Halbmondschlaf

Und es macht müde. Schritte werden schwerer, Atmen… einfach weiter atmen und der Puls beginnt zu-

Er reißt seine Augen auf. Nichts zu sehen, nur das dumpfe Rauschen des Sturms draußen, das in seine Ohren drängt. Irgendetwas schimmert hinter diesem Rauschen, nicht von draußen. Nein, es kommt von innen, ist beinah verweht. Ein ferner Hall scharf brennender Worte, die nie gesagt worden wären, wenn nicht-


Worte, die nie gesagt worden sind.

Nie.

Niemals?

Jedenfalls nicht so.

Es gab keinen Streit, kein letztes Gift, kein Scheiden im Zorn. Wärme, Zuversicht, Hoffen ohne morgen.

Alte Wunden flackern auf. Konnten nicht, können nicht vernarben. Und dennoch, keine bösen Worte sind gefallen. Nicht in diesem noch unerkannt wichtigen Moment jedenfalls…

Die Augen drücken noch ein bisschen, die Seele scheint zu tränen als er erkennt, das ist nicht seine letzte Erinnerung an sie. Die Nacht hat auf den ungeraden Pfaden zwischen Traum und Halbmondschlaf gedichtet ohne Reim und stellt ihm Fragen, nicht ohne Sinn, doch ohne Ziel, denn ein Zurück ist nicht mehr möglich.

Er wusste nicht, dass er sie das letzte Mal gesehen hatte. Der Moment war ihm entglitten, lange bevor er ihn erkannte. Doch was hätte es geändert, dieses Wissen?  Hätte er wirklich all die verschütteten Empfindungen, Gedanken, Bilder, Klänge… hätte er in diesem einen Moment die Teile seiner Seele, die nur ihr gehörten, zusammensetzen können? Zeigen können?

Sie war nicht immer da für ihn.
Sie war nicht immer da für ihn, wie sie es hätte sein müssen.
Es war nicht ihre Schuld und alles andere als ihre Absicht, aber das Fehlen ihrer Liebe, manchmal über Monate hinweg, hat ihn geprägt und bei ihr und ihm Spuren hinterlassen.

Warum er ihr versagte, was er damals hätte geben wollen, er weiß es nun. Auch wenn es seine Scham nicht mindert, seine Schuld nicht tilgt. Nicht tilgen kann.

Womit er nie gerechnet hat, dass er die Scham eines Tages würde aushalten, die Schuld tragen können. In seiner Vorstellung ging es immer darum, beides loszuwerden. Teile seines Selbst loszuwerden. Heute weiß er, ein törichter Gedanke. Den Schmerz kann er nicht ablegen wie alte Haut, aus der er sich gern schälen würde. Er muss ihn fühlen. Nicht mit Genuss oder in fehlgeleiteter Absicht der Selbstabsolution, nein, mit Geduld und Würde.

Die Morgensonne schiebt sanft die Nacht beiseite, lächelt fast, scheint milde. Er hat sie nicht beschimpft und im Streit zurückgelassen, es war nur ein in Schuld getränkter Albtraum.
Und während er so liegt, im Tränen seiner Seele, denkt er an jene, die er liebt, egal wo sie jetzt sind…

…und lächelt.


Immer noch wichtig!

Seid keine Nazis! Wählt keine Nazis! Unterstützt keine Nazis! Wählt keine Unterstützer von Nazis! Unterstützt keine Wähler von Nazis! Lasst Euch nicht von Nazis unterstützen!

Seid keine Arschlöcher und helft Menschen in Not, auch wenn sie Nazis sind und/oder unterstützen!*

*) Das ist nämlich höchst appaturTM! 🙃


© 2020 albert sadebeck

2 Kommentare zu „Halbmondschlaf

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