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Nebelbegegnung


Es klingelt.

Sie hebt ihren Blick vom Tisch.
Es klingelt erneut.

Die darauffolgende Stille ist beinahe greifbar.

Ein Klopfen an der Tür.

Sie legt ihren Kopf einige Millimeter schief.

„Hallo?“ ruft eine männliche Stimme von draußen.

„Hallo!“ antwortet sie freundlich, aber unbestimmt.

„Würden Sie bitte die Tür öffnen??“

Ein sehr genervtes Klopfen unterstreicht die Ungeduld in seiner Stimme.

„Warum?“

Sie ist sich WIRKLICH nicht sicher.

„Weil ich, wie postalisch angekündigt, Ihren Wasserstand ablesen muss.“

Schweigen.

Wasser brauchen die Pflanzen auch mal wieder. Ich sollte sie gleich gießen. Die Gießkanne war…

Längeres Schweigen.

Er entschließt sich, erneut zu klopfen.

„Herein!“, antwortet sie überrascht.

„Sie müssen die Tür ÖFFNEN!!!“

Himmelarschundzwirn“, denkt er sich. Für so einen Quatsch hat er an diesem Nachmittag keine Zeit.

Langsam bahnt sie sich ihren Weg durch gestapelte Post, tropfnasse Blumentöpfe und ein paar Backsteine, die sie von ihrem letzten Spaziergang mitgebracht hat. Wofür fällt ihr gerade nicht ein.

Was für ein schöner Flur. Wer hier wohl wohnt?

Das erboste Klopfen reißt sie aus ihren Gedanken.

Was war das?? Erschrocken blickt sie sich um. Vielleicht ist sie nicht allein? Die Angst weicht mehr und mehr ihrer Wut. Wut über die Unfähigkeit sich zu erinnern, sich zu orientieren. Warum nur weiß sie nicht, ob sie gerade allein ist?

„Lassen Sie mich jetzt meine Arbeit machen, oder soll ich gehen?“

Ah, da ist jemand an der Tür. Zielstrebig steuert sie auf die Türklinke zu, entschlossen, diesmal nicht zu versagen.

„Wo ist denn die Wasseruhr?“, fragt er mürrisch beim Eintreten…

Etwas unwohl wird ihm bei dem Anblick der seltsam gestalteten Diele. Nichts liegt an Orten, die dafür vorgesehen sind. Eine Zahnbürste hängt am Schlüsselbrett, statt Schuhen liegen Steine verschiedener Größen im Schuhschrank. Ein hellgelber Bademantel hängt in der Garderobe. Wie kann man so chaotisch leben?

Die Stille, in der er sich umsieht, wird ihr unangenehm.

„Möchtest Du Kuchen?“ Mit großen Augen blickt sie den Fremden im Blaumann an.

„Ehm… nein, ich möchte viel lieber die Zähler ablesen. Wo ist denn Ihr Bad?“

Langsam dämmert ihm, dass er es hier mit keiner normalen Omavonnebenan zu tun hat. Seine Uhr vibriert, er hätte bereits jetzt zum nächsten Haushalt gemusst. So würde das wohl nichts werden.

„Wo ist denn Ihre Toilette?“, wiederholt er seine Frage mit anderem Wortlaut.

Sie nestelt mit ihren Fingern aufgeregt an ihrem lila Überjäckchen.

Das sollte ich sicher wissen? Er schaut als müsste ich die Antwort kennen.

Sie wird traurig ob ihrer Unwissenheit. Sie kann es nicht. Sie kann sich nicht erinnern, wo ihr Bad ist.

„Ich wohne hier nicht.“, erklärt sie sich selbst und dem Mann, um ihre Unfähigkeit, den Weg zu beschreiben, zu rechtfertigen.

„Es gibt hier kein Bad.“, schießt sie vorsichtshalber hinterher.

 Ungläubig legt er seine Stirn in Falten.

„Oh oookay?! Darf ich mich mal umsehen?“, fragt er.

Mit einem Schritt zur Seite gibt sie den Blick in die Wohnung frei. Er öffnet behutsam zwei Türen, bis er das Bad vor sich hat.

Ausgeblichene Klebezettel „nicht öffnen“ am Fenstergriff, „Vorsicht heiß“ am Föhn, und viele mehr solcher Erinnerungsbrücken, vorsortierte Wäschepakete mit den jeweiligen Wochentagen beschriftet, diverse Tablettendöschen, aber auch Bücher in der Badewanne… all das leuchtet dem Monteur mehr oder weniger ein. Eines jedoch versteht er beim besten Willen nicht…

„Warum haben Sie den Spiegel über Ihrem Waschbecken verhangen?“

Panisch blickt sie sich um.

„Da wohnt eine alte Frau“, erklärt sie.

„In Ihrem Spiegel??“ Verwirrt muss er kurz darüber nachdenken.

Sein Telefon klingelt. Ein blechernes CherryCherryLady ertönt im Bad. Sie beginnt zur Melodie zu schunkeln,

 während er das Gespräch annimmt.

„Ja. Jaja, ich weiß. Nein, ich schaffe die Route heute nicht. Es ist etwas dazwischengekommen.
… Ja, hänge ich hinten dran. Ja. Ok.“

„Jakob mag Musik sehr. Und was können wir tanzen!“, erzählt sie gerade dem Duschkopf, als er sie mit Telefon am Ohr aus den Augenwinkeln beobachtet.

„Wenn er gleich vom Einkauf zurückkommt, schwingen wir mal wieder ein flottes Bein.“ Sie kichert vergnügt.

Er legt auf und bereut keine Sekunde, die anderen Termine vernachlässigt zu haben.

„Möchtest Du Kuchen?“ Fragt sie erneut. Er nickt diesmal.

Wie er am Tisch der vergesslichen Dame sitzt, lächelt er zum ersten Mal seit Tagen wieder. Mal belustigt ihn der neue Name, den sie ihm verpasst, mal die Kleinigkeiten, die ihr aus ihrem Leben plötzlich einfallen. Er beobachtet, wie sie auf dem Weg zum Wasserkocher vergisst, dass sie Kaffee kochen wollte und stattdessen ein Weilchen in sich gekehrt vor sich hinstarrt. Die Küche riecht nach Zimt und Rosmarin. Eine grausige Mischung in seiner Nase. Dennoch schmeckt der tiefgefrorene Käsekuchen, den sie serviert. Etwas sperrig liegt der Klumpen unaufgetautes Gebäck in seinem Mund, ähnlich wie die Konversation, die durch fehlende Handlungsstränge nicht in Gang kommt. Immer wieder bricht sie mitten im Satz die Antworten ab. Und sie möchte oft frühstücken.

Er hilft ihr beim Frühstück um 14.30 Uhr und auch eine Stunde später um 15.30 Uhr deckt er, ohne zu murren, die Marmelade zur Butter auf den Tisch. So oft hat er noch nie an einem Tag gefrühstückt. Sie freut sich zu wissen, dass man am Morgen Marmelade isst und genießt ihren Triumph über die Hilflosigkeit.

„Und Jakob ist einkaufen?“ Verwundert nimmt er zur Kenntnis, dass seit dieser Aussage bereits 3 Stunden vergangen sind.

„Ja“, versichert sie beinah bockig.

Sein Plan zu warten, bis Jakob zurückkommt, löst sich Sekunde für Sekunde in Luft auf. Nachdem er den Nachmittag damit verbracht hat, der Frau beim Vergessen zuzusehen, ärgert er sich ein bisschen über sich selbst. Er hätte wissen sollen, dass es keine Garantie für einen einkaufenden Jakob gibt. Dennoch bringt er es nicht übers Herz, die Frau unbeaufsichtigt ihrer Welt zu überlassen.

Seine Gegenwart schien die Einsamkeit der Frau nicht zu lindern, im Gegenteil. Sie vergisst zwischen den Gesprächsfetzen, dass sie sich in Gesellschaft befindet und erschrickt, wenn sie aufsieht. Oder er kann beobachten, wie sie fieberhaft ihr Hirn nach möglichen Gründen für den Mann am Tisch gegenüber durchsucht. Gefangen in einer Welt ohne Uhrzeit, ohne Logik oder intakte Erinnerungen, schluckt sie ab und zu verunsichert. Sollte ich den kennen? Er kocht ihnen eine Kanne Fencheltee und stellt sie zwischen sich auf den Tisch.

Plötzlich dreht sich ein Schlüssel in der Tür.

„Hallo Mama, ich bin zurück. Der Arzt hatte wieder unmögliche Wartezeiten aber…“

Ihre Tochter erschrickt bei seinem Anblick, um sich dann ausgiebig zu entschuldigen. Sie habe vergessen, dass der Termin heute sei. Schön, dass er dennoch die Zähler abgelesen habe.

Gelangweilt bläst die verstaubte Heizung Trübsal in die Luft. Mit aller Kraft zerrt die alte Frau an verblichenen Erinnerungen und kippt Fencheltee neben ihre Tasse. Während andere Menschen ihres Alters eigene Momente und Personen wie Wolken am Himmel beobachten, hängen ihre Lebensmomente fest am Boden verhakt, weigern sich zu fliegen. Statt fröhliche Wattewölkchen nur Nebelbegegnungen. Emotionen, die sich im Dunst verstecken, nichts als Schwaden. Unsicherheit, Fehler zu begehen, die ihr selbst nicht mehr auffallen. Andere zu verletzen mit Nichtgewusstem. Verloren in den Lücken ihrer Sinne.

Meine Tochter hat sicher einen schönen Namen. Welcher es wohl ist… fragt sie sich, beinahe beiläufig, um im nächsten Moment den Gedanken vergessen zu haben.

„Und Mutter, hast Du Dich gut unterhalten?“

„Mit wem?“

„Na, mit dem Mann vom Wasserwerk.“

„Hier war kein Mann. Aber die Blumen, die brauchen Wasser.“

„Nein Mutter, die Blumen haben wir erst vorhin gegossen. Aber Besuch, den hattest Du.“

„Nein. Hier war nur Nebel“

„In der Küche?“

„In meinem Kopf.“

„Ich geh dann mal“, flüstert er vorsichtig. „Grüßen Sie Jakob.“

Der Blick der jungen Frau wird traurig.

„Oh, das wird nicht möglich sein. Mein Vater ist vor 2 Jahren gestorben.“

Verdammt, diese Möglichkeit hatte er nicht in Betracht gezogen.

„Das tut mir sehr leid, ich dachte… Ihre Mutter…“

„Ist er wieder einkaufen?“, unterbricht sie ihn mit einem erschöpften Lächeln.

„Ja…“

Er denkt kurz nach.

„Wie schaffen Sie das?“

„Sie ist meine Mutter.“

Draußen nimmt er sein Telefon und wählt hastig.

„Hallo Mama, ich musste gerade an Dich denken… Nein, wirklich nur mal so! Wie geht es Dir?“


© 2021 hollingtonsmum

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Das Chancenlos™


Alles auf einmal – das ist der Modus, in dem bei ihm häufiger als wirklich nötig Denkprozesse ablaufen. Oder wie nennt man das, wenn man dieses Drücken und Ziehen und Pumpen in der Herzgegend zu erklären sucht, das sich mit einer alles verschlingen wollenden Slo-Mo-Implosion in der Magengegend gepaart hat?

„Cry your heart out, it’ll clean your face“, säuselt ihm Adele in die Ohren.

“When you’re in doubt, go at your own pace”

Er hat keine Zeit für doubts und irgendeine Art von pace, die sich slow anfühlt oder ist oder scheint oder gar nicht existiert. Denn er hat das große Chancenlos™ gezogen. Und was ist es? Was?! Es ist eine Niete, na klar! Er ist chancenlos mit seinem Chancenlos™. Schade eigentlich. Aber so ist das eben mit Lotterien, entweder gewinnst du oder… nicht. Lose kennen kein „vielleicht“, auch wenn Chancenlose™ so tun als ob.

Alle haben wohl so ein Chancenlos™, welches sie mit ihrer Geburt ausgehändigt bekommen. Für manche ist es bestimmt auch cool, wirft es ihnen doch immer wieder Gelegenheiten, nein, Chancen (!) zu, die ihr Leben angenehmer machen (können). Beim Einkauf-mit-10-EUR-für-die-nächsten-7-Tage einen Zwanni finden zum Beispiel, oder ganz unverhofft den*die Traumpartner*in kennenlernen…
Die Sache, also dieses Chancenlos™, hat allerdings einen Haken: Es ist unzuverlässig. Meeega unzuverlässig. Die Chancen werden nämlich nicht nach einem nachvollziehbaren Muster oder Rhythmus verteilt (von „gerecht“ ganz zu schweigen), sondern totally random. Es ist die pure Willkür. Da passiert jahrelang nichts, und dann, so ohne jede Ahnung oder Vorwarnung, bekommt man so ein kleines Zettelchen zugest- … ne.
Man bekommt einen Medizinball an den Kopf geworfen und soll im Bruchteil einer Millisekunde die richtige Entscheidung treffen. Er ist schon damit überfordert, überhaupt eine Entscheidung zu treffen, und dann soll es auch noch „die richtige“ sein!
Fangen / Ducken / Gehirnerschütterung – was für grandiose Optionen!

Noch krasser an Chancenlosen™ ist das Timing, womit nicht der Zeitpunkt der … nennen wir es „Ziehung“ gemeint ist, sondern… die Gültigkeitsdauer. Manche Chancenlose™ gelten nur einen Augenblick, was die Entscheidungsfindung Fangen / Ducken / Gehirnerschütterung auf das absolut notwendige Minimum reduziert. Oder einem einfach die Entscheidung abnimmt, je nach dem. Andere Chancenlose™ wiederum haben eine absurd lange Gültigkeitsdauer, was sie deswegen aber nicht leichter zu handhaben machen muss. Denn der eigentliche Moment der Entscheidung bleibt genau das: ein Moment.


Sein Chancenlos™ gilt noch knapp zwei Wochen. Zwölf Tage, um genau zu sein. Doch woher weiß er, dass es eine Niete ist?
„Schonmal probiert, einen Medizinball zu fangen, der fünf Zentimeter vor Deiner Nase auftaucht?“, fragte er in die Leere, völlig ahnungslos, dass ihm ein allwissender Erzähler zuhört. Das Leben, das Schicksal, die Vorsehung oder, was er für viel plausibler hält, der Zufall, dieser kleine Schlawiner, hat ihm also eine Chancenlosziehung™ vor die Nase gesetzt, mit der er schlicht nicht umzugehen weiß. Ja, eine Ziehung im klassischen Sinne, da würde er… ne. Da würde er auch nicht bestehen, aus dem Alter ist er raus. Er ist in einem Alter, in dem man einem Medizinball höchstens dann ausweichen könnte, wenn der*die Werfer*in den Wurf zuvor unmissverständlich ankündigte.
„Ja, ja. Aber was steht denn nun auf seinem Chancenlos™?“, meint der allwissende Erzähler seine allmählich ungeduldig werdende Leser*innenschaft fragen zu hören?

KENN‘N-LERN‘N?!

„Okaaay… was kennenlernen?“

„…“

Wen kennenlernen?!“

„Hm?“

„Hm?!“


Passiert in eben unregelmäßigen Abständen (und nie, wenn er darauf vorbereitet wäre!), dass er mal jemanden trifft, den er interessant findet. Und mit „jemanden“ meint er „sie“ und in diesem Bruchteil dieses kleinstmöglichen Moments fliegt ihm die Sicherung um die metaphorischen Ohren, die normalerweise verhindert, dass er alles auf einmal denkt.
Es ist nicht gut, wenn er alles auf einmal denkt.
Es verbraucht zu viel Energie, wenn er alles auf einmal denkt.
Es ist völlig unnütz, alles auf einmal zu denken. Denn höchstens ein Teil eines Teils hypothetischer Szenarienentwurfsvorschlagsthesenversuche materialisiert sich auch nur als bloße Ahnung dessen was tatsächlich passiert gehabt haben worden hätte wollen. Oder doch „passiert gehabt haben hätte werden sollen“?

Was ist da nur passiert?

Nun, die Umstände, unter denen sie sich… hm, „trafen“ wäre übertrieben. „Begegneten“? Ja, „begegneten“ beschreibt es am besten. Diese Umstände waren nun also nicht dergestalt, dass Ort und Anlass der Begegnung zum direkten Kennenlernen gedacht seien. Ein typischer Zufall eben. Nur mit Termin. Also ganz anders eigentlich. Weil geplant. Aber ohne es gewusst zu haben. Egal.

Sie hatte gar nicht viel zu erzählen und er war auch nicht der Adressat des Gesagten. Aber ihre sparsam und wohlbedacht gesetzten Worte waren nicht nur klug, sondern auch von einer Klangfarbe, die…
Er ist sehr empfänglich für Sprache und den Klang der Stimme. Erregten die von ihr gewählten Worte seine Aufmerksamkeit und auch seine bewundernde Zustimmung, so empfand er die Wärme und Klarheit ihrer Stimme beinahe schon bezau-

„KENN‘N-LERN‘N?!“

… klatschte ihm unvermittelt irgendwer oder irgendwas, vermutlich einfach nur „das Leben“, dieses Chancenlos™ ins Gesicht. Schön ‘ne Backpfeife links, ‘ne Backpfeife rechts und…

Nööö… das war’s erstmal. Zwei Backpfeifen reichen ja auch für den Anfang.
Dachte er. Und irrte gewaltig, denn es gab noch eine dritte, und zwar in Form von Regeln:

1 Ort
1 Sekunde
1 Versuch

Und weil „drei“ eben nicht „aller guten Dinge“ sind, klebte die Terminplanung noch eine willkürliche Wartezeit von zwei Wochen (jetzt noch zwölf Tage) dran.

Er hatte sofort Fragen.

1) Warum?
2) Was?
3) Was?!
4) Aber… aber… wiesooo?!

Wie gut, dass er so ein selbstreflektierender Mensch ist. Blöd natürlich, dass er sich nicht als homogenes Ganzes sehen kann. So kommt bei all seiner Selbstreflektion eine aus tausenden und abertausenden Mosaiksteinchen bestehende Mehrfachreflexion heraus. Macht die Sache nicht unbedingt übersichtlicher. Allerdings erkannte er, geübt wie er ist, recht zügig „weil sie interessant ist“ als Antwort auf, vermutlich, die Frage nach dem „Was?“. Oder war es doch „Warum?“ oder gar „Was?!“, hm…
Jedenfalls, er wurde sofort von noch mehr Fragen gelöchert.

„Warum findest Du sie interessant? Du findest sie gut, oder? Findest Du sie schön? Willst Du was von ihr? Du willst sie heiraten und fünf Kinder?! WTF?!“

„Was zur Hölle…?“, dachte er, als versuchte einzuordnen, ob das wirklich seine Fragen waren oder er in vorrauseilendem und wohltrainiertem Selbstverteidigung-ohne-Angriff-Modus die von noch niemandem geäußerten Zweifel an der Ehrhaftigkeit seiner Motive zu entkräften suchte.

„Nicht daaa, Du Trottel! Das ist schließlich kein Speed-Dating-Abend! Einen anderen Ort gibt’s aber nicht. Sorry-not-sorry ¯\_()_/¯, heul‘ nicht, mehr als ‘ne Sekunde brauchste eh nich‘, um Dich bis aufs Hemd zu blamieren. Dafür brauchste also weder mehr Zeit noch mehr Gelegenheiten, savvy?“

Die nächste Gedankenwelle war nicht gerade ermutigend oder auch nur ansatzweise hilfreich bei dem Versuch, nun endlich herauszufinden, was da eigentlich mit ihm los war.

KENN‘N-LERN‘N?!

Auf gewisse Weise war ihm natürlich klar, dass er die ersten Symptome eines Crush zeigte. Oder es war einfach Neugier.

Was aber, wenn es doch ein Crush sein sollte? So ein Crush kann einen echt fertigmachen. Hence the name… Nun, noch kannte er sie zum Glück / leider / nicht überraschenderweise … nicht.

Ein Name schoss ihm durch den Kopf. Nicht ihrer, nein. Stattdessen:

„Adelinde!“

Wie gesagt, das war nicht ihr richtiger Name. Aber er dachte an „Adelinde“ und irgendwas mit „Rotwein zum Frühstück“ und auch wenn sie ganz anders hieß, „Vielleicht ist das Adeline?“, formte sich unvermittelt diese Frage in den Untiefen seiner Gedankenexplosion.

was macht sie froh / was macht sie traurig / mag sie regen / trinkt sie rotwein / isst sie eis / liebt sie tauben / hasst sie laubbläser / ah, sie hat ‘ne tochter / mütter sind die coolsten / können krasse sachen / oder mag sie lieber rum / wie steht sie zur frage der umverteilung von vermögen zum schutz von klima und zur herstellung von sozialem frieden

Gedankenexplosion (Auszug)

Sehr gut, noch knapp zwei Wochen (inzwischen nur noch elf Tage), dann wird ihn dieses Schwarze Loch an hypothetischen Gef- … realen Gedankenfetzen auf der anderen Seite ausspucken und dann darf er sich endlich entscheiden:

KENN‘N-LERN‘N?!

– Oder soll man es lassen?

Spricht er sie an oder… nicht?

Fangen / Ducken / Gehirnerschütterung

Wobei, der Vergleich mit dem Medizinball ist ein wenig unvollständig. Darts! Genau, es ist ein bisschen wie bei Darts. Er hat jetzt also knapp zwei Wochen (elf Tage), bis er ohne vorheriges Training einen Wurf auf die Dartscheibe hat und das Bulls-Eye treffen muss. Während ihm jemand einen Medizinball zugeworfen hat, der nur noch fünf Zentimeter von seiner Nase entfernt ist.

Er kann nur verlieren, das ist ihm klar. Schon allein deswegen, weil man mit einem Medizinball direkt vor der Nase die Dartscheibe nicht einmal unscharf sehen kann. Blind soll er also werfen. Toll. Genau diese Art von Herausforderung, die er so liebt. Dann fällt ihm ein, dass Schwarze Löcher nichts „auf der anderen Seite“ ausspucken. Sie haben keine „andere Seite“.

Cry your heart out, it’ll clean your face

Seine Handlungsoptionen scheinen… begrenzt. Was, wenn er einfach gar nichts macht?
Außer abwarten.

When you’re in doubt, go at your own-

Bum.

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(Gehirnerschütterung)


Alle Personen, Handlungen und Orte sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind unbeabsichtigt und rein zufällig. Keine Tiere kamen im Zusammenhang mit der Produktion dieser Blockpost™ zu Schaden. Der Kaffee ist kalt. Die Jalousien sind unten.


© 2021 albert sadebeck

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zwölf geschichten

Vorwort

I’m sorry…
weil ich erstens keinen neuen Text habe und secondly… ja, ich muss zugeben, I’m not okay.
Don’t even know when I will be.

Also habe ich (in höchstem Maße egoistisch) zwölf weitere Geschichten, nein – Fotos rausgesucht, auf dass Ihr mir Eure Geschichten dazu schickt.

Viel Spaß und vielen Dank fürs Anschauen, Mitmachen und noch immer appaturTM sein!


eins


zwei


drei


vier


fünf


sechs


sieben


acht


neun


zehn


elf


zwölf


Für Dich. 💔

#missyou


© 2020 albert sadebeck

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dreizehn geschichten – fünf (13/5)

13/5_(Die Mission)

Nur noch vereinzelt drang Licht aus den Fenstern nach draußen. Die schwer arbeitenden Menschen lagen in ihren Betten, träumten schwer arbeitende Träume. Die Straßenlaterne am Ende der Straße warf ein warmes Licht auf die Stille. Da war mitten auf der Straße so ein seltsames Gebilde. Erinnerte an ein 3D-Labyrinth. Ein aufmerksamer Fußgänger, der aber nicht da war, hätte die leise Bewegung bemerkt. Tasthaare sträubten sich, eine Nase schnupperte vorsichtig in alle Richtungen. Die Luft war rein. Langsam schob sich eine Ratte aus dem Schatten ins Licht, nur um dann wieder in den Schatten zu flüchten. Da fühlte sie sich einfach besser, sicherer. Sie hob die Ohren und lauschte. Aus der Ferne hörte man einen Eulenschrei und so blieb sie wachsam. Huschte an den Kanten entlang, knabberte an ein paar Brotkrümeln. Heute war eine besondere Nacht. Sie hatte viel vor und würde sich von ihrer vorsichtigen Art etwas distanzieren müssen. Langsam lief sie los, verließ das 3D-Labyrinth und stockte. Da war ein weißer Punkt auf dem Boden. Wie ein Irrlicht flirrte er hin und her. Sie konnte nicht widerstehen und folgte ihm. Instinktiv wusste sie, das war genau das, was sie tun musste. Der flirrende, helle Punkt führte sie die Straße entlang, ins Licht, dann plötzlich in den Schatten. Sie folgte und merkte schnell, dass sie gut daran tat. Immer wenn das Irrlicht sie in den Schatten führte, drohte Gefahr. So manche Straßenkatze streifte durch die Gegend.

So zogen sie durch den Ort und die Ratte fragte sich immer wieder, warum eigentlich. Natürlich ergatterte sie unterwegs immer wieder einen Happen und war ziemlich schnell rundum satt. Aber das Irrlicht wollte weiter und sie folgte.

So vergingen die Stunden und plötzlich sah die Ratte ein Licht am Himmel aufgehen. Es war die Sonne und sie war so mächtig, dass sie das Irrlicht verschlang. Erschrocken sah sich die Ratte um. Was war denn die Mission die sie zu erfüllen sich eingebildet hatte? Langsam dämmerte es ihr. Sie war tatsächlich einem Irrlicht aufgesessen. Ohne Sinn und ohne Verstand. Und jetzt wusste sie nicht einmal, wo sie war. Na gut, sie war eine Ratte und schneller als sich eine Einsicht bezüglich ihres Versagens in ihr breit machen konnte, erschnupperte sie einen sehr vertrauten Duft. Eine Rättin war in der Nähe. Und dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Natürlich, dies war doch die besondere Nacht und dies ihre Mission. Mit gesträubten Tasthaaren und aufgerichtetem Rattenschwanz, folgte sie dem unwiderstehlichen Duft.

von Pandorra Birdie Saralonde


13/5_(Mia)

Mia schreckte aus dem Schlaf.

Schweißgebadet setzte sie sich auf und überlegte. Irgendein Geräusch hatte sie geweckt. Sie stand auf und holte sich ein Glas Wasser. Sie nahm einen großen Schluck und blickte durch die Lamellen des Rollos. Es war ruhig auf dem Marktplatz. Ein Mann mit Hund lief unter der Laterne vorbei und sie betrachtete den Brunnen in der Mitte des Platzes.

Arbeiter hatten ihn abgeschaltet, es sprudelte nicht wie sonst. Das beruhigende Plätschern fehlte jetzt schon und sie hoffte, die Arbeiten würden schnell beendet sein.

Da! Da war es wieder, dieses Geräusch.

Sie versuchte etwas zu sehen – nichts – dort unten war niemand.

Sie nahm nochmal einen großen Schluck aus ihrem Glas und stellte es auf das Fensterbrett.

Wie gebannt starrte sie auf den Platz unter ihrem Fenster, in Erwartung ER würde jeden Moment dort unten erscheinen.

Dann war da wieder dieses Geräusch …

Sie drehte sich in eine andere Position, versuchte etwas mehr zu sehen und entdeckte zwei Jugendliche mit Skateboard.

Einer der beiden ließ sein Board immer wieder flippen und dabei entstand dieses Geräusch.

Jetzt, da sie wusste, um was es sich handelte, fühlte es sich an, als wäre ein riesiger Stein vom Herzen gefallen.

Irgendwie konnte sie immer noch nicht ganz fassen, dass ihr die Flucht aus ihrer schrecklichen Lage tatsächlich gelungen sein sollte, aber jetzt war sie schon ein paar Wochen hier und ER hatte sie nicht gefunden.

Sie nahm das Glas und leerte es mit einem Schluck und dann war da ein Geräusch, direkt hinter ihr. Vorsichtig drehte sie sich um.

Es war dunkel, kaum etwas zu sehen, aber diese große dunkle Silhouette konnte man nicht übersehen.

Ihre Hände wurden feucht, sie war nicht in der Lage sich zu bewegen.

„Hallo, Mia. Ich sagte dir doch, du kannst mir nicht entkommen.“

Das Glas rutschte aus ihrer Hand und als es den Boden berührte, zerbarst es in tausend feucht schimmernde Scherben…

von Veronika Bärenfänger


13/5_(Ein Spieleabend)

Tja. Das war wohl nichts. Sie hatten es immerhin probiert. Aber was sollte sie hier noch retten. Ein Spieleabend hat offenbar schon etliche Familien entzweit. Sie hätte es also besser wissen können. Leider hatte sie sich trotzdem drauf eingelassen und konnte nicht über ihren Schatten springen. Ihr Ego erlaubte es nicht, ihren Bruder gewinnen zu lassen und sie zog den letzten Stein der ungefährlich im Jengaturm lag. Und nun betrachtete sie den Trümmerhaufen vor ihr ausgebreitet auf dem Tisch, aber auch familiär emotional. Ob er jemals wieder etwas mit ihr spielen würde?
Sie war sich nicht sicher.

von Moi


© 2020 albert sadebeck

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Wie aus dem Nichts

It’s always darkest before the dawn.

Ein Topf knallt ihm ins Gesicht. Einmal, zweimal, ein drittes Mal…
Wie oft muss man gegen den Topf in seiner Hand laufen, bis man sich von selbstgedachten Plattitüden befreit hat?

Der Schweiß, der ihm von der Stirn läuft, kribbelt auf seiner Wange. Beinahe ein angenehmes Gefühl, immerhin aber… ein Gefühl. Ja, ein oberflächliches, aber auch ein Anfang.
Wenn er dazu fähig wäre, er würde dieses Kribbeln wütend aus seinem Gesicht wischen, denn er verdient kein angenehmes Gefühl. Denkt er. Glaubt er.

So aber wischt er sich das Kribbeln nahezu völlig emotionslos aus dem Gesicht. Reflexartig schaut er auf seinen Handrücken, auf dem sich eine rotbraune Spur abzeichnet. Er sieht sich den Topf an, der einen ähnlich rotbraun gefärbten Fleck an seiner Unterseite hat.
Es kribbelt wieder auf seiner Wange, obwohl ihm gar nicht so heiß ist. Erneut fährt er mit dem Handrücken über seine Wange, die rotbraune Spur auf seiner Hand wird noch etwas dunkler.

Die Blutspur, die er auf dem Weg ins Bad hinterlässt, ist nicht sonderlich beeindruckend. Trotzdem freut er sich jetzt schon nicht darauf, später den Boden wischen zu müssen. Wenigstens ist seine Kleidung verschont geblieben, denn er trägt keine. Ganz praktisch, wenn man so völlig unvorbereitet unter die Dusche muss.

It’s always darkest before the dawn.

Hätte er nicht gleich auf die Idee kommen können, sich diesen Kalendersprüche Kalender-… Spruch nicht aus dem Kopf schlagen zu wollen, sondern ihn eiskalt weg zu duschen?

Er hatte gelesen, dass kalte Duschen nicht nur für den Körper gut seien, sondern auch das mentale Wohlbefinden steigern sollen. Er merkt davon allerdings gar nichts, als das eiskalte Wasser auf seinen Körper trifft.
Atemnot soll also gut sein, denkt er sich fast. Fast, weil er nicht mehr denken kann, nicht mal Kalendersprüche.

Immerhin keine Platzwunde, stellt er nach kurzer Untersuchung der Stirnpartie fest. Schon die Vorstellung, in der Ambulanz erklären zu müssen, wie er sich die Platzwunde zugezogen hat, ist ihm ein Graus. Und wie hätte er seine Kleidung fleckenfrei anlegen können, wo er doch nicht mal ein Fingerpflaster im Haus hat? Zu seinem Glück muss er all das nicht herausfinden, denn es ist wirklich nur eine oberflächliche Wunde, eher aufgerieben als aufgeplatzt.

Eine Wunde, die ohne Pflaster heilt. Einfach so…

Doch was ist mit den anderen Wunden, denen, die man nicht sieht?

Noch bevor dieser Gedanke vollständig geformt ist, überkommt ihn ob dieses schwülstigen Gedankens das unglaubliche Verlangen, den Topf zu holen. Und während er darüber nachdenkt, dass er sich erst abtrocknen müsse, um nicht das ganze Bad und den halben Flur zur Küche unter Wasser zu setzen, wird er sich der Absurdität rationaler Erwägungen bezüglich irrationaler Handlungen bewusst. Und er muss lachen.

Nein, er lacht nicht wirklich. Aber er muss lachen, wenn er sich irgendwie aus diesem… Nichts befreien will.

Will er das?

Was, wenn er einfach bliebe? Hier, in der ungesättigten Blässe. Alles auf null. Kein Ärger, kein Schmerz, alles egal.

Sein Selbst mit Leid beginnt, ihn zu langweilen. Sein Selbstmitleid auch.
Außerdem weiß er, dass er nicht unbedingt lachen muss, wenn er… aus dem Nichts herausfinden will, ohne Fehler zu machen? Ist das nicht ein bisschen arg viel verlangt, keine Fehler zu machen?

Ok, denkt er sich, ganz langsam. Ein Gedanke nach dem anderen, nicht alles auf einmal…

Lachen ist wohl nur auf den ersten Blick die richtige Antwort. Weil… Lachen ist ja toll, nicht wahr? Menschen, denen es gut geht, die lachen, oder? Gute Laune und so.
Natürlich weiß er, dass Lachen nur funktionieren kann, wenn er… unangenehme Empfindungen-

Jetzt nenn die Dinge doch mal beim Namen!

Schmerz. Ja, es geht um Schmerz. Und darum, dass man den nicht bewältigt, in dem man ihn ignoriert.

Man soll ihn „zulassen“.

Aha.

Und dann?

Dachte ich mir.
Ich soll also „Schmerz zulassen“, denn der „gehört“ ja irgendwie „zum Leben“, habe aber keine Ahnung, was dieses „Bewältigen“ sein soll.
Toll.
Denkt er sich.

„Stück für Stück“

Ihm fällt eine weitere Lebensweisheit ein, die er heute nicht glauben kann. Er hat aber ausreichend Selbstzweifel, um seinem Urteilsvermögen Fehlbarkeit zu unterstellen. Hoffnung kann er daraus zwar (noch) nicht schöpfen, aber da der Nachweis des Nichtfunktionierens von „Stück für Stück“ noch nicht erbracht ist, ist er gewillt, diesem Handlungskonzept (erneut) eine Chance zu geben.

Sein Kopf brummt. Könnte mit der Mehrfachkollision mit einem Kochtopf zusammenhängen. Oder es sind Ermüdungserscheinungen von zu viel einseitiger Hirnaktivität, man weiß es nicht genau. Dummerweise hat er nicht nur kein Pflaster, sondern auch keine Schmerztabletten im Haus. Wenn man so darüber nachdenkt, Vorsorge scheint nicht direkt seine Stärke zu sein…

Er steht noch immer in der Dusche. Nein, er steht nicht in der Dusche, er steht in der Wanne.
Für eine Dusche hat es in seiner Behausung nämlich nicht gereicht. Er kann also nicht einmal dramatisch auf dem Boden seiner Dusche in sich zusammensacken und das Wasser auf sich hinabprasseln lassen, weil er in einer Wanne den Duschkopf in der Hand behalten muss.
Kein Duschvorhang.
Wie dumm ist es eigentlich, sich in eine Wanne zu setzen, wenn gar kein Wohlfühlgedönsbad eingelassen ist?
Fragt er sich und bemerkt, Sitzen wird es aufgrund der Enge auch nicht. Eher Hocken.

Da hockt er nun, ein Arm über dem Kopf, lässt das kalte Wasser über seinen Körper laufen und weiß nicht so richtig, ob er lachen oder weinen soll. Und platt, wie er nun einmal ist, schleicht sich der Satz zurück in seinen Kopf…

It’s always darkest before the dawn.


© 2020 albert sadebeck

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dreizehn geschichten – vier (13/4)

Seit der letzten BlockpostTM ist einiges geschehen. Manches braucht noch eine gewisse Zeit des Reifens (nicht die Dinger am Fahrzeug!), bevor daraus formulierbare Gedanken werden. Anderes war zumindest photographable, yeah.

Zum Beispiel das hier:

Landschaft, ohne Filter

Oder das:

Landschaft, auch ohne Filter

Bevor es anfängt zu nerven, hier noch ein paar Random Pics ohne MitmachanklickgedönsTM:

Eventuell hatte jemand Geburtstag. (ohne Filter)
Öp döp döp…
Himmel mit Flugzeug und Mond

Und ja, auch der Himmel mit Flugzeug und Mond ist ohne Filtergedöns. So!

Jetzt aber genug mit Geplänkel, hier kommen teil vier der dreizehn geschichten


13/4_(Sein im Hier)

Nein, das geht wirklich nicht. Nein, auch wenn… ja… wenn was? Da lebt man täglich vor sich hin, fragt sich denkbar selten nach dem Sinn. Sitzt auf Stufen, lehnt an Wänden und Gedanken kreisen. Um was? Um den Sinn des eigenen Lebens. Dieses Sein im Hier, im Gestern, im Jetzt! Ein Sein, das aus Träumen, aus Wollen, aus Können, aus Wut, aus Freude, aus Trauer, aus Langeweile, aus … ja einfach aus allem besteht. Wechselnd wie Ebbe und Flut.

Und genau so lässt man sich treiben. Jetzt hier, jetzt weg.

von Pandorra Birdie Saralonde


13/4_(off)

A little bit off

von Veronika Bärenfänger


13/4_(Er)

Er wusste einfach nicht, wie er seine Rückenschmerzen lindern konnte. Sitzen, stehen, anders sitzen… es half nichts…

von Moi


© 2020 albert sadebeck

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Blockpost™ stories

dreizehn geschichten – drei (13/3)

Meinen Urlaub habe ich mir ja auch anders vorgestellt. Zum Beispiel ohne COVID-19. Dennoch verläuft er in erstaunlich vertrauter Manier:

Ich bin in einer Stadt, treffe ein paar Leute, es gibt Bier, Tapas und vom Laufen schmerzende Gliedmaßen.
Was aber sehr anders ist als früher: Es gibt ’ne BlockpostTM!
Nun bin ich aus anderen Gründen als sonst nicht zum Schreiben neuer Texte und Gedanken gekommen, hatte mir aber die Fortsetzung der „dreizehn geschichten“ vorgenommen.
Doch auch die Aufnahme der Texte klappte nicht vor der Zugfahrt hierher, das Finanzamt forderte sehr kurzfristig seeeeehr viel Aufmerksamkeit. *seufz…

Nimmste halt Dein Studio mit!

Danke, Hirn.

Ich schleppe nun also diverse Tontechnik mit, um während meines Aufenthalts hier in se Big City ein bisschen was auf Rekkord aufzunehmen. Ja, auf Rekkord!
Die Tonqualität ist einigermaßen miserabel und, aber Teil drei der dreizehn geschichten wird auch erst in den nächsten Tagen da eingebaut ist zumindest da eingebaut, wo er hingehört.

Bis dahin, lest und hört einfach in dieser kleinen BlockpostTM!


13/3_(Zuhause)

Nun ja, wenn man es ganz genau nahm, hasste er die Natur. Sie war einfach zu unbequem. Mal zu kalt, mal zu warm, mal zu nass, mal zu trocken. Doch da sich um seine Hüften so einiges an Ballast angesammelt hatte, was seiner Eitelkeit nicht gerade schmeichelte, fühlte er sich bemüßigt, seine Nase auch mal Gassi zu führen. Als er eines Morgens so vor sich hin trabte, erhaschte er einen Blick auf etwas Rotes, das sich schnell von ihm fortbewegte. Er beschleunigte seine Schritte, denn er war neugierig und erhoffte sich ein wenig Abwechslung bei dem langweiligen Trott. Immer wieder entschwand das Rot und tauchte dann aber wieder auf. Immer schneller wurde er und die Hoffnung auf etwas wirklich Besonderes stieg. Doch seine Kondition machte schneller schlapp als seine Fantasie, und er ließ sich unter einem Baum sinken. Da saß er nun und grübelte. Eine Frau tauchte vor seinen Augen auf, in einem roten Kleid und verschwand dann im Nebel der Vergessenheit. Er war doch wirklich verrückt. Langsam normalisierte sich sein Atem und er sah sich um. Wie zum Teufel war er hier in den Wald geraten. Da war ja nicht einmal ein Weg. Und wo war er überhaupt. Er hatte keine Ahnung. Darum holte er sein Handy aus der Hosentasche. Aber, wie nicht anders zu erwarten, kein Empfang. Da fiel ihm wieder ein, wie sehr er die Natur hasste. Und ab jetzt den Wald ganz besonders. Während er noch in seinem eigenen Kosmos kreiste, spürte er plötzlich etwas an seinen Füßen. Er sah auf. Da stand ein riesiger Hund mit einem roten Cape und starrte ihn neugierig an.

„Wuff“, machte der Hund und es klang so wie „Hallo, was machst du da.“

„Ich hab‘ mich verlaufen, weil ich Trottel dir hinterhergerannt bin“, sagte er und für den Hund klang es wie „Wuff“.

„Wuff, Wuff“, sagte der Hund und er verstand: „Soll ich dich heimbringen?“

„Wuff“, antwortete er und stand auf. Der Hund im roten Cape lief vor ihm her und er lief hinterher. Keine halbe Stunde später standen sie vor seiner Haustüre.

Er schloss auf und lies dem Hund den Vortritt. Da blieb nur noch eines zu sagen:

„Wuff“

von Pandorra Birdie Saralonde


13/3_(Sackgasse)

Es dämmerte bereits, als das Kind eine Schlucht erreichte.

Das Mädchen blickte sich um.

„Eine Sackgasse, steile Hänge links und rechts und vor mir“, dachte sie und wollte schon umkehren, als ihr Blick auf einen großen umgefallenen Baum traf.

Die Wurzeln hatten einen Felsspalt freigegeben.

Vorsichtig untersuchte sie den Spalt und schlüpfte hinein, er war gerade groß genug für ein Kind, ein wenig ungemütlich, aber trocken.

Die Wurzeln des Baumes verdeckten den Zugang, sodass niemand wirklich hineinsehen konnte.

Zitternd vor Kälte und mit klappernden Zähnen rollte sich das Mädchen zusammen, zog ihre klamme Jacke noch enger um sich und schlief bald, vor Erschöpfung, ein.

von Veronika Bärenfänger


13/3_(Müde)

Baum müde. Baum Daidai.

von Moi


© 2020 albert sadebeck

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Blockpost™ stories

[prolog]

Aber erst noch 1…

Vorwort

Wie dumm ist es eigentlich, zu einem mit „prolog“ betitelten Text ein Vorwort zu schreiben? Frage für einen Freund…

How auch ever, ein Trauerfall in se Familie hat mich davon abgehalten, meine Story von letzter Woche fortzusetzen. Part Two davon kommt (no pun intended!) dann halt später mal.

Heute gibt es also nochmal ein älteres Geschreibsel, welches den Einstieg in mein schonmal erwähntes Kleinkunstprogramm bildet. Und weil das Geschreibsel so kurz ausfällt, packe ich noch das darauf folgende Lied dazu.

Nebenbei, wenn mich jemand für einen Kleinkunstabend buchen will…


[prolog]

„Es ist zum Kotzen!“

Völlig entnervt zerreiße ich das nur halb beschriebene Blatt, zerknülle es zur Sicherheit um es dann in einem seltenen Anfall von Akribie ganz langsam in noch kleinere, kleinstmögliche Schnipsel zu zerlegen.

Seit einigen Tagen schon versuche ich, etwas Brauchbares zu Papier zu bringen. Ein offenbar ebenso vergebliches Unterfangen, wie mich an die Anzahl für ungenügend befundener Entwürfe zu erinnern. Ich denke ernsthaft darüber nach, den Inhalt des Papierkorbes zu Rate zu ziehen, um dann mit gebührendem Stolz notieren zu können: 41!

Einundvierzigmal bin ich an einem winzigen Text gescheitert.

41? Ich mag diese Zahl nicht. Vor allem nicht in diesem Zusammenhang. Sie entspricht zwar exakt der Anzahl der Jahre, die seit dem unfreiwilligen, nicht selbstgewählten Beginn meines Daseins vergangen sind, doch selbst wenn dieser numerischen Kongruenz etwas anderes zugrunde läge als pure Koinzidenz, tröstlich wäre das mitnichten. Die einzige Deutung, zu der sich mein überstrapazierter Geist fähig sieht, äußert sich in der mit pontifikaler Stimme durch meinen Kopf dröhnenden Erkenntnis:

„Jedes Jahr Deines Lebens war EIN Versagen!“

Es klingelt an der Tür.
Auch wenn ich mich nicht daran erinnern kann, ich muss wohl so etwas wie „Ja?“ gesagt haben, denn ich vernehme die verschüchterte Stimme meiner Nachbarin.
„Ähm, ist… ähm, ist alles in Ordnung bei Ihnen?“
„Ja, wieso?“
Noch bevor ich eine Antwort erhalte fällt mein Blick auf den Papierkorb in meinen Händen, und allmählich kehrt die Erinnerung zurück.

In meiner Verzweiflung über mutmaßlich 41 Zeugnisse meines Versagens habe ich wohl für einen Moment die Beherrschung verloren. „WARUM NICHT 42?!“, höre ich mich den wehrlosen Papierkorb anbrüllen.

Ich stammle irgendwas wie „Tut mir leid“ und „kommt nicht wieder vor, Frau Bla-bla-bla“ und bin fest davon überzeugt, dass sie mich erröten hören konnte.

„WARUM NICHT 42?!“ hallt es wieder, diesmal aber nur durch meinen Kopf.
Ja, warum eigentlich nicht 42?
Wer Douglas Adams kennt kann nachvollziehen, weshalb ich eine „42“ der „41“ vorzöge. Nie wäre ich der Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest näher gewesen, hätte mit 42 glücklich sterben können und müsste nie wieder an 41 erfolgslosen Versuchen, einen winzigen Text zu schreiben, verzweifeln.

Es klingelt schon wieder.
Diesmal aber ist es der Alarm meines Mobiltelefons, der mich mit einem Ruck ins Hier und Jetzt befördert. Noch eine Stunde bis zur Premiere. Eine nie gekannte Panik legt jeden Gedanken lahm. Für den Bruchteil einer Sekunde erwäge ich, dem Veranstalter abzusagen, auszuwandern, mich in eine andere Spezies zu verwandeln.
Da ich für das eine zu feige, das andere zu knapp bei Kasse bin, und mir für das letzte die wohl notwendigen gottgleichen Fähigkeiten fehlen, betrete ich eine halbe Stunde später die Garderobe der Kleinkunstbühne.
Eine halbgeleerte Wasserflasche, diverse vor Aufregung nicht verzehrte Häppchen und die bereitliegende Bühnenkleidung erinnern daran, dass ich heute Vormittag schon einmal hier war.
Erst jetzt fällt mir das Plakat an der Tür auf. Es ist immerhin im Format A4 und aus Kostengründen gleich noch das Programmheft, das in Ermangelung zu nennender Mitwirkender stattdessen die Szenenfolge des Abends beinhaltet. Meines Abends…

Ich starre auf die erste Zeile.

„PROLOG“

„Ich habe keinen verdammten Prolog!“, knurre ich das Plakat an. Nicht einen von 41!

Das Saallicht wird gedimmt und ich schleiche mich vom Eröffnungseinspieler verdeckt auf die Bühne.
Im Aufblenden der Bühnenbeleuchtung sehe ich einige Zuschauer, die mit einem letzten Blick auf die Szenenfolge das Programmheft auf den leeren Platz neben sich legen.

Ein kurzes Räuspern, welches meine Stimme noch belegter klingen lässt und ich krächze „Guten Abend!“

Aus dem Publikum vernehme ich eine schüchterne Antwort.
„Guten Abend.“

Es ist… meine Nachbarin.


Der Schritt

Mit ’nem Kaffee in der Hand auf dem Balkon
Der Himmel blau, die Sonne lacht mich davon
Die Winterstarre in meinen Knochen, kämpf mit mir schon seit Wochen
Es muss jetzt endlich was passier’n

Der Augenblick steckt fest im Fluss der Zeit
Bring mich in Position, halte mich bereit
Hab wieder mal vorbeigeschossen, das Ziel davongeflossen
Unbeweglich bleib ich festgelebt

Ein Schritt, nur ein Schritt
Scheint gar nicht so schwer, ist alles was es braucht
„Kein Blick mehr zurück“
Ist leider nicht so leicht, wie es sich sagt…


Ich starre aufs Papier, die Zeit verrinnt
Kann immer noch nicht sehen, was beginnt
Der Puls der Stadt, zu schnell und kalt, neben mir die Frau, schon alt,
Scheint das nicht zu stör’n

Ein Schritt, nur ein Schritt
Hab ich denn eine Wahl, auch wenn die Angst mich packt
Kein Blick mehr zurück
hinter der Nacht seh‘ ich das Morgenlicht

Im Baumeln ihrer Beine steckt die Jugend, die mir fehlt
Ein kurzer Blick, ein Lächeln, als sie wortlos weitergeht

Ein Schritt, nur ein Schritt…
Kein Blick mehr zurück…

Ein Schritt, noch ein Schritt
Weiter, immer weiter, Stück für Stück
Ein Blick noch zurück
Erst dann kann ich sehen, was vor mir liegt

Schritt für Schritt…


© 2015-2020 albert sadebeck

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Blockpost™ stories

noch mehr geschichten

Ich kann gerade nicht so viel und so gut Computerdinge machen. Rechte Schulter und Unterarm nerven und so. Deshalb sei hier nur ganz kurz erwähnt:

Es gibt die nächsten der dreizehn geschichten! Gesammlt findet Ihr die hier:


Lest und hört mal rein, ich mach jetzt erstmal meine Physio-Hausaufgaben und gehe dann… weg.


© 2020 albert sadebeck