vierzehn tage später

Ich muss mich unbedingt rasieren. Ok, nennen wir es den Bart stutzen. Also, jedenfalls das, was man – nein, MANN (!) mit so einem Haarschneidedingens macht. Ist das Rasieren? Ich weiß es nicht. Na hut, nennen wir es Rasieren.

Yep, „Na hut“. Zugegeben, ich wollte „Na gut…“ schreiben, hab ich aber nicht. Übrigens hat das alles nichts mit irgendwas zu tun. Außer vielleicht damit, dass ich mich kurz entschuldige, weil ich ja den Bart stut-, mich rasieren will.

Natürlich verfolge ich damit ein höheres Ziel, natürlich geschieht das alles nur zum Wohle der Menschheit, natürlich ist dieser Satz Unsinn. Aber ich mag Unsinn!
Da ich jedoch vor vierzehn Tagen einigermaßen faul war, habe ich Euch dahingehend manipuliert, mir ein paar Texte für meine BlockpostTM zu liefern. Weil ich aber nicht übermäßig fies erscheinen möchte, habe ich das ganze in ein „Uuuh, schaut mal, Fotos! Da könnt IHR ja kreativ sein und euch INSPIRIEREN lassen!“-Päckchen mit affektiertem Luftzufächeln gepackt.

Ich weiß, Ihr habt das sofort durchschaut. Deshalb bin (in Reihenfolge des Eingangs der Texte) Pandorra Birdie Saralonde, Veronika Bärenfänger und hollingtonsmum sehr dankbar, dass sie mitgespielt und so getan haben, als wäre das eine coole Idee gewesen. Ok, durch Euch ist es eine coole Idee geworden. 🤓

Was macht 1 kleinkünstler nun mit diesen Einsendungen?
Na, mit Euch teilen, is‘ ja klar, oder? Aber… mit einem kleinen Twist.

Ihr könnt diese kleinen Geschichten nämlich nicht nur lesen, sondern auch hören.
Ich habe mir die Frechheit herausgenommen, die Geschichten laut zu lesen, während ein Mikrofon, angeschlossen an meinen Computer, welcher bestückt ist mit Software zur Bearbeitung von Audiodaten, diese gesprochenen Versionen der Texte (bisher drei) mittels Kondensator, Wandler und hier-schön-schwarz-Mikrofonkabel an Software übermittelt.
Außerdem bitte ich um Verzeihung für diesen grauenhaften Satz.

How auch ever, die ersten drei Geschichten zu eins gibt’s hier und hier und jetzt, also gönnt Euch!
So nach und nach gibt es dann auch die anderen Geschichten zu lesen und zu hören. Und wer weiß, möglicherweise bekommt ja noch jemand Lust darauf, sich an den dreizehn geschichten zu beteiligen.

In diesem Sinne,

Have a nice Wochende!


dreizehn geschichten – eins (13/eins)

13/1_(Mittwoch)

Ein Mädchen mit einem Dreirad fuhr mittags spazieren. Das tat sie jeden Tag, denn während ihre Eltern ihren Mittagsschlaf abhielten, musste das Mädchen raus. Es war Mittwoch und sie fuhr weiter als sonst. Plötzlich hielt sie an. Vor ihr war eine offene Türe. Das war das erste, was sie sah. Dann wanderte ihr Blick weiter. Ein Dach! Es kann nicht reinregnen, dache sie. Aber Fenster konnte sie keine sehen. Na gut, dann kann ich nicht rausgucken, aber reingucken kann auch niemand. Sie stellt ihr Dreirad ab und lief auf die Türe zu. Dunkel war es drinnen. Aber dunkel war es auch irgendwie um sie herum. Also ging sie hinein. Ihre Augen konnten wenig sehen, aber ihr Herz umso mehr. Oh, da in der Ecke steht ein Puppenhaus. Und daneben ein schönes weiches Bett. Und an der Wand ein Regal mit wunderbaren Bilderbüchern. Sie lief zu dem Puppenhaus und sah hinein. Da saßen zwei Eltern und ein kleines Mädchen an einem Tisch. Dann setzte sie sich auf das Bett. Ach war das himmlisch weich. Nur ein wenig hinlegen, dachte sie. Und tat es. Etwas rüttelte sie unsanft an der Schulter. Erschrocken riss sie die Augen auf und starrte in das Gesicht ihrer Mutter. Dann sah sie sich um. Sie lag auf dem Boden, um sie herum nur Schutt und Dreck. Aber für ein paar kurze Momente, war alles, wie es eigentlich sein sollte. Die Hand der Mutter ergriff ihre und zog sie mit sich. Sie würde wiederkommen, das wusste sie. Schon morgen, wenn die Eltern ihren Mittagsschlaf halten würden.

von Pandorra Birdie Saralonde


13/1_(Kielka)

Der Fahrer wandte sich zu ihr und sagte, »Wir sind da!«

Zögernd stand sie auf, griff ihren Rucksack und ging zu ihm nach vorne.

Etwas ungläubig blickte sie hinaus, auf die staubige Straße.

»Hier?«, fragte sie.

»Das ist Kielka. Du wolltest doch nach Kielka. Was ist jetzt? Ja oder Nein?«
Lia nickte und der Fahrer öffnete die Tür.

Vorsichtig stieg sie die Stufen hinab und nachdem sie den zweiten Fuß auf den staubigen Boden gesetzt hatte, blickte sie noch einmal zurück.

Der Fahrer nickte ihr zu, drückte den Knopf und die Tür schloss sich.

Mit einem Pfeifen setzte sich der Bus in Bewegung.

Lia stand wie angewurzelt da und blickte ihm hinterher. Schon lange konnte sie ihn nicht mehr sehen.

Der Staub, den er aufgewirbelt hatte, lichtete sich langsam und gab den Blick auf ein Gebäude frei.

Der Rucksack glitt ihr langsam aus der Hand. Verzweifelt suchte sie nach etwas Greifbarem, etwas, was ihr sagen würde, alles ist gut. Aber nichts war gut.

Dieses Haus vor ihr war schon lange verlassen. Die Fenster zur Straße zugemauert, bröckelte überall der Putz. Die Ziegel hatten sich zum Teil schon gelöst und eine Eingangstür existierte nicht mehr. Hier war niemand mehr.

von Veronika Bärenfänger


13/1_(Mutig)

Sie hatte schon ansehnlichere Toiletten aufgesucht.
Aber was wollte sie machen. „Was muss, das muss.“, dachte sie sich und Schritt mutig über die zertretene Schwelle.

von Moi


© 2020 albert sadebeck

4 Kommentare zu „vierzehn tage später

  1. Also die fünf Sterne gelten in erster Linie dem Hörgenuss! Ganz echt jetzt, ich könnte stundenlang zuhören. Da wird aus meinem Geschreibsel plötzlich etwas richtig, na ja, einfach etwas 🙂

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