ängstliches „Vorsicht!“ heraus. Was hatte sie sich nur dabei gedacht, mit dem Kind auf einen Hochsitz zu klettern? Sie hat verdammte Höhenangst. Das konnte jeder blinde Fussgänger am Zittern der sie stützenden Balken erfühlen, der zufällig durch die Pampa lief, in der sie unterwegs ist.

Sie war also mit ihrem Kind die wackelig zusammengezimmerte Holzleiter raufgeturnt. Schon auf der 3. Sprosse fingen ihre Knie an, Unbehagen anzumelden. Während das Kind flink wie ein Wiesel seine kurzen Beine höher und höher auf die Stufen stellte, zwang sie sich zu atmen und dicht hinter ihm zu bleiben. Als menschlicher Puffer, sollte es gleich ein hässliches Knacken und den darauf unvermeidbaren Sturz in die Tiefe geben. (5. Sprosse…)

Sie schluckte und hielt ihren Sprössling (wow, grandioses Wortspiel wenn man bedenkt, dass sie bebend vor Angst auf der letzten Sprosse hing) an, SOFORT zur Wand zu laufen. Solange, bis sie es gebacken bekam, ihren ungelenken Körper auf die mittlerweile dienstverweigernden Knie zu stellen. Und dann? Selber schnell an die Wand, aber hurtig. Festhalten. Die Illusion von Sicherheit. Was gäbe sie dafür, jetzt einfach bergeweise Wäsche waschen zu dürfen. Nie in ihrem Leben hatte sie sich mehr in das Bad zu ihrer Waschmaschine gesehnt.

Was machst du da?“ , schreit ihr Hirn sie an.

Ich überwinde meine Angst!

„Ach was?! Haste ’n Wechselschlüpper dabei, oder was?“

Klappe. Ich übe noch.

„Wieso lässt du so ’nen Quatsch nicht einfach?! Dann überleben wir vielleicht noch eine Weile. Oder willst du die Schuleinführung nicht sehen?“

Doch, Mann.

„Dann geh sofort weiter runter!“

Nein.

„Hä?!“

Ab und zu sollte man auch mal mutig sein.

Das Hirn schwieg eine Weile. Es dachte nach. Sätze wie „Glaub an dich. Du schaffst das.“ oder „Trau dich.“ hatte es immer schon für müde Motivationsfloskeln gehalten. Echter, urinstinkter Panik konnte man damit nicht ernsthaft begegnen. Dennoch hangelte sich der Körper, in dem es lebte, gerade an 3 Brettern in luftiger Höhe entlang.

„Welchem scheiss Kalenderblatt willsten du heute was beweisen?!“

Sie holte tief Luft. Mir selbst.

„Du bist toll. Jetzt schwing deinen Hintern zurück zum Boden.“

Nein.

„Nein?!!!! Du spinnst doch.“

Ein bisschen vielleicht.

„Kannste mir mal erklären was das soll?“

Sie streckte ihren Finger aus. Das begeisterte Kind war ihr Ziel. Er. Er sieht und beobachtet, spiegelt und lernt. Ständig werde ich gefragt wie ich ihn erziehe. Dabei muss ich das nicht. Er orientiert sich bewusst an mir.

„Ach, und du willst nicht das er so ne Memme wird wie du… alles klar.“

Halt deine Klappe….. ich versuche hier, mutig zu sein. Und ihn wie jedes normale Kind auf so ’nen scheiss Turm klettern zu lassen. Was soll ich ihm ständig sagen dass er Dinge schafft, wenn er es versucht, wenn ich selber nicht mal ne Leiter hoch klettere.

„Hm. Und wie kommt ihr da wieder runter?“

…Scheisse…

„Herzlichen Glückwunsch. Du darfst ihn dann wohl tragen. Bevor du mutig wirst, üb doch erstmal denken.“


P.S.

MitmachanklickgedönsTM

Falls sie noch oben sitzt…


© 2020 hollingtonsmum

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Krümel, Schokoladenpapier und … Fragen

Es ist Samstag und ich behalte die Uhr im Auge. Nicht, weil ich es besonders spannend fände wie die Zeiger sich immer gleich im Kreis drehen, eher, weil sie mir – nach endlos langen Überlegungen – zeigen, wie lange ich noch habe bevor ich das Auto irgendwo abstellen muss, um die neue BlockpostTM zu lesen. Für 15 Uhr war sie angekündigt, ich konnte meine Route aber nicht vor oder nach den Nachmittag schieben und muss die Fahrt daher nun unterbrechen. Pausen tun dem Hirn ja sowieso gut. 7 Minuten… ich versuche zu berechnen wie viele Kilometer ich bei 130 km/h in 7 Minuten komme und ob der ausgeschriebene Parkplatz in Reichweite liegt, oder vielleicht noch einer drin wäre…

… ich verdrehe die Augen, setze den Blinker und fahre auf den Rastplatz… was weiß ich, wieviel 7 Minuten sind.


Schätzt mal!*

(Taschenrechner benutzen ist laaaaangweilig!)

*) Zwischenbemerkung des kleinkünstlers


Da ist sie also. Die neue BlockpostTM. Ein neues Stück Gedankenwelt, Hirngespinste, Seelenfarbenspiel (ok, das war FellbällchenkotzigTM) des Herrn Kleinkünstlers, der so gern mit dem Kopfkino seiner Leser spielt, Wörter verdreht und Zeitformen genutzt gehabt haben werden kann. Ich überfliege die Einleitung und möchte direkt like drücken:

Seid keine Nazis! Wählt keine Nazis! Unterstützt keine Nazis! Wählt keine Unterstützer von Nazis! Unterstützt keine Wähler von Nazis! Lasst Euch nicht von Nazis unterstützen!

Helft Menschen in Not, auch wenn sie Nazis sind und/oder unterstützen! *

*) Das ist nämlich höchst appaturTM! 🙃

What he said!!! ☝🏻


Ich lese, nicke, schmunzle, fühle mich angesprochen, finde ich nehme mich zu wichtig, rätsle noch so vor mich hin, als plötzlich ein eindeutiges: Hallo! Geht an dich! Im Text steht.

Das Wort Türstopper springt mich an. Es leuchtet förmlich aus dem Textblock heraus und zeigt mit dem digitalen Finger auf mich: ha, damit hat er dich gemeint!

„Wozu braucht man Türstopper eigentlich wirklich“

Ich lasse mein Telefon sinken. Schaue mich langsam um. Ein Auto voller Krümel, Schokoladenpapier und Fragen. WOZU tja Herr Kleinkünstler. Hier der Versuch einer Antwort.


Türstopper also.

Jeder kennt sie, jeder hat sie mal gesehen, viele besitzen sie, der ein oder andere ist vielleicht schonmal über einen gestolpert.

Sie sind praktisch, sie sind unauffällig und sie sind günstig. Es gibt sie in verschiedenen Formen und Farben. Es gibt die schweren kleinen Metall Zylinder, die die Türen davon abhalten gegen die Wand zu donnern. Oder aber die kleineren Varianten die an der Wand kleben. Weiße Halbkreise, die unermüdlich die Türklinken abfangen.

Scheint erstmal logisch. Zweckentfremdete Helferlein, die man nebenbei in der Wohnung verteilt, vielleicht ungeliebte Figuren oder Stehrümmchen, die man emotional noch nicht loslassen kann, die aber eben auch zu hässlich für die Vitrinen sind. Oder es hängen Erwartungen daran. Wenn Tante Anne-Liese zu Besuch kommt und das Geschenk nicht im Sichtfeld steht, entstehen sonst unschöne Situationen und das Erbe gerät in Gefahr. So mancher Türstopper wandert also unfreiwillig in den Besitz über. Und dann gewöhnt man sich daran. Man tritt kontinuierlich davor, oder läuft routiniert jeden Morgen verschlafen dran vorbei und nickt ihm beiläufig, halb genervt, halb anerkennend zu. Immerhin hält er die Tür kommentarlos in Position. Die Wand, die Tür, das Schloss… alles zuknallsicher.

Die Wohnung ist dann ebenfalls schön leise. Gepuffert. Keine störenden Geräusche, bei denen man zusammenzuckt oder aus dem Schlaf hochfährt, völlig verwirrt vom Tag(traum), unklar welches Jahrhundert gerade zu Ende geht.

Abgesehen vom rein praktischen Nutzen, ist es auch mental sehr angenehm, dieses Stück almane Sicherheit zum Schutze des Mobiliars zu haben. Man muss nicht aufmerksam jede Bewegung der Tür beobachten, kann sich darauf verlassen – der Türstopper bremst sie schon. Überschwingliche Ausrutscher Richtung Wand werden automatisch verhindert. Die Tür wird nie aus dem Rahmen fliegen solange sie dermaßen konstant abgestoppt wird. So pendelt sie im vorgegebenen Radius vor sich hin und her, erlebt nichts, erfährt keine Ausreißer aus der Routine, hängt gesichert umher.

Sicherheit. Man braucht Türstopper also für ein gewisses Maß an Sicherheit. Man kann sich hinter ihrer unscheinbaren Präsenz herrlich ausruhen und so tun als hätte man alles im Griff. Gerade die Tür wähnt sich gern in Kontrolle, hängt der Griff doch an ihr. Solange sie sich auf Altbewährtes verlassen kann, es klare Strukturen gibt und die Wand in sicherer Entfernung wohnt, schwingt alles seinen Gang.

Was aber, wenn der Türstopper auf der anderen Seite steht und sie daran hindert ins Schloss zu fallen? Wenn er ihr sozusagen im Weg steht. (Sinnloses Verweilen im Dachgeschoss ausgeschlossen. Der Türstopper ermöglicht einen 2. Check, ob man die Schlüssel tatsächlich dabeihat.) Wenn die Tür dann plötzlich feststellt – das stört sie mehr, als es sie absichert. Wenn sie auf der Suche nach Lösungen sieht, dass es noch andere Arten Türen gibt, die keine Türstopper mehr brauchen. Was, wenn sie eine Schiebetür kennenlernt und begeistert ist von der Vorstellung, nie wieder mit diesem ohrenbetäubenden Knall zufallen zu müssen. Geschmeidiges hin und her gleiten. Elegant und appaturTM, eine Traumvorstellung von sich selbst als gelassene, in sich ruhende Variante der Raumteilung.

Wäre da nur nicht diese Angst, sich am Ende der Veränderung im Kreis zu drehen. Eine Drehtür. Puh, das wäre bitter. Oder zu fallen. Eine Falltür. Auch nicht die rosigste Aussicht. Nun also weiß sie nicht recht. Bleiben, wo sie hängt, mit den ihr vertrauten Aufgaben, gesichert und gleichzeitig blockiert vom Türstopper, der sie, so wie er auf der falschen Seite platziert ist, nicht mehr von der Wand, sondern vom Rahmen und somit von sich selbst fernhält. Oder suchen, was da noch in ihr schlummert. Sich schließen, um dann befreit und ohne Sicherung erneut dem Leben eine Öffnung zu gewähren. Ergebnis unklar.

Wie trifft man so eine Entscheidung? Wieviel Sicherheit braucht man im Leben? Was, wenn man doch gegen die Wand knallt?

Der Leser fragt sich gerade völlig zurecht, wie oft die Autorin wohl gegen die Wand geknallt sein mag, immerhin schwafelt sie von Türen mit Bewusstsein… dazu kann ich nur sagen: ich hatte diesen Türstopper rumstehen und ich habe mir mehrfach den kleinen Zeh daran gebrochen. Irgendwann habe ich versucht, etwas zu ändern und mich für die Plastikvariante entschieden, die den Griff bremsen soll. Zehsicherheit ging vor. Das diese Teile tatsächlich „Bumms“ in großer und „Bummsinchen“ in kleiner Form heißen hat mich immer sehr belustigt. Denn ausgerechnet dazu kann man sie offenbar nicht so gut verwenden….  irgendwann war ich so genervt, dass ich es gewagt habe den kleinen weißen Knubbel, der da nie wirklich hinpasste, von der Wand zu kratzen. Ein Rest Kleber wird dieses Stück Tapete wohl immer zieren. Es wird mich daran erinnern wie sehr ich an der Sicherheit hing, wie sehr ich mich für sie verbogen habe, wie sehr ich mich aufgab und in ihr verlor.

Und das bringt mich zum eigentlichen Sinn eines, meines! Türstoppers: er lässt mich überdenken wer ich bin, wo ich stehe, ob ich überhaupt stehe, gerade eher eine Schiebe- oder Drehtür bin und vor allem lehrt er mich, nicht grundlos ins Schloss zu donnern und mit diesem lauten Knall Personen zu verletzen, die nichts für meine Wut, meine Abweisungen und meine Unzufriedenheit können. Er lässt mich prüfen, ob ich zufrieden mit mir selbst bin, ob ich etwas ändern muss, um nicht mehr auf derart einengende Sicherheit angewiesen zu sein und fordert mich heraus, meiner Angst vor Ungewissem in den Hintern zu treten.

Türstopper also. Sie sind vielleicht doch nicht ganz so unwichtig, wie ich persönlich das gern hätte. Wenn ich jetzt in mein Auto steige, sehe ich all die Krümel und das Schokoladenpapier. Ich freue mich, dass es sie gibt, denn ohne den Türstopper hätte ich ein sauberes Auto und sehr viel weniger Fragen, die es zu beantworten gilt.

Dennoch werde ich nie wieder welche aufstellen oder ankleben. Soll sie doch zukrachen, die Tür. Hatte dann bestimmt einen guten Grund. Ich habe keine Angst mehr vor Kontrollverlust. Und wenn doch, schließe ich die Tür ganz bewusst.

Zusatz:

Ich entschuldige mich hiermit bei allen Türstoppern in meinem Leben. Es tut mir leid, dass ihr meine Launen, meine Abwesenheit, mein Schweigen und vor allem mein unreflektiertes Hin- und Herpendeln abfangen musstet. Der ein oder andere wurde wohl arg von mir zerdellt. (Über zerdellte Seelen soll es aber an dieser Stelle erstmal nicht gehen. Das übernimmt Alma dann mal).
Immerhin kann ich aber ruhigen Gewissens behaupten, nie vorsätzlich jemanden derart in die Wand gekloppt zu haben, dass es keine Rettung mehr für ihn gab.
In diesem Sinne:
Schwingt, dreht, fallt und schiebt euch gut durch die nächste Woche. Wir lesen uns dann hier.


© 2020 hollingtonsmum