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Blockpost™ it's all fun and games ('til someone cries) was so passiert

Das Foto


Februar…

…und das Thermometer zum ersten Mal im 2-stelligen Minusbereich. Ich gammle mit neugeborenem Kind auf der Couch umher und fühle mich einsam. Beschließe also, sobald die Kraft zurück ist, fahre ich mal wieder zur Reitstunde. Voller positiver Energie vereinbare ich sie noch und bin ruhiger.

Es ist immer noch kalt. April oder so.

Aber mittlerweile ist der Winterspeck so konstant, dass es nicht mehr so auffällt. Vor meiner Reitstunde habe ich einen Banktermin, danach will ich zu meinen Eltern. Ich brauche also ein ordentliches Outfit für den Kredit, ein schludriges für den Stall und ein möglichst tierhaarfreies für die elterliche Couch im Anschluss. Fürs Kind was Mittelwarmes für drinnen, extrem megakuschelbeheizt für draußen und irgendwas dazwischen für alle Fälle. Ich packe den halben Haushalt ein. Danach den Rest. Sicher ist sicher.

Mit Babyschale in der linken Armbeuge, dem Rucksack aufm Rücken, einer Tasche für unterwegs rechts am Arm, zwei Beuteln mit Zeug in der Hand, Autoschlüssel, Haustürschlüssel, Handy und Handschuhe irgendwie an und in meinen Fingern gebe ich ein jämmerliches Bild eines betagten Packesels ab, der sich, wenn er könnte, selbst erlösen würde. Ich bin zu müde für den frühen Termin, zu kraftlos für die Reitstunde und definitiv für die Treppe zu überladen. Mir kullert eine Träne der Anstrengung übers Gesicht, aber ich habe keine Hand, Ellenbogen oder sonstiges Körperteil frei, um sie weg zu wischen. Stattdessen also Schritt für Schritt die Stufen nach unten, die Babyschale bei jedem Schritt vor mein Knie polternd. Atemlos und am Rande des Wahnsinns unten angekommen, schleiche ich betroffen am Mahnmal der Unfähigkeit vorbei, meide Blickkontakt und rede mir ein, dass auch andere Menschen eine gestörte Beziehung zu ihren Briefkästen haben. Ich kann nicht der einzige Mensch sein, der lieber den Hinterausgang mit Umweg in Kauf nimmt, um das Ding nicht zu sehen… Leider war mir der Umweg heute zu lang. Ich wollte auf schnellstem Weg zu meinem Auto, um all das Gepäck aus meinem Aufgaben- und Kraftbereich zu entfernen. Einmal alles eingepackt, würde es sicher leichter werden.

In Gedanken an unliebsame Post – wer mir Freude machen will, sende mir etwas ohne Rechnungen!! – nähere ich mich meinem Auto. Ein grellroter Mazda aus erster Hand. Das Automatikgetriebe eingefahren vom mittlerweile verstorbenen Vorbesitzer (RIP), welcher mir unbekannt blieb. Alles was ich von ihm weiß: Es muss ein gemütlicher Mensch gewesen sein, denn den 5. Gang habe ich diesem Wagen beibringen müssen.

Als mein offiziell so richtig eigenes Auto, mit selbstbestimmtem Nummernschild (nein, keine Initialen… ein Wortspiel natürlich!) achte ich sehr darauf, weshalb es mich besonders ärgert, dass in der langen Parkreihe am Gehweg vorm Haus ausgerechnet mein Auto zugefrorene Scheiben hat. Was sollte der Scheiß? Ich hatte keine Hand frei zum Kratzen und wollte das kleine Kind keinesfalls im Kalten warten lassen, bis die Glasscheibe sich erbarmte, ihre Aussicht mit mir zu teilen. Meine Erschöpfung schlug in Wut um. So ein Dreck. Alle anderen Autos waren glasklar, nur meine olle Karre… was war das? Hatte ich vergessen die Tür zu schließen??? Ich näherte mich ungläubig.

Die Hintertür der rechten Seite schien nicht vollkommen geschlossen, seltsam. Vielleicht war sie nicht ins Schloss gefallen, als ich, sicher wieder nur mit der Hacke, weil überladen vom Gepäck und Kinderschale, die Tür mit einem Seufzer zu gekickt hatte. Verdammt. War also meine Schuld, dass ich nun nicht pünktlich loskam. In mich grummelnd schichtete ich meine Habseligkeiten wackelig neben das zum Glück liebe Kind auf den Gehweg und bereitete mich mental auf das Einfrieren der Finger vor. Ich konnte gar nicht so viel theatralisch ausatmen, wie ich genervt war. Ich öffnete also die Tür, die ja eh nicht verriegelt war, um das Kind schonmal in das Fahrgestell zu verfrachten und nicht auf dem Boden erfrieren zu lassen und erstarrte…

Da lag jemand…

„Das glaubt mir kein Schwein.“

– Da haste recht, mach ’n Foto!!!!!!

Als geübte Neugeborenen-Fotografin, zu der ich mich in den letzten Monaten entwickelt hatte (naja mutiert bin…), war der Griff in meine Hosentasche, Entsperren, Kamera-App starten und auf den Auslöser drücken zu einer meiner leichtesten Übungen, fast schon größten Hobbys geworden. Ich hielt als pflichtbewusste Mutter jede Sekunde doppelt fest, sicher ist sicher, man könnte ja was verpassen. Meine Kamera hätte ich nachts um 4 aus dem Tiefschlaf starten können – „Tief“-was??? … Klappe Hirn!

Hätte ich gewusst, dass das monatelange Training für diesen Moment Gold wert war… wäre ich vielleicht nicht so erschrocken gewesen.

Ein erwachsener Mann in Arbeitsklamotte hatte den Fahrersitz ganz nach hinten gedreht, sodass sein Gesicht, welches auf Höhe der Rückbank lag, mich direkt anschaute. Während ich mein Telefon zückte, richtete er sich auf, und die Pose, die auf dem Beweisfoto abgebildet wurde, hätte lässiger nicht werden können. Wer von uns beiden mehr verdutzt aus der Wäsche glotzte lässt sich dank fehlender Aufnahme meines Ausdrucks nicht mehr feststellen… Meine Wut wurde zu Erstaunen.

Hirn ratterte auf Hochtouren und brachte immerhin:

„Ähm… das ist mein Auto!“ zustande.

Wahnsinn.  Mich machste in einer Tour fertig und da musst du Schlagfertigkeit erst noch googlen?!!!

– oh, schlagen wäre auch eine Alternative gewesen…

Gesichtspause™.

Der in seinem Schläfchen empfindlich gestörte Mann, rappelte sich auf, verließ meinen Mazda durch die Fahrertür und torkelte bergauf die Straße von dannen.

Hirn!!! Was machen wir jetzt?

Sag die Reitstunde ab! Das schaffen wir nicht mehr! …

…“Hi, sorry, aber ich werde zu spät kommen heute… ne, nichts passiert… ein Fremder hat mein Auto aufgebrochen und drin übernachtet… was die Polizei dazu sagt? Die ist noch nicht da… ja, genau deswegen dauerts hier noch… Danke, bis später“

Polizei! Genau…


Während ich darauf warte, dass die Ordnungshüter eintreffen, wird mir klar, dass es kein Frost ist, der mir die Sicht nimmt. Die Scheiben sind von innen angelaufen. Jemand hat mein Auto vollgeatmet.  Bäh… mein Erstaunen wandelt sich in Ekel.

„Können Sie den Mann beschreiben.“

„Nun… nein, aber vielleicht hilft das Foto von ihm weiter?“

Ungläubige Blicke.

„Sie haben ein Foto??“

„Also, ja…“
Ich zücke mein Telefon und halte den lässig in meinem Auto hängenden Kerl Richtung Beamten.

„Ok, das ist hilfreich. Aber das hätte auch derbe schief gehen können. Stellen Sie sich mal vor, der Mann wäre wütend geworden!“

„Ich hab‘ das sehr schnell gemacht. Eigentlich kaum drüber nachgedacht. Mach ich nicht wieder.“

…siehste Hirn, das war ‘ne dumme Idee!!!!


September.

Ich bekomme einen Anruf meiner Eltern. Papa ist am Telefon. Das kann nichts Gutes heißen… mir wird warm…

„Hier ist Post für Dich. Vom Gericht.“

„Fuck“, denke ich…

„Mach mal auf!“

„Die Anzeige wurde fallen gelassen. Der Mann in Deinem Auto hat keine Meldeadresse und kann nicht belangt werden. Bekommst keine Kohle. War ja klar.“

Puh… immerhin hab ich noch das Foto.


© 2021 hollingtonsmum

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Anmerkungs-Blockpost™ mit Grinsen


Da gab es also diese Schreibpause. Und offenbar begann die so abrupt, dass sich hier im Speicher noch bereits geschriebene Texte versteckt hielten. Tja. Was machen mit den getippten Gedanken? Einfach mal raushauen. AABER nicht komplett unkommentiert: der bereits 1 Jahr alte Beitrag…

Wie bitte, wie lange hast du nichts verfasst? Schämt dich!

Klappe Hirn.

Genau, Klappe Hirn! (Anm. v. Herrn S.)

Also, der eingestaubte Beitrag, den gibt es und das Ereignis dazu gab es auch. Aber, und das ist jetzt spannend.

Sagt wer? ….

Die Wut, die gibt’s nicht mehr. Über einige scharf formulierten Sätze muss ich heute grinsen und würde sie so vermutlich nicht mehr tippen. Ein Jahr ist vergangen und ich habe aufgehört zu kämpfen, einige Schichten Schutz von mir gerissen, gelernt, weniger zu explodieren und mehr zu atmen. Wie kommt‘s?

Am Yoga liegts nicht, das machste ja nie.

Hirn… du nervst.

Trinkst du heimlich? Alkohol macht gleichgültig.

Macht Alkohol nicht streitsüchtig?

Ahaaa, streiten wir grade, oder was?!

Gesichtspause™

Wut. Wut ist ein guter Indikator, um mal zu schauen wo‘s weh tut und wieso eigentlich. Und Wut ist die einzige Emotion, die es schafft, dass ich freiwillig renne. Ich spüre die Welle an Emotion so körperlich, dass ich irgendetwas damit anstellen muss. Und um nicht Godzilla artig das Umfeld in Schutt und Asche zu legen, renne ich los. So lange, bis der Drang zu schreien meine Füße nicht mehr antreibt.

Ich gebe zu es gab bisher nur wenige Ereignisse in meinem Leben bei denen ich vor Wut gerannt bin.

…kommt daher eigentlich das Sprichwort „rasend vor Wut“?

… öh wäre möglich…

Na, du wärst sicher kein Maßstab dafür. Bei dir hieße es …

Klappe Hirn!

Aber es gab sie. Das Thema Kind im Bett ließ mich nie joggen, hatte aber Triggerpotenzial, sodass ich die ein oder andere Diskussion impulsiver ausficht als vielleicht nötig.

Ausficht? Was ‘n das für ‘n Wort?? Gibt’s das??

Keine Ahnung, wird Herr S. uns schon mitteilen.

“Ausfocht“, verehrte Hollingtonsmum, „ausfocht“.
„Ausficht“ gibt’s schon auch, gehört aber zum Indikativ der 3. Person, Singular.
(Anm. von Herrn S.)

Druck erzeugt ja bekanntlich Gegendruck, und so sehe ich heute (ein paar Monate nach meinem Text) ein, dass es wohl wenig bringt, Menschen mit Wut zu begegnen. Dass ich heute keinen Drang habe mit Menschen zu diskutieren, die Familienbett blöd finden, liegt wohl zum Teil auch daran, dass ich im Alltag keine Gründe habe, das zu verteidigen. Und ein Alltag ohne tägliche Kämpfe lässt [mich] entspannter und klarer denken. Ich muss es im inneren Kreis nicht rechtfertigen, also kann mir der äußere Rest egal sein. Wie angenehm. Stellt euch bei dem Text ‘ne Katze in einem Karton vor.

Schrödingers Katze? (Zwischenfrage v. Herrn S.)

Cooles Bild.
Schrödingers Katze: Man weiß wirklich nicht, ob man lebt oder tot ist.
Wahrscheinlich überlebt man in diesem Straßenkarton.
Aber sollte das wirklich das Ziel dieses Lebens sein?
Schrödingers Katze. Schon doch auch.
(Anm. d. Autorin zur Zwischenfrage)

Der* liegt zwar gratis und leicht zu erreichen auf der Straße, aber Kinder treten davor, sticheln mit Fingern nach dem Kätzchen und stänkern.

*) der Karton (Anm. v. Herrn S.)

Heute chillt die Miez gelassen im Baum und wer sich die Mühe macht da hochzukraxeln, kommt selten, um zu zanken.

Ps: tippe diesem Text mit links*, weil auf dem rechten Arm der wirbelwind sanft gebettet vor sich hin schnarcht. Seine locken kitzeln in meiner Nase und ich bin froh das ich den Karton mit viel Kraft hinter mir liess.

*) Deshalb bleibt diese Passage auch unlektoratatiert (oder wie das heißt).
Und weil es witzig ist.
Außerdem bin ich von Deinen Links-Tipp-Skills amazed. (Anm. v. Herrn S.)

PPS: Musste feststellen, dass es zwar blöd ist, joggen zu müssen, wenn man keinen Bock hat, aber nicht joggen zu dürfen, wenn man wütend ist … boar…


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Von Eidechsen, Monstern und einem Karussell


Ich habe die meiste Zeit keine Ahnung, was ich als Mutter tue. Ich frage mich, ob die Meinungen über meine Lösungsansätze gerechtfertigt sind, wie viele Fehler ich mache und was mein Kind seinem Therapeuten später über sein Verhältnis zum Elternhaus erzählen wird.
Ich mute meinem Kind Umzüge und Veränderungen zu, obwohl ich selbst Ruhe und Beständigkeit suche. Ich habe manchmal keine Lust auf dem Boden mit Autos zu spielen und manchmal keine Zeit, um die dritte Runde Buchvorstellung durchzuführen, bis das passende Vorleseexemplar gefunden ist.

Dennoch höre ich manchmal, ich sei besonders geduldig, was meinen Sohn angehe.
Ein Beispiel:

August 2020

Wir besuchen ein Aquarium. Auf dem Weg zum Eingang stehen wir Schlange. Mein Kind sieht ein Kinderkarussell und fragt, ob es drauf darf. Ich finde die Fahrt mit fünf Euro pro Runde zu teuer, bin mir auch nicht sicher, ob er mit seinen zweieinhalb Jahren wirklich da sitzen bleibt, in Anbetracht des bevorstehenden Mittags im Imbiss und der möglichen Souvenirs drinnen verneine ich.
Er ist enttäuscht, aber die Schlange bewegt sich weiter und die Aussicht auf Fische lenkt ab. Wir werden begleitet von zwei weiteren Kindern. Das Gebäude ist geschickt angelegt, sodass man schon beim Eingang an allen erdenklichen Spielsachen vorbeimuss. Kuscheltiere, Schlüsselanhänger, Blöcke, Stifte, alles.
Teuer.
Naja.
Eines der anderen Kinder entdeckt eine Eidechse in XXL. Sicher 1 Meter lang. Es will sie haben. Das zweite Kind schließt sich an… wir beschwichtigen mit „eventuell danach“ …jetzt erstmal rein da. Ohne Echse!

Wir verbringen den halben Tag im Aquarium, es läuft gut, die drei Kinder machen gut mit. Hören im Gedränge, interessieren sich für die Tiere, schauen und zeigen viel. Nach einer Stärkung verlassen wir das Gebäude durch den Kinkerlitzchen-Ein-und-Ausgang.
Die Kinder haben die Plüschtiere nicht vergessen, rasen zum Ständer und betteln. Sie bekommen ihre Wunschfarbe. Um Streit im Nachgang zu verhindern (zwei Stunden gemeinsame Autofahrt), frage ich meinen Sohn, ob er auch will. Er wählt eine kleinere Variante. Mit Bauchschmerzen frage ich erneut: nicht lieber, wie die anderen Kinder, die Große? Er nickt (gleichgültig??). Die drei Reptilien werden eingepackt und wir verlassen den Shop. Und los geht’s. Mein Kind hat auf diesen Moment gewartet. Das Karussell! Er hat es nicht vergessen. Aber es ist kalt und der Hunger noch nicht vollends gestillt. Ungeduld der anderen drängt zum Weitergehen. Ich sehe, dass er wirklich gern fahren möchte. Biete an, ihn zum Auto zu tragen. Er verneint und beginnt zu weinen. Die anderen gehen weiter…

Panik steigt in mir auf. Mein Kind weint mitten auf dem Platz, eine Riesenechse im Arm. Was müssen die Fremden hier denken? Und wieso warten die anderen meiner Gruppe nicht?! Verdammt! Atmen. Hinknien. Erstmal schauen.

Er ist traurig, dass er nicht fahren darf. Die Echse ist ihm tatsächlich kein Trost, die war nie sein eigener Wunsch. Ich höre zu, ich nicke, ich erkläre, dass die anderen warten, die Fahrt zu lange dauert, verstehe seine Tränen und drücke ihn. Er sieht mich an, zieht einen Flunsch, fragt, ob ich ihn doch tragen kann und beginnt auf meinem Arm von den großen Welsen zu erzählen. Die Tränen sind versiegt. Das Karussell abgeschlossen. Er ist nicht mehr traurig und wir sind zeitgleich mit den anderen am Auto.

Etwas später belächelt mich das andere Elternteil. So ein Muschibubu gäbe es bei ihnen nicht. Ich verhätschle mein Kind… aber es bewundere meine Geduld.

Hier meine später in Textform verfasste Antwort*

Mal ‘ne kurze Sichtweise: er ist 2,5 Jahre alt und er wollte, seit er es gesehen hat, mit diesem Karussell fahren. Auch im Aquarium hat er davon gesprochen. Es ist doch vollkommen klar, dass er losheult, wenn wir gehen und er nicht drauf darf. Was erwartest du von ihm? Das er reflektiert genug ist zu sagen, hm doof jetzt aber nicht zu ändern? Er ist 2,5 und war traurig. Und das ist völlig ok. Es ist auch voll ok, dass er nicht damit fahren durfte. Aber er wird doch wohl sagen dürfen, wie es ihm damit geht. Machst du doch auch den ganzen Tag. Sehr deutlich… das Ganze hat keine 5 Minuten gedauert. Und die Echse hat nicht geholfen, falls du das jetzt denkst. Er wollte die Echse nicht haben. Er wollte Karussell fahren und war einfach nur traurig, dass es nicht ging. Ist das so schwer zu verstehen? Das hat nichts mit Geduld zu tun. Ich bin so ziemlich der ungeduldigste Mensch der Welt.
Ich hätte sein Heulen sicher auch ohne Muschibubu beenden können… Mit welchem Effekt? ‚Halt die Fresse, mich interessieren deine Gefühle nicht‘. Bravo. Richtig guter Lerneffekt. So erzieht man gesunde, psychisch starke Kinder, die später mit ihren Emotionen klarkommen.

*Ich war zu müde, um auch noch diesen emotionalen Kampf auszufechten und für meine Ansichten einzustehen.
Es ist anstrengend, bewertet zu werden.


Ich nehme mir vor, weniger auf Meinungen anderer zu hören. Habe dank fehlendem Partner keine zweite Sicht, die mein Kind wirklich kennt. Ich möchte nichts falsch machen, höre daher manchmal hin. Und dann komme ich ins Grübeln. Wann ist es denn außer Mode gekommen, einem Kind Gefühle, Überforderung und grundlos schlechte Laune – sprich menschliche Züge – zuzugestehen? Wieso müssen Kinder funktionieren und wieso sagt man ihnen, wie sie sich wann und wie lange zu benehmen haben? Wieso dürfen sie nicht weinen, sollen schnell die Tränen trocknen und werden abgelenkt von dieser Emotion? Statt zu sagen: Ach guck, so ist man traurig, das sind wir alle manchmal, das darfst du auch. Woher soll ein Kind wissen, wie man damit umgeht, wenn es nicht damit umgehen darf?

…schreibt sich in Rage…

Und wo ich gerade dabei bin: der nächste Mensch, der mir sagt, mein Kind muss alleine schlafen lernen, den lade ich auf meine Kosten zu ‘ner Therapiesitzung ein und dann schauen wir mal, wie ausgeprägt sein eigenes Urvertrauen und seine Wertschätzung sich selbst gegenüber sind. Dann gehen wir mal dem Gefühl von Angst auf den Grund und den Evolutionsphasen unseres Gehirns. Dem zeige ich wissenschaftliche Studien, die belegen, dass Hirn noch im Höhlenmodus funktioniert und den erinnere ich an die Dunkelheit, die ihm als Kind eine Heidenangst eingejagt hat. Mein Kind ist mittlerweile fast 3. Das muss nicht alleine schlafen lernen. Das habe ich nicht mit Nähe verwöhnt. Und wenn doch, dann freue ich mich, dass es weiß, dass jemand kommt, wenn es ruft. Dass es sich gelassen darauf verlässt, nicht allein zu sein. Dass es keine Ängste ausstehen muss oder Monster unter seinem Bett sieht. Denn das ist unser Bett, und das Monster will ich sehen, das es wagt, eine Mutter anzugreifen.


Schlafen kann man nicht lernen.

Kinder kann man nicht mit Nähe verziehen.

Man kann Kindern nicht zu lange versichern, da zu sein.

Man kann ihnen nicht zu sehr auf Augenhöhe begegnen.

Man muss ihnen nicht sagen, wie es ihnen zu gehen hat.

Sie wollen nicht gelobt, sondern verstanden werden.


Was wäre es für eine Welt, in der Kinder aufwachsen, die gelernt haben zu sagen, wie es ihnen geht, was sie gerade brauchen, Grenzen zu respektieren und Kommunikation als Lösung erlernt haben. Empathische Wesen, die sich selbst wertschätzen, weil andere es taten, als sie noch klein waren und es nicht anders kennen. Menschen, die nicht voller Angst und Enttäuschung Nacht für Nacht im Bett lagen, während ihre Eltern sich ein Bett teilen. (Ha was da los?! Wollten die nicht alleine im Zimmer schlafen?!!) ….

Wenn mir das nächste Mal jemand sagt, ich hätte meinem Kind beigebracht, nicht allein schlafen zu können, höre ich nicht hin. Ich bin verunsichert genug und habe alle Mühe, auf mein Gefühl zu vertrauen. Also schickt eure eigenen Kinder allein ins Bett und lasst mich in Ruhe. Und wenn eure Kinder dann aufgegeben haben euch zu rufen und schlafen, dann forscht doch mal, wo diese „Strategien“ herkommen… richtig, aus den 1930er Jahren. Und jetzt überlegt ihr in dieser ruhigen Minute bitte, wieso es wichtig war, Kinder emotional abzugrenzen und sie nicht zu bestärken. Wieso soll ich auf Ratgeber hören, die für Kriege und anderes menschenverachtendes Zeug verfasst wurden? Ich möchte das nicht. Ich mag mein Familienbett. Und es wird mir fehlen, wenn mein Kind irgendwann groß genug ist und sagt: Ich habe keine Angst, alleine einzuschlafen. Gute Nacht, Mama.

‚Ich kann aber nicht schlafen, wenn mein Kind die ganze Nacht neben mir zappelt!‘ … das ist völlig ok. Dein Kind schläft also, seit es 4 Monate alt ist, in seinem Bett. Ok. Wieso muss meins das auch?! Ich kann prima neben ihm schlafen. Also…

Lass mich.


© 2021 hollingtonsmum

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Life goes on, mir ist kalt, ich habe Hunger


ÖöööhÖhjöööööhÖhjöööööh!

Das fasst, wie ich finde, alles ganz gut zusammen.
Auch mein Hirn dachte sich das und manifestierte diesen Gedanken just in dem Moment, als ich mich zu dieser inhaltlich NullKommaNull vorbereiteten Blockpost™ entschloss und das Schreibprogramm des Grauens startete.

Hm, die Zeitformen machen mir gerade Schwierigkeiten. Wegen Hollingtonsmum. Sie liest gerade ein Buch (oder ist schon fertig damit, oder liest es schief hö-hö, who knows) und findet wenig Gefallen am verwendeten Präsens. Schade eigentlich, ist es doch eine Zeitform, die ich eigentlich auch ganz gern benutze. Weil es dieser Typ mit dem Känguru auch so macht und ich mir davon über kurz oder lang (definitiv frühestens lang!) wenigstens ein bisschen Erfolg verspreche. Aber wenn Hollingtonsmum Präsens jetzt doof findet, ich meine… immerhin ist sie eine der wenigen mir wohlgesonnenen Mitmenschen, die von Zeit zu Zeit mal die Blockpost™ lesen.
Mir fällt zum Glück noch rechtzeitig ein, dass sie auch die kurzen Sätze nerven. Das beruhigt mich doch, denn eines sind die in den verschiedenen Blockpostsen™ offenbarten Gedanken, Emotions and… stuff garantiert nicht: In kurze, leicht verständliche Sätze gepackt, damit der Zugang für alle potentiellen* (oder „potenziellen“?) Leser:innen gewährleistet ist.

*Versuchen Sie, alte Schreibvarianten zu vermeiden.“ (Anm. d. Schreibprogramms)

Nun, ich werde dieses Buch auch lesen, und zwar fast gleich bald sofort. Vielleicht** Eventuell** Möglicherweise lerne ich dabei noch etwas über effizienten Satzbau.

**Echtzeitkorrektur


Die Bahn, ey… Ich musste (hm, kein Präsens, na gut) – ich musste also diese Woche mal von Stinkytown nach Ironpast. Auf dem Weg zum Bahnhof schaue ich aus purer Vorsicht noch mal in die Bahn-App und was steht da in dem Feld bei ICE 1650?

„Train repair – Journey cancelled“

You know what, Bahn? Leck mich doch!

Glücklicherdings erbarmt sich ein Freund und fährt mich nach Ironpast, denn da habe ich ja einen Termin, den ich möglichst pünktlich erreichen will/muss/soll/darf(?). Unterwegs erfreut mich die Bahn-App mit folgender erquicklichen Nachricht:

ICH BIN NICHT ON BOARD eures verkackten ICE 1650, because se JOURNEY WURDE GECANCELLED!

Rückfahrt. Umsteigen in Gotham. Der Zug, nein, Schienenbus (!) nach Bath Longensalt, wo ich dann erneut umsteigen darf, um endlich nach Stinkytown zu gelangen, steht bereit. Nach zehn Minuten in der Kälte warten, kommt dann auch mal Schienenbusfahrer D. Illgurke und öffnet das Gefährt. Schön.
Und dann fährt die Bude einfach mal 3 Minuten zu spät los, weil der feine Herr Schienenbusfahrer NOCH NE TÜTE SÜßKRAM KAUFEN MUSSTE?!

Weshalb mich das so aufregt? Nun ja, die Umsteigezeit in Bath Longensalt ist nicht gerade üppig bemessen und allein die Vorstellung, auf dem Weg von einem Kaff über zwei andere Käffer in das Kaff, in dem ich wohne, auch noch in einem dieser… Zwischenkäffer rumzuhängen und mindestens noch ‘ne Stunde auf den nächsten Schienenbus (!) warten zu müssen, und das ohne Frühstück, Kaffee, Kippen (denn ich rauche ja nicht mehr), das REGT. MICH. EIN. FACH. AAAAAAAUF!!!!!1!!!!!!!11!!


Life goes on, mir ist kalt, ich habe Hunger. Wäre ein guter Schluss, oder?

Sagte er, am Schreibtisch sitzend und sich fragend „Hätte ich nicht am Fenster stehen sollen? Das gäbe ein cineastischeres Bild…“

Und er entschwand in einem Anflug von… Chungelhose und Jacke, weil is‘ ja kalt und so.
In die Küche.
Schüss.


Barrierefreiheit: Keine Probleme (Anm. d. Schreibprogramms)


© 2021 albert sadebeck

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aus lauter verzweiflung


Wuuuäääh!

Ich bin üborhaupt noch gar nicht richtig wach, wie man unschwer am völlig unkorrigierten „übor“ in „üborhaupt“ erkennen kann. Wenn man will. Oder ist es Absicht? Who knows?

Who cares? ¯\_(ツ)_/¯

Exactly, no one.

Außerdem: Frost. FROST!!! Mal ganz ehrlich: Was soll der Unsinn? Auch wenn man ab heute schon beinahe von „Mitte Oktober“ sprechen kann, ich weigere mich, die Heizung zu aktivieren. Klimakrise und so. Obendrein: Heizkosten in einem finanzierbaren Rahmen halten.

Es war eine schwierige… ne, eine… anstrengende… ne, …
Es war eine Woche. Yep, das muss als Kurzbeschreibung reichen. Ha, Kurzbeschreibung! Politische Gags, you know? Nicht?! Dann googelt mal „Kurz“.
Meine Woche bestand aus… ja, auch aus Arbeit. Mal wieder am Schnittplatz. Leider bestand diese Woche aber auch aus Lärm.

LÄRRRRRRM!

Ich hasse Lärm. Ja, „hassen“ ist ein sehr extremes Wort, aber hier verwende ich es aus tiefster Überzeugung. Lärm lässt mich einfach … nichts tun. Gar nichts. Jede Faser meines Seins legt ihre Aufmerksamkeit auf die Quelle, nein, QuellEN des mich umgebenden Geräuschmülls und verhindert, dass in diesen Stunden, was sage ich, TAGEN der Agonie irgendetwas anderes stattfindet als das pure Sehnen nach…

Stille!

Endlich, mein inneres Flehen wurde von den Göttern der Grünanlagen-„Pflege“ erhört!
„Pflege“ deshalb in Anführungszeichen, weil die von Mittwoch bis Freitag das Haus belagernde Armee von Mähtraktoren, Rasentrimmern, Laubbläsern und Heckenscheren eigentlich nur einen Zustand des hiesigen Grüns akzeptiert: Weg. Also im Sinne von „ab“, „nicht mehr da“, eben… WEG.
Und nun schweigen diese Werkzeuge des Untergangs meines Seelenfriedens endlich. Ich kann förmlich zuschauen, wie sich mein Puls verlangsamt, der Blutdruck singt, äh… ne, sinkt und ein Gefühl von Sanftmut und Glückseligkeit meinen Körper zu durchströmen begin-

WRRRRR-WRRRRR-WRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRR!

Ich hasse alles.
Ich hasse alles und jeden. Aber was bleibt mir anderes als die Flucht? Es ist ja nicht so, als würden da ein paar Leute auf die Fertigstellung eines Videoclips warten, aber ich kann mich bei dem LÄRM HIER EINFACH NICHT KONN.ZENN.TRIER.RENNN!

Wutentbrannt bewerfe ich mich solange mit meinen Sportklamotten, bis sie endlich so sitzen, als hätte ich sie ganz normal angezogen, und mit wohlgeübtem Ungeschick schwinge ich meinen Hintern aufs Rad und sause los. Natürlich hege ich die Hoffnung, dass die Rasenmähterroristen bei meiner Rückkehr wieder dahin verschwunden sind, wo sie herkamen.

Was weiß denn ich, wo sie herkamen?! Es ist mir scheiß egal, wo die herkamen! Sie sollen sich vom Acker machen, ich will meine RUHÄÄÄÄÄÄÄÄÄH!

Meine Fitness ist in den letzten Monaten wieder einer gewissen Fatness gewichen, weshalb ich bei der Rückkehr von meiner zweistündigen Radtour-zum-Zwecke-des-Stressabbaus feststellen muss: Es sind erst knapp vierzig Minuten vergangen, ich brauche eventuell ein Sauerstoffzelt und…

Die Rasenmähterroristen sind IMMER NOCH DA!

Alkohol. Das könnte die Lösung sein.

„Alkohol ist keine Lösung, sondern ein Destillat.“, höre ich den inneren Flachwitzmagier in mir zaubern. Gesichtspause™.

Also gut, besaufe ich mich eben nicht nachmittags um vier. Scheiß Vernunft. Es kommt noch schlimmer. Ich bin nicht nur nicht unvernünftig, nein, ich arbeite sogar (aus lauter Verzweiflung) weiter am Videogedöns!

Ich bin in dieser Woche mehrfach mit dem Rad durch die Gegend gesaust, nicht immer nur, um Stress abzubauen. Aber auch. Dann gab’s noch Essen. Hab’s mal wieder mit gesundem Gedöns versucht. War ganz nice. Was ist das überhaupt für ein komisches Schlusskapitel? Ok, was ist das für ein komischer Schlussabsatz? Hier, Bild vom Radfahren.

Da, noch eins vom Radfahren, aber im Dunkeln.

Außerdem wurden Kuscheltiere verstoßen. Aber nicht von mir.

Anschlag der Rasenmähterroristen.

Und hier, Essen.

Schönen Sonntach. Schüss.


© 2021 albert sadebeck

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Irgendwie sexy…


Ich hätte sterben können.

Wow. Tag der Deutschen Einheit und das fällt mir als erstes dazu ein? War vielleicht doch keine gute Idee, in den Untiefen meiner Erinnerungen herumzukramen.

Wobei, gekramt habe ich gar nicht. Der Gedanke poppte einfach wie so ein unerwünschtes Werbebanner auf, als ich feststellte „Heute ist Tag der Erinnerungen Deutschen Einheit“.

Was für ein Freud’scher Vertipper!

„Heute ist Tag der Erinnerungen Deutschen Einheit“

Ok, jetzt über die deutsche Erinnerungskultur nachzudenken, übersteigt mein aktuelles Energielevel um ein Vielfaches. Also zurück zum Anfang. „Ich hätte sterben können.“

Müsste es aus heutiger Sicht nicht „Ich hätte gestorben sein können.“ heißen? Ganz sicher bin ich mir nicht und vielleicht ist dieser Gedanke auch nur eine dieser Nebelkerzen, die ich laut Frau Dr. Kopfdoktor™ immer mal wieder werfe, um mich nicht mit der eigentlich gerade wichtigen Frage beschäftigen zu müssen. Und wem das hier zu dark zu werden droht, der:die kann ja unten in der Kommentarspalte (ist es bei dieser Anordnung in untereinanderliegenden Zeilen eigentlich korrekt, von Kommentarspalte zu sprechen?) darüber diskutieren, was die semantischen Differenzen zwischen den Sätzen

„Ich hätte sterben können.“

und

„Ich hätte gestorben sein können.“

und die daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen sind. Der Rest…

folgt mir einfach weiter in die Darkness dieses Sonntagmorgens, deren Ausmaß auch ich noch lange nicht überblicken kann.

03/10/1990. Genauer gesagt die Nacht vom 02/10/1990 auf den 03/10/1990. Ich bin mit einigen Leuten aus meiner Schule und meiner ersten Freundin (❤) auf einer dieser Radio-Partys, die uns (in wenigen Stunden ehemalige werdende) DDR-Bürgerinnen und Bürger vor den Latz geknallt wurden, damit wir uns jetzt endlich mal freuen können. Zum Freuen war einigen von uns knapp ein Jahr nach der Wende nur bedingt zumute, zeichneten sich allmählich doch die hässlichen Umrisse des Kapitalismus ab, die das Bild hiesiger demokratischer Umwälzungen verzerren würden. Aber hey, Werner Reinke ist mit hr3 zur Feier des Tages in den Osten gekommen und moderiert gekonnt durch einen Diskoabend im hässlichsten Partyzelt der Welt.
Behauptet zumindest meine Erinnerung. Ihre Angaben sind aber mit Vorsicht zu genießen, denn auf die Frage nach gespielten Songs kommt nur: Schweigen.

Ich weiß aber noch ziemlich genau, dass wir uns in der letzten Bierbankreihe dieses 80 Millionen Quadratkilometer hohen, ne… breiten, ne… ach egal. Jedenfalls saßen wir dahinten irgendwo an Bierbänken und in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen wurde einer aus der Gruppe nach vorne zum Bierstand geschickt, um uns mit Nachschub zu versorgen. Yep, einer. Die Damen in der Runde wurden selbstverständlich bedient, immerhin waren wir erst 16, zumindest einige von uns, und wir Jungs sahen entsprechend pubertär verpickelt (verpixelt wäre nicer gewesen) und/oder lala-ohrig aus, was wir wiederum mit „Ich lad Dich ein.“-Gesten zu kompensieren versuchten.

Und vorne auf der Bühne Werner Reinke! Leute, der war aus’m Westen! Und ‘ne richtige Berühmtheit. Der hat die ganzen Topacts im Radio angesagt und jetzt war der auf einmal hier, im Osten! Und wir waren auch da! Deutsche Einheit, Du kannst kommen, yaaay!

Hm, gerade wird mir bewusst, wie absurd das gesamte Szenario eigentlich war. Stellt Euch das doch mal in real (bitte „riehl“ aussprechen, danke) vor: Ich, bei sozialer-Interaktion-mit-mehr-als-drei-Leuten-gleichzeitig, dazu laute Musik und noch ein paar hundert andere Leute. Außerdem: Ich, bei sozialer-Interaktion-mit-mehr-als-drei-Leuten-gleichzeitig, die ich erst seit knapp vier Wochen aus der Schule (!) kannte! Außerdem außerdem, ich mit Freundin! (❤)

„Marrijscharunnor!“

Vermutlich ist es nicht unklug, dem verlallten Genuschel irgendeiner dahergelaufenen Dillgurke keine allzu intensive Beachtung zu schenken. Oder doch? Es gibt unter rumpöbelnden Suffköppen nach meiner Beobachtung zwei Typen.

Typ 1 ist so besoffen, dass er unabhängig von seinem mitgebrachten Aggressionspotential bei Nichtbeachtung seiner Pöbeleien relativ schnell das Interesse verliert. Einfach deshalb, weil er nach anderthalb Minuten schon wieder vergessen hat, was gerade los war.

Typ 2 ist genauso besoffen, aber fühlt sich bei Nichtbeachtung genauso getriggert, als würde man ihm widersprechen. Eine Konfrontation ist somit höchstens durch Flucht zu vermeiden.

Jetzt war ich doch aber mit Freundin (❤) und anderen Freundinnen und Freunden da. Da konnte ich aus mehreren Gründen nicht einfach fliehen. Obendrein hatte ich noch nicht verstanden, was das Problem von Mike war. Es könnte auch ein Ronny gewesen sein… Ja, ich denke es war ein Ronny.
Weil ich nicht sofort so reagierte, wie Ronny sich das wünschte, gab er mir immerhin noch eine zweite Chance. Vielleicht dachte er, ich hätte ihn aufgrund der lärmenden Party nicht richtig verstanden.

„Ischhasacht, Duuuh… sollsisch darunnormachn!“

Meine vom verantwortungsvoll mäßigen Alkoholkonsum nur minimal und auch nur in ihrem Tempo beeinträchtigten analytischen Skills erfassten nun vollends das Geschehen. Ronny störte sich daran, dass wir auf den Tischen saßen und unsere Füße auf den Sitzbänken aufstützten, um wenigstens ein bisschen was von dem sehen zu können, was vorne auf der Bühne und der davor gelegenen Tanzfläche passierte. Ronnys Bemühen um die Sauberkeit der Bierzeltgarnituren war in Anbetracht überall umgeworfener Aschenbecher, herumliegender Kippen und hektoliterweise verschütteter Getränke ein hoffnungsloses Unterfangen. Eventuell machte ihn gerade das so aggro. Oder halt die Tatsache, dass wir Spaß zu haben schienen und uns mochten. Ronny, Du alter Miesepeter!

Neben meinen jugendlich schnellen Analysefähigkeiten verfügte ich zum Glück (oder Unglück?) auch über sehr gute Antennen, um die Frage „Ist es Typ 2?“ unmittelbar mit „Ja!“ beantworten zu können. Ich hatte allerdings nicht auf dem Schirm, dass Ronny derart leicht zu triggern war. Während ich noch dachte, das ginge noch zwei Sätze hin und her und dann merken die anderen aus meiner Truppe, die wegen des Lärms drum rum noch nichts geschnallt hatten, dass es hier gerade brenzlig wird, und stünden mir zur Seite, natürlich mit dem Ziel einer gewaltfreien Lösung des Konfl-

Brrrsch!

Ronny, so geht das nicht! Man haut nicht einfach drauf los, es gibt Regeln. Bei einer richtigen Klopperei muss man mindestens drei Runden Beleidigungen austauschen und sich mit zwei-bis-vier albern aussehenden, weil besoffen ausgeführten Boxschritten in Position bringen. Tänzeln ist das Motto, Ronny, tänzeln!
Aber Ronny hatte einfach zugeschlagen. So richtig mit Faust eins aufs Maul.
Wollte er zumindest. Es kam aber ganz anders.

Meine Reaktion war doch schneller, als Ronny vermutet haben muss, weshalb Ronnys rechte Faust natürlich nicht mein Gesicht traf. Und eigentlich hätte mich Ronnys Faust nach meinem Ausfallschritt mit Drehung (boah, war ich damals noch sportlich!) überhaupt nicht treffen dürfen, wäre…

Ja, wäre Ronny nicht derart trullig aka besoffen gewesen, dass er über seine eigenen Beine stolpert und seine gottverdammte Faust statt auf ein Luftloch mit voller Wucht auf meinen Kehlkopf trifft!

Black

Eine Sekunde später öffne ich wieder die Augen. Der Lärm ist ungebrochen, aber irgendwie sieht alles komisch aus. Seltsam verbogene Körper spielen mit ihren Gesichtern Jo-Jo. Oder doch nicht? Nein, es sind Menschen, die sich zu mir herunterbeugen. Die Logik gebietet, dass ich mich auf dem Boden befinden muss. Ich möchte aufstehen, aber ich habe keine Kraft. Na klar, ich atme ja auch nicht. Warum atme ich nicht, warum? Atme doch mal! Geht nicht. Doch, probier’s! Ne, geht immer noch nicht. Warum denn nicht? Keine Ahnung. Könnte an dem Holzklotz liegen, der mir im Hals zu stecken scheint. Du musst atmen! Du musst atmen, sonst stirbst Du! Du stirbst! Du stirbst! DU STIRBST!!!

Ein Röcheln, als würde jemand seine Lunge auskotzen, ein Pfeifen und Rasseln, aber immerhin… ich bekomme wieder etwas Luft. Nicht viel, nur so viel, dass der Gedanke schwindet, ausgerechnet bei einer verkackten Party von Ronny den Larynx offline gestellt zu bekommen.

Meine Ärztin Frau Dr. Doktor (Genau, die, die mir sechs Jahre später meine Rückenschmerzen nicht geglaubt haben werden wird.) meinte lapidar „Schwellung, Glück gehabt, geht von alleine weg. In ein paar Wochen.“

Ich hätte sterben können, kein Witz. Bin ich aber nicht, auch wenn meine Stimme mehrere Wochen wie die eines Orks klang. Meine Freundin (❤) hatte da ‘ne andere Meinung.

„Ich finde, es klingt irgendwie sexy. ^^“


© 2021 albert sadebeck

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Blockpost™ was so passiert

Korn, alkoholfrei

Wichtig!

Seid keine Nazis! Wählt keine Nazis! Unterstützt keine Nazis! Wählt keine Unterstützer von Nazis! Unterstützt keine Wähler von Nazis! Lasst Euch nicht von Nazis unterstützen!

Helft Menschen in Not, auch wenn sie Nazis sind und/oder unterstützen! *

*) Das ist nämlich höchst appatur! 🙃


“Gerstenkorn”.

Yep, das war mein erster Gedanke, als ich heute Morgen versuchte, beide Augen in gewohnter Kleinkünstlereleganz zu öffnen.

„Gerstenkorn.“

Ich bitte euch, wie soll man denn mit einer positiven Grundhaltung in den Tag kommen, wenn man mit einem verf-, verkackten Gerstenkorn aufwacht! Ich mag keinen Korn. Und dann auch noch alkoholfrei? Frechheit!

Sofort schießen mir zweiundzwölfzig (lass mich, Autokorrektur) Gedankenfetzen* durchs Cerebellum (googelt „Cerebellum“, stellt fest: yep, passt schon).
„Das ist erst Stufe 1! In 3 Tagen sieht das Auge aus, als wäre ich mit ein paar Halbstarken im RE von Gotha nach Mühlhausen aneinandergeraten. Und hätte verloren!“
„Hab‘ ich aber nicht.“
„Hunger!“
„Ne, das ist nur so ein gedanklicher Reflex, um die Leere im Hirn zu kompensieren.“
„Echt jetzt?“
„Yep. Die Hirn-Version von Small Talk, gewissermaßen.“
„Dude, ich hätte wohl doch bei wöchentlichen Sitzungen mit Frau Dr. KopfDoktor bleiben sollen.“
„Yep.“

*In dieser Aufzählung ist nicht einer der Gedankenfetzen enthalten, die diese getriggert hätten. Sie sehen: Mein Hirn in Höchstform!

Es ist ‘ne ganze Menge passiert in den letzten Wochen, weshalb ich ‘ne ganze Menge gar nicht geschrieben habe. Zu wenig Zeit, you know. Oder einfach nur Faulheit. Im Zweifel beides, aber gepaart mit Unvermögen.

„Was ist denn nun passiert, in den letzten Wochen?“

Och, nix besonderes. Das Übliche halt.
Es gab Essen,
zu viele Drinks,
ich hab‘ gearbeitet,
mein Computer wollte unbedingt mal wieder von null eingerichtet werden (rolleyes),
Einsamkeit fand statt-

„Uuuh, jetzt will Einer Mitleid schinden…“

Nö, war halt so. Oder is‘ so? Egal, kundig bin ich nämlich trotzdem.

Mehr Kundigkeit!

Weiter in se Aufzählung…
Wurde von Mücken zerstochen,
hab‘ jetzt ein Küchenbuffet und ‘ne Seifenschale fürs Baaad (Aussprache ist hier sehr wichtig!),
hatte mit weirden Fahrzeugen zu tun,
bin über Holzimitatteppich im Hotelflur gelaufen,
habe Kulturheidelbeeren (BIO) versehentlich fallen lassen,
war als Nichtrauchender im Raucherbereich, bin überhaupt Bahn gefahren,
wurde aufgefordert, nach China auszuwandern, weil ich Kapitalismuskritik fotografiert und bei Insta gepostet habe,
bin an ‘ner Wolkenfabrik vorbeigefahren,
hab‘ mich übelst für Hollingtonsmum gefreut, die nämlich eine Geschichte in einem Buch veröffentlicht bekommen hat (aber davon kann sie mal schön selbst berichten, den Text gibt’s dann demnächst auch hier zu lesen, worauf ich mich auch übelst freue),
ich war an weirden Orten und an schönen Orten und… wie heißt es so schön,

a picture is worth a thousand words

Na dann…


Immer noch wichtig!

Seid keine Nazis! Wählt keine Nazis! Unterstützt keine Nazis! Wählt keine Unterstützer von Nazis! Unterstützt keine Wähler von Nazis! Lasst Euch nicht von Nazis unterstützen!

Helft Menschen in Not, auch wenn sie Nazis sind und/oder unterstützen! *

*) Das ist nämlich höchst appatur! 🙃


© 2021 albert sadebeck

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Blockpost™ was so passiert

cerebral procrastination

Der erste Staz ist immer der schwerste. Aber… was zur dreibeinigen Spagatrolle ist ein „Staz“?

Ich meine, das muss man sich mal aufm Scheitellappen zergehen lassen: Dieses tolle* Schreibprogramm korrigiert permanent ungefragt irgendwelche Ausdrücke wie „Tüdülüüü“ oder „Gesichtspause™“, aber dass ich „Satz“ schreiben wollte, das merkt es nicht?!

*) Das Schreibprogramm schlägt allen Ernstes vor, „tolle“ durch „großartige“ zu ersetzen. Aren’t we full of ourselves…

Der erste Satz ist also immer der schwerste, zumindest dann, wenn man keinen Plan hat, worüber man gerade schreiben möchte. Das Einzige, was klar ist, ich möchte schreiben. Aber auch nicht so viel. Soll ja hier nicht in Arbeit ausarten. Außerdem… schwitze ich.

Viele Menschen mögen es nicht, wenn sie schwitzen. Ich schon, zwingt es mich doch zu einer gewissen Langsamkeit. Und diese Langsamkeit ist nicht das Gegenteil einer Schnelligkeit (mit der könnte ich ganz gut leben), sondern der Versuch, eine gewisse Unruhe und Nervosität auszugleichen. Für diese gibt es viele kleine und eventuell auch ein paar mittelgroße bis gigantische Gründe, aber ehrlich gesagt…

Immer wenn jemand „aber ehrlich gesagt“ sagt, klingt das so, als wäre sie:er vorher nicht ehrlich gewesen. Stimmt aber nicht, ich war auch vorher schon ehrlich, hier ein paar schöne Bilder! 🙂

Ja ja, „schön“ ist relativ, aber ich war heute Morgen spazieren, wie man hier hören kann…

…und hab ein paar Fotos gemacht. Nur für diese Blockpost™!

Vielleicht wollte ich auf diesem Spaziergang ein paar Gedanken ordnen, vielleicht aber auch nur vor ihnen davonlaufen. Cerebral Procrastination oder so…

Was mir aufgefallen ist: In sehr vielen Bäumen tummeln sich unfassbar viele… Bienen? Ich bin mir nicht sicher, weil die kleinen Racker sich nicht gezeigt haben. Nur Krach haben sie gemacht, wie man eventuell hier nachhören kann. Man beachte auch die Taube! 😀

Vor ein paar Monaten habe ich durch Zufall herausgefunden, dass mein SnobPhone™ mir bisher verborgen gebliebene Funktionen hat.

Ich bin immer noch verblüfft, auch darüber, dass mein Bruder, der mit dem blauen SnobPhone™, das vor mir entdeckt hatte. Mein Schwesterherz kannte das bestimmt auch schon vor mir. Wahrscheinlich bin ich der letzte SnobPhone™-User des Universums, der diese Funktion gefunden gehabt haben werden würde.


Das ist doch kein Schluss für eine Blockpost™!

Ok, ok, Ihr habt ja recht!

Während ich also vergeblich die dreibeinige Spagatrolle übe, könnt Ihr mir bitte folgende Frage beantworten:

Was ist ein „Staz“?

Schreibt’s einfach in die Kommentare, ich bin schon sehr gespannt auf Eure Antworten!

P.S. Und kann mir bitte eine:r verraten, wie diese dreibeinige Spagatrolle geht?!


© 2021 albert sadebeck

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Blockpost™ was so passiert

Trip Over (to…?)


Ok, ich hab nach einer gefühlten Ewigkeit und realen sieben Minuten herausgefunden, wie man in dieser App auf dem SnobPad Blockposts™️ schreiben kann. Ich bin… ja, was bin ich eigentlich?

Ok, ich fange den zweiten Absatz auch mit „Ok, …“ an. Weil ich so einen facettenreichen Schreibstil habe, that’s weil! Um aber die am Ende des ersten Absatzes gestellte Frage zu beantworten, bevor ich vergessen habe, dass ich sie überhaupt gestellt habe, und das geht bei mir schnell, … aber es ist gar nicht die korrekte Fragestellung! Die bessere Frage wäre „Wo bin ich?“

Die Antwort ist recht schnell gegeben, wenn auch langsamer, als mir lieb sein kann: Ich sitze im Zug. Es ist ein Rumpelzug und das Schreiben wird durch das Gewackel auf germanisch holprigen Schienen weder einfacher, noch präziser als am heimischen Kleinkunsttippplatz und ja, ich habe „Kleinkunsttippplatz“ nur getippt, damit ich diese drei „p“ hintereinander getippt bekomme.

ich, hinterm (nicht vorm!) Messe „M“

Ja, ähm… kurzfristig eingetretene… ne, aufgetauchte… ne, ach, Umstände jedenfalls führten dazu, dass ich jetzt im Zug sitze und hier schreiben muss und habe ich Lust darauf? Ja. Habe ich Lust, auf dem SnobPad weiter zu schreiben? Nur so mittel. Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie Hollingtonsmum Blockposts™️ auf einem Mobiltelefon verfassen kann. Vermutlich hat sie Superkräfte. Klar, ist ja auch ’ne Mom (ha, merkter, was?).

Jedenfalls (ist der Kopf dicker als der Hals, ja ja… 🙄), ich finde den Schreibkomfort doch… ausbaufähig. Es gibt kein adäquates haitisches haptiscge haptisches Feedback, was in Kombination mit dem Gewackel hier zu einer derart hohen Fehlerquote führt, ach, lassen wir das.

„Trip Over“, Theater Titanick

Eigentlich… ja, eigentlich würde ich ja gerne davon berichten, dass ich mir ein Open Air Theaterspektakel anschaue, um dort (hoffentlich) demnächst für ein paar Shows das Lichtpult zu bedienen. Und natürlich auch Geld zu bekommen, mit dem ich mir Sachen kaufen kann. Socken zum Beispiel oder… noch mehr FFP2-Masken.

Diese werde ich nämlich brauchen, weil die Menschen… DUMM SIND. Sie sind so dumm, es tut mir beim Zuschauen weh.

Ich kann ja nachvollziehen, dass man auf dem Bahnsteig im Freien bei 25+ Grad keinen Bock hat, so ein Ding zu tragen. Aber könnt Ihr dann bitte wenigstens Abstand halten? Nur so… 2m, reicht schon. „Aber die Zahlen sind doch unten, jetze kömme doch wiedorr!“ Ne, könnt Ihr nicht!?

Und wie kommt man auf den Gedanken, es sei eine gute Idee, sich ohne Maske in den verkackten Zug zu setzen? Ganz ehrlich, Annika und Jörg, ich hab auch keinen Bock auf Maske im Gesicht (auch wenn sie mich sehr viel besser aussehen lässt, dass muss man schon sagen 🤔), aber noch weniger habe ich auf den durch Euch eingeleuteten nächsten Lockdown Bock, Ihr… Leute, Ihr…

Ich fasse es nicht. „Leute“? Das ist das Schimpfwort, welches mir einfällt, um meine Abneigung euch gegenüber kundzutun? So geht das nicht weiter. Offenbar hat mir das beim Umsteigen und dem damit verbundenen Aufenthalt plötzlich in die Hände geratene Eis die Sinne vernebelt, das Gemüt besänftigt, einNe

Diese Tippfehler, ey… 🙄

… einen Strich durch die von mir minutiös geplanten Rache- und Sabotageakte gemacht. Ist er das, der Moment, in dem alles endet und nichts neu beginnt? Der Moment, an dem mein Ich, des Garstes beraubt, in sich zusammenfällt wie ein Hefeteig, der nicht aufgegangen sein gekonnt haben würde wollen, ganz im Gegensatz zu meiner Plauze?

Die Antwort lautet schlicht und einfach: Nein.

Was anderes: Erst behauptete die Bahn App, der ICE habe Verspätung wegen „Signalanlage“. Doch dann rückten sie endlich mit der Sprache heraus.

Police Investigation, dömm-dömm-döööööhm!

Wenn ich nur wüsste, was sie investigateten. Haben sie die Maskenverweigerer doch noch hops genommen? Unwahrscheinlich, die hatten ein Alibi für die Tatzeit, verweigerten sie doch da gerade… ach, lassen wir das.

Vielleicht waren es ja… Tortenterroristen! Die wollten eigentlich einen Antiterroranschlag verüben, in dem sie auf das Erdbeereis in der 1. Klasse Sahne draufkippen (ja, drauf bei kippen nach „auf das Erdbeereis“ ist ein Pleonasmus, verklagt mich doch), damit die Leute mit ihrem First Class Habitus noch fetter werden, haben aber Kommunikationsprobleme mit ihrer Hackerin im Serverraum gehabt und verstanden, sie sollten „jetzt Torten werfen“, dabei sollte es „es kann auch morgen werden“ heißen und ganz ehrlich, ich weiß doch auch nicht, was ich hier grad schreibe!

Es ist aber immer noch gehaltvoller als das Telefongespräch in der Sitzreihe vor mir. Dessen Handlungshöhepunkt, der Climax gewissermassen, war die wichtige Information an die anrufende Person: „Ich sitz‘ im Zug.“

Ach was?

So, ich muss an dieser Stelle nochmal unterbrechen, da ich gleich aussteigen muss. Schreib ich eben morgen auf der Rückfahrt weiter. Bis dahin, hier ein paar völlig sinnlos zusammengestellte Fotos.


9:10 Uhr, ich stehe am Südplatz, bis zu dem ich gar nicht hätte laufen müssen, hätte der sympathische Tramfahrer mir nicht an der Kurt Eisner erst die Tür vor der Nase zugemacht, nur um dann nach einer weiteren Minute loszufahren. Arschloch.
Und ja, ich sage „Arschloch“ vollkommen emotionslos, auch wenn ich seinetwegen meinen Zug verpassen werde. Sorry, die nächste Tram-

Wie es sich für eine ordentliche UnterwegsBlockpost™️ gehört, schreibe jetzt natürlich auf dem SnobPhone. Das SnobPad ist fürs Schreiben in der Tram denkbar ungeeignet, weil… deshalb eben.


„Nächste Haltestelle: Augustusplatz. Zentraler Umsteigepunkt, Zugang zur Innenstadt“ – Die Ansage auf Deutsch ist genau das, deutsch. Kühl, sachlich, präzise.

GRASSI Museum für angewandte Kunst, Leipzig

„Next stop: Ausgustusplatz. Central transfer point. City Center.“ – Hach, zum Dahinschmelzen! Diese Stimme, so warm und dabei spricht sie mit einem Anflug von Melancholie als wollte sie sagen „Don’t leave me this way, stranger…“


Kaffee. Kaaaffeee! Ich habe tatsächlich Kaffee. Und nicht wie ein Wunder, nein, dank meiner flinken Beine habe ich tatsächlich meinen Zug geschafft. Wer hätte das gedacht?



Jetzt sitze-, ne… stehe ich im kleinsten Bordbistro seit Erfindung des Bordbistros und habe also Kaffee. Und ein völlig überteuertes Sandwich, das nur so mittel schmeckt. Die Sonne strahlt, das WLAN auch, was will ich also mehr? Nun, eigentlich wollte ich mich heute weiter über die dummen Menschen von gestern aufregen, aber ich habe auch einige auf den ersten (und zweiten!) Blick nicht dumme und durchaus nette Leute kennengelernt und für den Spätsommer ein paar Gigs als Beleuchter (per Handschlag) festmachen können. Und die Show, die ich da aus dem Dunkel der Nacht schälen darf, ist auch irgendwie cool. Wasser, Explosionen, Badeschaum, Riesenkulissen, you name it!

Und nun stellt sich noch die Frage: Schaffe ich es, diese Blockpost™️ komplett unterwegs geschrieben, gesetzt und veröffentlicht zu haben? Ich wage, das zu bezweifeln, da hierfür nur noch 35 Minuten bleiben. Aber wie sagt man neuerdings…

The trip isn’t over until the trip is over.

Oder so.


P.S. Das mit der Schokolade im ICE, Ihr kennt das, oder? Ich muss offensichtlich noch üben. 🙄

P.P.S. Das Geruckel in der Provinzbahn ist eine Zumutung. Wo fahren wir denn bitte lang, über Feldwege? 🙄

P.P.P.S. Die Blockpost™️ wird definitiv nicht im Zug fertig. 😐


© 2021 albert sadebeck