Wie damals beim Studium


Hm.

Hmmm.

Hmmmmm.

Schwierig, schwierig…

Gut, ich hätte mit der BlockpostTM ja auch früher anfangen können. Quasi… die ganze Woche schon.

Aber warum sollte ich plötzlich vorausschauend denken und irgendwas nicht auf den letzten Drücker machen?

Ich sag‘ euch warum: Weil ich unfassbar faul bin. Und eventuell auch ein bisschen feige. Nicht zu vergessen faul. Habe ich erwähnt, dass ich faul bin? Falls nicht, ich bin faul.
Aber das ist ein gutes Zeichen, bedeutet es doch, dass ich im Herzen jung geblieben bin.

(Awwwww, isser nich süüüüß?) 🥰😍🙄

Rede ich mir jedenfalls ein.
Habe aber auch Beweise. ☝️

Nehmen wir mal meine Wohnung. Da stehen irgendwie zusammengewürfelt Möbel rum. Ein Schrank, der einem, und das ist entscheidend für den richtigen Eindruck, jedoch nicht meinem Jugendzimmer entstammt. Der sieht furchtbar langweilig aus aber… er erfüllt seinen Zweck: Krempel verwahren. Von Werkzeug über Notenbücher und CDs findet sich da einiges, was ich zur Sicherheit mal noch nicht weggeworfen habe.
Bei den unschön gefärbten Briefumschlägen von vor ein paar Jahren bin ich mir absolut sicher, dass deren noch unschönere Inhalte und die daraus resultierenden Aufgaben aka Zahlungen mittlerweile erledigt sind. Warum also haben die ein eigenes Schubfach?! 👀

„Wohn“zimmer

Die 2-Sitzer-/Sessel-Kombi in feinstem Kürbisorange passt dazu überhaupt nicht, suggeriert sie doch irgendeine Art von Geschmack, das Mobiliar betreffend. Einen Mangel an ästhetischem Empfinden dokumentiert das mitnichten, eher eine Art… Desinteresse?
Ganz nebenbei hat mich der 2-Sitzer enttäuscht. Ich hatte mir vorgestellt, dass ich darauf liegend wunderbar meine kostbare, weil nur einmal an mich ausgegebene Lebenszeit mit Netflix und Co verschwenden könnte. Aber das Ding ist für die Waagerechte derart unbequem, dass man mit einer Unmenge an Decken und Kissen für eine mittel-okaye Liegeposition sorgen muss. Wozu ich, richtig, zu faul bin! Kissen und Decke müssen ja für die Nachtruhe wieder ins Schlafzimmer, weil der 2-Sitzer zu klein ist, um als 1-Lieger durchzugehen. Um Missverständnissen vorzubeugen, sind 2-Sitzer und Sessel meist zur Hälfte unter Klamotten und Krempel-der-da-unbedingt-liegen-muss begraben.

Was mich am meisten verstört: Ich habe kein Bücherregal. Nicht ein einziges. Und auch nur wenige Bücher, die entweder im oben beschriebenen Schrank rumliegen oder den Weg aus den Umzugskisten von vor… Jahren noch nicht gefunden gekonnt haben wollen.

Zentrum des „Wohn“zimmers: Schreibtisch mit Computer, E-Piano daneben und Lautsprecher-/Mikrofongedöns obendrauf. Hier entstehen die meisten BlockpostsTM und andere Kleinkunstmachwerke.

Küche

Die Küche ist nicht viel besser. 1 Tisch, 2 Stühle, nichts passt zusammen. Noch ein kleinerer Tisch, der als Stellplatz/Ablage für Wasserkocher und… Sachen dient. 1 Herd, dessen Backröhre kaputt ist. Immerhin gibt’s ‘ne Spüle und einen Kühlschrank, aber keinen Geschirrschrank. Das Geschirr muss sich zum einen ein absurd unpraktisches Regal mit dem Toaster, ‘ner Lampe und meiner überschaubaren Gewürzsammlung teilen, zum anderen gibt’s ja noch Kisten. Die defekte Backröhre darf auch Töpfe und Pfannen beherbergen.

Das Schlafzimmer ist lediglich der Raum, in dem ich schlafe. Nicht mal da steht ein richtiger Schrank. Nein, es hat nur zu so einem komischen Zusammensteckteil gereicht, welches aus Gründen der User Friendliness eher selten verschlossen ist. Der Inhalt auch, mhm, sagen wir quantitativ übersichtlich, strukturell jedoch meist unübersichtlich.

Schlafzimmer

Alles in allem „wohne“ ich also in Verhältnissen, die man als wie-damals-beim-Studium bezeichnen könnte. Nur halt mit mehr Platz. Eben nicht im Studentenwohnheim. Auch ohne Mitbewohner. Und ohne Bücherregal. Ihr wisst, was das bedeutet? Ja genau. Ich bin einfach die letzten 25 Jahre nicht gealtert, yaaay!

Ich höre euch sehr wohl lachen! Frechheit, sowas…

Natürlich meine ich innerlich. Genau das ist doch das Problem! Der Körper verfällt zunehmend (ja, hab wieder 5 Kilo zugenommen), aber se Brain wird nicht reif-, äh… älter!

Warum das plötzlich ein Problem ist?

Ich habe eines Tages gaaaaanz zufällig bemerkt:

„Huch! Ich wohne ganz alleine. Hatte ich nicht neulich noch ‘ne Freundin?!“

Ok, ok, „neulich“ ist dann doch schon ein paar Tage her und gestern plötzlich hab ich eine Notification aufm SnobPhone „**** has a crush on you! She will disappear in 24hrs“.

Oder so ähnlich.

Wie auch immer das passiert ist, ich habe wohl einen Account auf einer Dating-Plattform. Erstmal tief Luft holen…

„**** has a crush on you“, ist schon ein bisschen over the top, don’t you think, App-deren-Name-ich-nicht-nenne-auch-wenn-es-nicht-Tinder-ist (A.D.N.I.N.N.A.W.E.N.T.I.). Aber „She will disappear in 24hrs“? Really?! Das ist hart. Aber noch ist nichts verloren, ich kann sie eventuell vor dem drohenden Verschwinden retten! *setzt Heldengesicht auf*

Immerhin hat sie sich die Mühe gemacht, bei A.D.N.I.N.N.A.W.E.N.T.I. auf meinem Profil (wie ist das nur dahin gekommen?) irgendwas anzuklicken, was mir wiederum diese Notification geschickt hat…

Aber was? Was antworten?

Bilder, die irgendwie auf dieses Profil bei A.D.N.I.N.N.A.W.E.N.T.I. gekommen sind

Man stelle sich mal vor, wie das im Real Life abläuft. Da ist man also bei, sagen wir bei Jens… ja, man ist bei Jens zum… Essen eingeladen. Jens‘ Freundin, nennen wir sie… Jutta, Jutta hat also auch Leute eingeladen, also… Frauen jetzt. Na ja, und da kann man sich schön die Gespräche anhören, sagt ab und zu mal was Intelligentes wie „Hm.“ oder „Genau!“ und nach 30 – 73 Minuten merkt Mann, ob er eine der Fr… Fra… ob ihm eine der Leutinnen sympathischer ist als… Vielleicht merkt er sogar, ob er selbst quasi, gewissermaßen als sympathisch empfunden worden wäre, in so einer Art Paralleluniversum oder so?

Jedenfalls ist das schon awkward genug und Mann hofft, sich nicht allzu sehr zu blamieren, weshalb er nicht sagt, dass er immer noch wohnt, als hätten die letzten 25 Jahre einfach nicht stattgefunden und wenn er was Dummes sagt, dann haben das doch morgen eh alle vergessen, oder? Nach der Menge an Wein, die er getrunken hat- warte mal, Logikloch, sie hat gar nichts getrunken, sie war ja mit dem Auto da und musste eh früh raus, Mist, wenn sich jemand an seine blamable Awkwardness erinnern kann, dann sie!

Ganz ruhig, Herr S.! Du musst Dich nicht in Situationen reinsteigern, die so gar nicht stattgefunden haben!

Das beruhigt mich. Nein wirklich, das beruhigt mich richtig echt und un.gE.LOGEN WIE SOLL MIR DAS DENN JETZT BITTE HELFEN?!

Also, was soll ich denn da nun schreiben? Wer oder was auch immer mich bei A.D.N.I.N.N.A.W.E.N.T.I. angemeldet hat, hat das definitiv nicht durchdacht. Das ist doch irgendwie so, als würde ich mitten auf der Straße, nein, dem Gehweg… mitten auf dem Gehweg jemanden ansprechen und sagen:

„Hi.“

Mehr fiele mir da auch nicht ein.

Außerdem müssten sowohl diese fiktive Jemand als auch ich ein Schild „Sprich mich an!“ umhaben. Das ist doch absurd!

Ich könnte ihr natürlich auch einfach diesen Text schicken. Vielleicht wird das dann ein sehr kurzer Chat. Wenn es überhaupt eine Sie ist! Vielleicht ist sie nur ein Bot? Oder so ein gruseliger Typ, Mitte 40, im Keller des Hauses seiner Mutter, bei der er noch wohnt, WUUUUUÄÄÄÄÄÄÄHHH!

Und was, wenn sie nach einem ersten, unschuldigen „Hi.“ denkt, ich wäre so ein Typ im Keller?! Ich begrüße sie also mit:

„Hi, ich bin zwar ‚Mein Schrank hat inzwischen ein eigenes Medikamentenfach.‘ alt, aber ich bin noch total jung und so, wie damals beim Studium, LOL. Trotz- und Außerdem, ich bin nicht der Typ im Keller seiner Mutter, die ist nämlich schon vor ein paar Jahren gestorben!“

Fünf Minuten später, das SnobPhone plingt. Eine Notification von A.D.N.I.N.N.A.W.E.N.T.I.

„Das Match mit **** wurde aufgelöst.“

GesichtspauseTM

Hätte ich ihr vielleicht doch als erstes von meiner Staubsaugergeschäftsidee erzählen sollen?



Nachtrag

**** wird wohl deshalb disappearen, weil man für das Annehmen eines Chat Requests bezahlen muss.

GesichtspauseTM


© 2020 albert sadebeck

Ein Kommentar zu „Wie damals beim Studium

  1. Also das gefällt mir ja so richtig gut! Aber etwas verstört bin ich dennoch. Wie jetzt, wenn man älter wird, muss man erwachsen werden und vernünftig sein? Äh… Na gut, vertiefen wir das mal lieber nicht. Und was die Briefe mit unschönem Inhalt angeht – ich sage nur Blockpost.
    Der Blick aus deiner Küche gefällt mir Grün mit Amsel oder auch Krähe,

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