dreizehn geschichten – fünf (13/5)

13/5_(Die Mission)

Nur noch vereinzelt drang Licht aus den Fenstern nach draußen. Die schwer arbeitenden Menschen lagen in ihren Betten, träumten schwer arbeitende Träume. Die Straßenlaterne am Ende der Straße warf ein warmes Licht auf die Stille. Da war mitten auf der Straße so ein seltsames Gebilde. Erinnerte an ein 3D-Labyrinth. Ein aufmerksamer Fußgänger, der aber nicht da war, hätte die leise Bewegung bemerkt. Tasthaare sträubten sich, eine Nase schnupperte vorsichtig in alle Richtungen. Die Luft war rein. Langsam schob sich eine Ratte aus dem Schatten ins Licht, nur um dann wieder in den Schatten zu flüchten. Da fühlte sie sich einfach besser, sicherer. Sie hob die Ohren und lauschte. Aus der Ferne hörte man einen Eulenschrei und so blieb sie wachsam. Huschte an den Kanten entlang, knabberte an ein paar Brotkrümeln. Heute war eine besondere Nacht. Sie hatte viel vor und würde sich von ihrer vorsichtigen Art etwas distanzieren müssen. Langsam lief sie los, verließ das 3D-Labyrinth und stockte. Da war ein weißer Punkt auf dem Boden. Wie ein Irrlicht flirrte er hin und her. Sie konnte nicht widerstehen und folgte ihm. Instinktiv wusste sie, das war genau das, was sie tun musste. Der flirrende, helle Punkt führte sie die Straße entlang, ins Licht, dann plötzlich in den Schatten. Sie folgte und merkte schnell, dass sie gut daran tat. Immer wenn das Irrlicht sie in den Schatten führte, drohte Gefahr. So manche Straßenkatze streifte durch die Gegend.

So zogen sie durch den Ort und die Ratte fragte sich immer wieder, warum eigentlich. Natürlich ergatterte sie unterwegs immer wieder einen Happen und war ziemlich schnell rundum satt. Aber das Irrlicht wollte weiter und sie folgte.

So vergingen die Stunden und plötzlich sah die Ratte ein Licht am Himmel aufgehen. Es war die Sonne und sie war so mächtig, dass sie das Irrlicht verschlang. Erschrocken sah sich die Ratte um. Was war denn die Mission die sie zu erfüllen sich eingebildet hatte? Langsam dämmerte es ihr. Sie war tatsächlich einem Irrlicht aufgesessen. Ohne Sinn und ohne Verstand. Und jetzt wusste sie nicht einmal, wo sie war. Na gut, sie war eine Ratte und schneller als sich eine Einsicht bezüglich ihres Versagens in ihr breit machen konnte, erschnupperte sie einen sehr vertrauten Duft. Eine Rättin war in der Nähe. Und dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Natürlich, dies war doch die besondere Nacht und dies ihre Mission. Mit gesträubten Tasthaaren und aufgerichtetem Rattenschwanz, folgte sie dem unwiderstehlichen Duft.

von Pandorra Birdie Saralonde


13/5_(Mia)

Mia schreckte aus dem Schlaf.

Schweißgebadet setzte sie sich auf und überlegte. Irgendein Geräusch hatte sie geweckt. Sie stand auf und holte sich ein Glas Wasser. Sie nahm einen großen Schluck und blickte durch die Lamellen des Rollos. Es war ruhig auf dem Marktplatz. Ein Mann mit Hund lief unter der Laterne vorbei und sie betrachtete den Brunnen in der Mitte des Platzes.

Arbeiter hatten ihn abgeschaltet, es sprudelte nicht wie sonst. Das beruhigende Plätschern fehlte jetzt schon und sie hoffte, die Arbeiten würden schnell beendet sein.

Da! Da war es wieder, dieses Geräusch.

Sie versuchte etwas zu sehen – nichts – dort unten war niemand.

Sie nahm nochmal einen großen Schluck aus ihrem Glas und stellte es auf das Fensterbrett.

Wie gebannt starrte sie auf den Platz unter ihrem Fenster, in Erwartung ER würde jeden Moment dort unten erscheinen.

Dann war da wieder dieses Geräusch …

Sie drehte sich in eine andere Position, versuchte etwas mehr zu sehen und entdeckte zwei Jugendliche mit Skateboard.

Einer der beiden ließ sein Board immer wieder flippen und dabei entstand dieses Geräusch.

Jetzt, da sie wusste, um was es sich handelte, fühlte es sich an, als wäre ein riesiger Stein vom Herzen gefallen.

Irgendwie konnte sie immer noch nicht ganz fassen, dass ihr die Flucht aus ihrer schrecklichen Lage tatsächlich gelungen sein sollte, aber jetzt war sie schon ein paar Wochen hier und ER hatte sie nicht gefunden.

Sie nahm das Glas und leerte es mit einem Schluck und dann war da ein Geräusch, direkt hinter ihr. Vorsichtig drehte sie sich um.

Es war dunkel, kaum etwas zu sehen, aber diese große dunkle Silhouette konnte man nicht übersehen.

Ihre Hände wurden feucht, sie war nicht in der Lage sich zu bewegen.

„Hallo, Mia. Ich sagte dir doch, du kannst mir nicht entkommen.“

Das Glas rutschte aus ihrer Hand und als es den Boden berührte, zerbarst es in tausend feucht schimmernde Scherben…

von Veronika Bärenfänger


13/5_(Ein Spieleabend)

Tja. Das war wohl nichts. Sie hatten es immerhin probiert. Aber was sollte sie hier noch retten. Ein Spieleabend hat offenbar schon etliche Familien entzweit. Sie hätte es also besser wissen können. Leider hatte sie sich trotzdem drauf eingelassen und konnte nicht über ihren Schatten springen. Ihr Ego erlaubte es nicht, ihren Bruder gewinnen zu lassen und sie zog den letzten Stein der ungefährlich im Jengaturm lag. Und nun betrachtete sie den Trümmerhaufen vor ihr ausgebreitet auf dem Tisch, aber auch familiär emotional. Ob er jemals wieder etwas mit ihr spielen würde?
Sie war sich nicht sicher.

von Moi


© 2020 albert sadebeck

2 Kommentare zu „dreizehn geschichten – fünf (13/5)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.