might as well be having a laugh


„Gut, dann eben später.“

Denke ich und schließe das Schreibprogramm wieder.

Zwei Wochen sind vergangen, seit ich den letzten Blockpost™-Text zusammengetackert und ins Netz geballert habe. Und ja, ich ärgere mich über mich, über meine Unfähigkeit, etwas halbwegs… nein, es müsste nicht mal gut sein, es reichte schon, bekäme ich überhaupt etwas zusammen, was in die Kategorie „hab ich geschrieben“ passte.

Ich wollte also eben gerade wieder aufgeben und „auf Inspiration warten“, so lange die Zeit mit Unfug totschlagen, bis „mir was Witziges einfällt“, über das ich schreiben könnte. Dann merke ich: „Mir fällt nichts ein, nicht mal was Unwitziges.“ Gesichtspause™ gefolgt von…
Ne, das war’s tatsächlich schon. Gesichtspause™ und dann nichts weiter.


Is‘ halt so, musste mal durchzieh‘n. Glaubste, die anderen Kleinkünstler:innen hamm immer Lust, was zu schrei‘m? Nä, das is‘ Arbeit, ganz einfach.

Cool, wirklich. Hatte ja gehofft, einmal von Kommentaren meines Hirns verschont zu bleiben, aber… Nun ja, immerhin habe ich es tatsächlich geschafft, das Schreibprogramm wieder zu öffnen und offensichtlich bin ich dabei, es auch zu benutzen.

Du weißt schon, dass das Schreiben darüber, dass Du schreibst, keine neuen Informationen, keine Überraschungen, keine Unterhaltung oder sonstige geistige Stimulation Deiner Leser:innen hervorruft?

Nehee, weiß ich nicht! Und selbst wenn, vielleicht ruft es ja ganz andere Stimulation hervor?! Vielleicht sind meine Leser:innen schon von der Tatsache, dass sie meine Texte lesen derart begeistert, dass sie…, dass sie…

Jaaa? Das sie… was?

 Ja, ok, hast recht, is‘ langweilig.

Dabei hatte ich mir für dieses Wochenende echt was vorgenommen. Am Montag ist ja Frauentag. Und da ich ein großer Freund von sowohl Frauen als auch Tagen… ne, das kommt jetzt irgendwie falsch rüber. Ehm, nicht dass ich was gegen Tage… also, ich hab damit keine Probleme- Es wird nicht besser, oder?

Nope.


Jedenfalls (ist der Kopf dicker als der Hals, ich weiß), jedenfalls wollte ich eigentlich so ‘n kleines OnlineLiveDingens machen. Na, so wie zum Fellbällchenkotztag aka Valentinstag. Nur halt in besser, weil mit Texten und Liedern von… Frauen. Immerhin habe ich ja das Glück, dass hier auch eine Frau mitschreibt, was die Beschaffung der Aufführungsrechte vereinfacht. Doch schon bei der Suche nach geeigneten Liedern wurde es schwierig, denn offenbar kenne ich zu wenige Lieder, die von Frauen geschrieben wurden.

Weshalb das ein Problem ist? Nun ja, ich wollte jetzt nicht unbedingt die zwanzigtausendste Version eines Frauentagsprogramms machen, dass sich im Wesentlichen auf „Schampönchen, Flachwitzunterhaltung, Trallala“ beschränkt. Denn so sehen solche Angebote doch meist aus, oder? Irgendwelche Belegschaften von Physiotherapie- und sonstigen Praxen, Lehrerinnen sowie örtliche Pilates Gruppen bekommen möglichst unanstrengende, gern auch minimal anzügliche Theater- und/oder Kleinkunstprogramme vorgesetzt, die am besten funktionieren, wenn die zuschauenden Damen schon leicht einen sitzen haben.

Don’t get me wrong, ich hab’ da grundsätzlich nichts dagegen. Aber solange das Patriachat nicht überwunden ist, muss Mann den wichtigsten Tag des Jahres, der auf die fortbestehende Diskriminierung von Frauen hinweist, nicht mit zuckersüßer Trunkenheit zukleistern.

Mir gingen Gedanken wie „Sichtweisen von Frauen eine Plattform geben“ oder „die Welt durch ihre Augen sehen“ durch den Kopf.

Dann fiel mir ein, wie dumm das ist. Texte und Lieder von Frauen, gelesen und gesungen von einem Mann – genau das hat die Welt unbedingt gebraucht. Und ich kenne nicht mal genug Lieder aus der Feder von Frauen! Jedenfalls kenne ich sie nicht gut genug, um sie halbwegs adäquat spielen zu können.


Bevor ich mich jedoch ausreichend in die Unzulänglichkeiten meiner Kenntnis weiblicher Kunst hineinsteigern konnte, half mir die mir treu zur Seite stehende Depression mit einer Rundumattacke aus der Patsche. Treffsicher wie immer reichte ihr Arm irgendwo aus der Tiefe nach oben und hatte Rückgrat wie Herz so sicher in ihrer eisigen Hand…

Ein Teil von mir möchte das bestimmt genauer erklären, einige andere Teile würden es gern erklären können. Ich weiß aber gerade wirklich nicht, wie das geht und außerdem…

Ricky Gervais sagt in Interviews gerne, und ich paraphrasiere hier nur: „What’s the point? We’re all gonna die soon, might as well be having a laugh.”

Ganz bestimmt heißt das nicht, dass man nichts mehr ernstnehmen sollte, jegliche Ungerechtigkeiten nicht bekämpft und Liebe, Wärme, Kunst, die bloße Existenz von Leben nicht gefeiert gehörten. Doch nur damit irgendetwas gesagt wird, nur damit was passiert, damit es nicht still ist… Nein, es gibt schon mehr als genug Geräuschmüll. Und wer weiß, vielleicht versuchen wir es generell mal mit weniger reden und mehr zuhören.

Biste jetzt fertig?

Äh… womit?

Deiner Oberlehrerstunde?

Meiner was?!

Hast mich schon verstanden.

Nä, hab‘ ich nich‘!

Is‘ gut jetzt. Kannst den Zeigefinder wieder runternehmen, alle hamm’s begriffen.

Ich nicht!

Ich weiß.

Klappe, Hirn!


© 2021 albert sadebeck

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