AAAAAAAAARRRGH!


Halli-hallo, liebe Lesende!

Oder…

Hallöööchen! Winke, winke! *trallalagesäuselpäusel

Offenbar hat mir die nicht geschriebene Blockpost™ der letzten Woche nicht gutgetan. Moment, ich spüre einen Logikfehler… Ich analysier- ach ne, kein‘ Bock.

Ja, sorry. Eventuell haben ja zwei oder drei Leser:innen auf ein Update aus der Welt des Kleinkunstwahnsinns gewartet, aber: Ich hatte tatsächlich keine Zeit. Weil ich bei einem Filmdreh war. Keine Sorge, das wird kein ZweiStundenHollywoodBlockbuster. Schade eigentlich, sagt mein Konto. Für die eigene Reputation ist so ein Kurzfilm aber gar nicht so schlecht, denn da interessiert sich zumindest in Kollegenkreisen vielleicht, eventuell, möglicherdings noch jemand dafür, wer den Schnitt verbroch- äh… wer den Kurzfilm geschnitten hat. So, hier, fertig: Update aus der Welt des Kleinkunstwahnsinns. Wobei…

Ich nehme alles zurück und behaupte auf der Stelle das Gegenteil! Ja gut, vielleicht nehme ich nicht alles zurück, aber ich kann nicht guten Gewissens von „Kleinkunstwahnsinn“ schreiben. Damit täte ich den lieben Kolleg:innen am Set nämlich furchtbar unrecht, denn die sind wirklich Künstler:innen. Fun Fact: Es gab auch da eine… sagen wir mal intensive Diskussion über das Für und Wider des Genderns. Trotzdem: Das war das Update aus der Welt des Kunstwahnsinns!

Wow, ich bin echt nicht im Flow.
Wie immer, außer an Tagen, wo das völlig anders ist, hatte ich eigentlich sowas wie einen Fahrplan für diese Blockpost™. Trotz Notizen will es mir aber nicht so recht gelingen, mich daran gehalten gehabt haben werden zu können. Und dann fällt mir auf, dass ich das mit dem „kurze, einfache Sätze schreiben“ schon wieder nicht beachte. Macht aber nix. Im Gegenteil, denn so passen boring Inhalt und convoluted Sätze perfekt together.


Boah, jetzt grüble ich mir hier einen ab, wie ich diesen Absatz anfange!
„Es ist aber auch…“
„Möglicherweise kann es sein, dass…“
„Eigentlich müsste ich ja…“
Doch clever, wie ich nun einmal bin, entscheide ich mich für…

Jetzt bin ich aber auch ständig abgelenkt

…weil ich blöderweise ein Softwareupdate meines SnobPhones vorgenommen habe. Das allein ist grundsätzlich ok, soll dieses Update doch irgendwelche Sicherheitslücken schließen. Leider heißt das aber auch, ein Update meiner SnobWatch vornehmen zu müssen. Ok, genau genommen muss  ich das nicht machen. Allerdings wäre es reichlich unlogisch, dies nicht zu tun. Denn auch da hat die Software ja wohl ein paar Sicherheitslücken.
Das Update der SnobWatch geht nur leider nicht so einfach, wie ich mir das wünschen würde. Ich sage nur Speicherplatz.
Yep, der Speicherplatz auf dieser SnobWatch ist derart begrenzt, dass er nie für ein direktes Update ausreicht. Es gibt aber einen Workaround. Der geht so:

Eins)
SnobWatch von SnobPhone entkoppeln. Nicerweise wird dabei nämlich ein Backup der SnobWatch angelegt.

Zwei)
SnobWatch neu koppeln und als neue SnobWatch einrichten. Hierbei wird das Update installiert. Kleiner Haken: alle personalisierten Einstellungen sind zurückgesetzt. Deshalb…

Drei)
SnobWatch erneut entkoppeln! Was für ein Sackgang… Und ja, es wird ein weiteres Backup angelegt, aber mit anderem Namen. Immerhin was…

Vier)
Ich fasse es nicht, ich muss die SnobWatch wieder neu koppeln! Diesmal aber wird sie aus einem Backup wiederhergestellt.

(In Realtime bin ich übrigens gerade mit Zwei fertig geworden…)

Es dauert einfach ewig und ich fühle mich zurecht meiner Zeit und meiner Konzentration und überhaupt beraubt und AAAAAAAAARRRGH!

*Update zum Update: Ich habe den wichtigsten Punkt vergessen, nämlich das Update nach Punkt Zwei. Folglich darf ich nach Punkt Vier, der gerade läuft und ewig zu dauern scheint, alles noch mal von vorn beginnen, ich hasse mich.*


Ich bin mir nicht sicher, wann ich in meinem Leben das erste Mal wirklich „AAAAAAAAARRRGH!“ dachte oder schrie. Ein guter Kandidat wäre der 2. September 1996. Das war ein Montag, Ihr müsst das nicht extra raussuchen. Oder doch? Lüge ich Euch eventuell an? Man weiß es nicht, also… nehmt Euch ruhig die paar Sekunden, das zu recherchieren und dann:

Schämt Euch! Mir derart zu misstrauen, ich fasse es nicht!

Anyway, am 2.9.1996 beginnt mein Zivildienst. Das war das, wozu Mann gezwungen wurde, wenn Mann keinen Bock hatte, zuhause Krieg zu spielen und deshalb vielleicht irgendwann mal in einen solchen geschickt zu werden.
Ich bin damals schon ein Meister des Prokrastinierens und gebe meinen „Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer“ allen Ernstes erst zur Musterung ab. Das wird immerhin mit der Tauglichkeitsstufe 2 belohnt, was mich nur unwesentlich uncooler als einen Navy SEAL erscheinen lässt.
Als traditionsbewusster Mensch stelle ich den Kontakt zu meiner Einsatzstelle ähnlich früh her und trudele am 2.9.1996 so gegen Viertel Drei im Büro der Gemeindeverwaltung Dorf-in-der-Nähe-von-Stinkytown ein.

Bis heute frage ich mich, ob schon die Wahl des Einsatzortes ein der Versuch eines verkappten Intelligenztests durch das Bundesamt für den Zivildienst war. Es gibt in der Nähe von Stinkytown nämlich nicht nur das Dorf-in-der-Nähe-von-Stinkytown, sondern auch das Dorf-in-der-Nähe-von-Stinkytown-Unterm-Stein. Wollten die sehen, ob ich ins richtige Dorf finde? Who knows…

Jedenfalls steht in meinem tollen EinberufungsbefehlsBescheidDienstbeginnDokument, ich solle mich am 2.9.1996 bis spätestens 15 Uhr in der Dienststelle einfinden. Ich bin natürlich der Meinung, dass ich mit 14:15 (oder 14:30, genau weiß ich das nicht mehr) massiv zu früh erscheine.


Kurze Unterbrechung für:

Fümmf)
SOFTWAREUPDATE!

Unglaublich, der Download des Updates lässt sich tatsächlich starten, ohne komplett von vorn beginnen zu müssen!


Frau Schreibtisch in der Gemeindeverwaltung Dorf-in-der-Nähe-von-Stinkytown sieht das Thema „Wann hat der Zivi sich gefälligst zu melden?“ etwas anders  als ich und merkt sichtlich mies gelaunt an, ich hätte mich schon vor ein paar Wochen mal melden können. Und mit „können“ meinte sie natürlich „sollen“.
„Warum?“, denke ich und spreche es zwar nicht aus, aber eigentlich ist trotzdem schon alles zu spät. Ich bemerke das aber nicht, weil ich weit wichtigere Probleme zu lösen habe. Wie zum Beispiel soll ich gleichzeitig am 4.9. zum Dienst in der Gemeindeverwaltung Dorf-in-der-Nähe-von-Stinkytown erscheinen, wenn ich doch um zehn in Karben (yep, das gibt’s) mit der Truppe von 3K „Ferdinand, ein Stier“ spielen muss/soll/darf/viel-lieber-will?
Statt also der Autorität von Frau Schreibtisch zu huldigen oder sie, immer noch die Autorität, auch nur durch ein „Ja, stimmt, hätte mich früher bei Ihnen melden sollen.“ mit Anerkennung zu validieren, mache ich einen dummen, aber notwendigen Move. Ich sage tatsächlich:

„Übrigens muss ich am Mittwoch zu einer Theatervorstellung nach Karben. Das ist bei Frankfurt. Kann ich da frei haben?“

Stille im Büro. Wird Frau Schreibtisch, die möglicherweise die Nummer Zwei hinter dem Bürgermeister von Dorf-in-der-Nähe-von-Stinkytown  ist, direkt ausflippen? Sie holt tief Luft und…

Mit all ihr zur Verfügung stehender Eloquenz stößt sie ein verächtlich-empörtes „Nää! So geht das aborr nich‘!“ aus und verfällt in eine Schnappatmung, deren Rasseln in der Lunge mir Zeit für einen strategisch klug anmutenden Schachzug bietet.

„Der Auftritt ist wichtig, den hat der Landrat eingefädelt. Wir fahren da quasi als Botschafter des Kreises hin.“, sage ich in der Gewissheit, dass das ja ein nicht zu entkräftendes Argument ist und man ja nichts dagegen haben könne, wenn wir den Landkreis und damit auch das Dorf-in-der-Nähe-von-Stinkytown im Westen (!) repräsentieren.

Vielleicht hätte ich mich doch ein bisschen mehr für Lokalpolitik interessieren sollen. Was ich nämlich nicht weiß: Im Dorf-in-der-Nähe-von-Stinkytown hat die CDU Wahlergebnisse wie früher nur die SED. Blöd nur, dass der Landrat, der mir hier als political leverage dienen soll, bei der SPD ist und zwei Jahre zu vor den CDU-Landrat abgelöst hat. Klassisches Eigentor!


In der Zwischenzeit ist übrigens das Update der SnobWatch heruntergeladen. Spannend wird, ob der gewonnene Speicherplatz auch für die Installation ausreicht.
Ich fasse es nicht, es funktioniert!


Als ich am späten Nachmittag nach Hause komme, fühlt sich die Wohnung irgendwie seltsam an. Es dauert nicht lange und ich bemerke, dass ein paar CDs nicht an ihrem Platz sind. Zuerst denke ich, dass meine Freundin die CDs versteckt hat, um mir eine Lektion in Sachen Ordnung zu erteilen. Mit ihr war ich nämlich Mittag noch bei mir, bevor ich zum Zivildienst musste, und ich gestehe, meine Wohnung sah war alles andere als aufgeräumt aus.
Ein ungutes Gefühl beschleicht mich und ich sehe gründlicher nach. Es sind nicht ein paar CDs nicht an ihrem Platz, es sind alle…

Weg!

Na gut, eine ist noch da. Im CD-Player. Und die gehört noch nicht mal mir, sondern ist geborgt. Die zugehörige Hülle aber… Auch weg!
Super! Ein bescheuerter erster Tag im Zivildienst und dann hat mir jemand meine komplette CD-Sammlung geklaut! Und das auch noch ohne Einbruchspuren!

Für das Fehlen der Einbruchspuren gibt es auch eine einfache Erklärung. Der Schlüssel meiner Freundin, der war…

Auch weg.

Das ging in etwa so:

Mittags habe ich sie von der Schule abgeholt und dann sind wir zum Essen zu mir und sie hat die Haustür aufgeschlossen und ich bin die Treppe an ihr vorbei hochgerannt, um schnell das schlimmste Chaos in irgendeiner Ecke verschwinden zu lassen, bevor sie oben ankommt und…

Wahrscheinlich habe ich mit dieser Hektik dafür gesorgt, dass sie den Schlüssel versehentlich an der Haustür stecken ließ und irgendjemand hat jetzt meine CD-Sammlung.

Um Missverständnissen entgegenzuwirken: ich gebe meiner damaligen Freundin NullKommaNull Schuld an dem Schlamassel. Ist halt eher… dumm gelaufen. ¯\_(ツ)_/¯
Ich habe also keine (eigenen) CDs mehr und denke oder wünsche stelle mir vor, denken wollen gehabt zu werden… AAAAAAAAARRRGH!

Einen Tag später hat Frau Schreibtisch folgendes erreicht: Sie hat ein längeres Telefonat mit dem Bundesamt für den Zivildienst geführt, welches am Ende einfach nur „Dann geemse dem Mann halt unbezahlt frei, und gut!“ sagte. Darüber hinaus wurde mir eröffnet, dass ich nach dem Lehrgang in der Zivildienstschule, zu dem ich in der kommenden Woche muss, an eine andere Dienststelle versetzt werde.

Fortsetzung folgt…


© 2021 albert sadebeck

2 Kommentare zu „AAAAAAAAARRRGH!

  1. Mit dem Update von  Phone bin ich grad fertig geworden + konnte dann in Ruhe Deine Blockpost lesen 😃…
    Das  Pad ist grad dabei 🙈
    übrigens: die  Watch hat‘s letzte Nacht ohne mein Zutun erledigt 😅
    Der Lesegenusslevel war für mich heut besonders hoch, weil Du mal nicht von Deinem Hirn gedisst wurdest (zumindest hast‘e nix darüber g‘schriem)
    Mit‘m Wohnungsschlüssel: des ist auch ein Steckenpferd von Dir (Siehe frühere Blockpost☝🏻) -> bei der zukünftigen Wohnungswahl wäre ein Zugang mittels Zahlencode zu empfehlen 😉

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