[nichts_ist_kunst]

Eine der vielen Fragen, die (oder denen?) sich ein Künstler (KLEINKünstler!) so stellen muss, ist folgende: Was mache ich und worum geht’s?

Es ist ja wirklich schon alles gesagt, besungen, verfilmt und auf Bühnen dargeboten worden, was für den Menschen von heute interessant erscheinen könnte.
Altern, Fitness (und seine Anmutung als Wahn), Social Media, Beziehungen, Karriere, Generationsbefindlichkeiten, Sex, Gender Equality, Konsumverhalten, Politik…

Die Liste wäre durchaus fortzusetzen, gäbe es da nicht ein kleines Problem:
Sie wurde schon gemacht. Bestimmt!
Nicht, dass ich das überprüft und Belege vorzulegen hätte. Aber warum sollte ich mir die Mühe machen, das zu tun? Auch das hat garantiert schon irgendjemand vor mir gemacht. ALLES wurde schon gemacht.

Ich rede hier nicht von alltäglichen Dingen wie Essen, Trinken, Schlafen, Fortpflanzung und dem Wetterbericht.
Es geht um die alles entscheidende Frage „Was mache ich?!“.
Worüber schreibe, singe, was verfilme ich? Was verschafft mir als Kleinkünstler ein Alleinstellungsmerkmal?

Mein Aussehen?
Eindeutig nicht, was mir immerhin eine Karriere als Tänzer in irgendeiner Stripperbar erspart. Bisher…

Meine Stimme?
Find ich jetzt auch nicht sooo markant als dass ich mich als Sänger, Synchronsprecher oder Haltestellenansager in der Straßenbahn verdingen könnte.
Ja, okay, ich singe auch. Aber doch nur aus purer Verzweiflung, weil sonst diese virtuelle Bühne namens „Homepage“ oder „Website“ oder BlockpostamtTM (?) allzu dröge daherkäme und weil Ihr als „Publikum“ ja auch etwas Abwechslung erwartet.


Synchronsprecher war ich tatsächlich schon!
Für ein Mathelernprogramm.
Ja, richtig, ein Mathelernprogramm. Klassenstufe 7-12.
Ich hätte das gerne nicht gemacht, wegen langweilig und so, aber ich brauchte das Geld.

Nur für den Fall, dass Ihr Euch die Synchronisation eines Mathelernprogramms nicht vorstellen können gewollt haben würdet…

Die „Binomischen Formeln“, Variante 1

Problem:
Für die Vereinfachung von Termen ist ein Rechenvorteil gesucht.
Wir betrachten den folgenden Term:

(a+b) * (a+b)
= a * (a+b) + b * (a+b)
= a2 + a * b + b * a + b2
= a2 + 2ab + b2

Merke: (a+b) * (a+b) = a2 + 2ab + b2

Anwendung 1:

Gegeben ist der Term
(3 + x) * (3 + x) = 9 + 6x + x2
Durch Anwenden der vereinfachten Formel kann man sich Rechenschritte sparen.

Ob das Programm jemals fertig wurde und in den Verkauf ging, und das mit meiner Stimme, keine Ahnung. Das Lernprogramm für die Klassenstufe 5, für welches ich mal Musik geschrieben und produziert habe, das gibt (oder zumindest gab) es tatsächlich! Ob mit meinen oder ganz anderen Machwerken untermalt, entzieht sich allerdings ebenfalls meiner Kenntnis.


Haltestellenansager war ich noch nicht, aber was nicht ist kann ja noch werden. Allerdings sollten da für die neue Staffel mal ein paar andere Autoren ran. Immer nur Texte wie „Jahnstraße. Übergang zu den Linien 5 und 9. Bitte beachten Sie, dass der Bahnsteig nicht durchgängig erhöht ist.“, muss doch nicht sein!
Wer wissen will, welche Haltestelle als nächstes angefahren wird, kann sich doch ´ne App auf sein verkacktes SnobPhone laden und selbst nachschauen. #eigenverantwortung #mündigeBürgerInnen

Die Ansagen von Anschlüssen und Warnungen könnten im Übrigen auch mehr mit dem Real Life zu tun haben.
„Die 5 ist schon weg. Die 9 fährt zwar, aber woanders hin. Ist aber bei dem Sauwetter immer noch besser, als sich ´ne Erkältung einzufangen.“

Oder „Sowieso-Park. Is schön hier“, „Blablabla-Platz. Rollstuhlfahrer und andere Mobiltätseingeschränkte in Wagen 2 kommen hier leider nicht unfallfrei raus. Vielleicht beim nächsten Mal gleich in den richtigen Wagen einsteigen? Oder 1 andere Bahn nehmen?!“

Duh!

Hat der sich jetzt über Behinderte lustig gemacht? Buuuuh! Buuuuuuuuuh!
Aber über Nazis Witze machen ist ok, ja ja… Dabei können die sich noch viel weniger wehren.


Womit wir bei Satire angekommen sind. Gibt’s auch schon. Und ist echt schwer. Da muss man, glaube ich, richtig was können.

Vielen Dank an die „Neue Boheme“. Ich nenne die jetzt mal so, weil der „Digitalen Boheme“ schon durch einen anderen Kleinkünstler zu gewissem Ruhm verholfen wurde. „Vielen Dank!“, denn es ist schlichtweg unmöglich, mit einem kommunistischen Känguru konkurrieren zu wollen und dabei NICHT zu scheitern.
Einen gefaketen Stinkefinger zu faken kann man auch nur schwer toppen. Ich tröste mich damit, mit diesem Einwurf wenigstens „Jan Böhmermann“ in meinen Text einbauen zu können, auch wenn ich mit dieser Anmerkung den Ursprung des Textes als „im Jahr 2016 entstanden“ entlarve.Und ja, Namedropping ist ziemlich lame. Aber wenn’s hilft… ¯\_(ツ)_/¯

„Kathrin Bauerfeind“ zu sagen ist eventuell auch ganz hip, hat für mich aber einen bitteren Beigeschmack. Erstens schätzt sie mich nicht halb so sehr wie ich es umgekehrt tue. Was daran liegen könnte, dass auch sie noch nie von mir gehört hat. Und ja, das ist auch nur eine völlig ungerechtfertigte Eitelkeit und qualifiziert sich damit nicht als „Erstens“.

Aber musste Frau Bauerfeind mir ausgerechnet meinen letzten inhaltlichen Strohhalm entreißen, in dem sie über das Scheitern schreibt? Und auch noch so gut und witzig! Dabei ist das doch MEIN Fachgebiet! Und nicht genug, selbst das Scheitern am Scheitern hat sie in ihr Buch getackert! Was bleibt denn da für mich? „Scheitern am Scheitern zu scheitern“?!
So verzweifelt will ich dann doch nicht gewirkt gehabt haben werden.


Während selbst meine Kaffeetasse daran scheitert, ein schlichtes „Ich bin leer!“ auszustrahlen und damit irgendeine zuständige Person in diesem Café darauf aufmerksam zu machen, dass bei mir noch 3 Euro mehr zu verdienen wären, fasse ich einen Entschluss.

Ich mache… nichts.

Ja ja,ich weiß schon, was Ihr jetzt denkt. „Voll die neue Idee, machen Millionen von Arbeitslosen schon seit Ewigkeiten.“ und „Aufgrund der aktuellen Situation“ sowieso alle, aber mein Ansatz ist ein anderer.

Ich mache nichts als Künstler.

Kleinkünstler!

.

Ich sage nichts.

.

.

Ich singe nichts.

.

.

Ich schreibe nichts.

.

.

.

NICHTS ist Kunst.


© 2016-2020 albert sadebeck

2 Kommentare zu „[nichts_ist_kunst]

  1. In meinen Augen👀 (die das hier gelesenen in mein Hirn🧠 weitergeleitet haben)…
    Also in meinem Sinne ist es ein Genuss die „Kunst des Schreibens“ über das Nichts hier von Dir kunstvoll dargereicht zu bekommen 🥰

    Gefällt 1 Person

  2. Nun ja, darüber lässt sich nicht streiten. Denn das Nichts ist die höchste Kunst von allen. Hast du schon mal probiert an Nichts zu denken? Sicherlich! Ist es geglückt? Sicherlich Nicht! Kunst bleibt Kunst nackt und in Nichts verpackt. Wieder gute Denkanstöße geliefert. Sei bedankt 🙂

    Gefällt 1 Person

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